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Veröffentlicht von am in Reisen

Madeira

Start Portimao

Mittwoch, 26.10., 13.00 Uhr: Start von Portimao nach Porto Santo, Kurs 237 Grad, 460 nm Distanz.

Das Wetter ist heute wieder etwas launisch. Die letzten Tage zog hier eine Schlechtwetterfront mit viel Wind aus Südwest über uns hinweg. In Sicht ist ein großes Hochdruckgebiet mit wenig Wind, also schnell los, gemäß Wetterprognose die letzte Chance für die nächsten Tage, einigermaßen vernünftigen Wind abwechselnd aus fast allen segelbaren Richtungen zu bekommen. Mal schauen..

Porto Santo liegt etwa 30 nm nordöstlich von Madeira. Eine typische Vulkaninsel, 11 km lang, 3 km breit.

Die ersten drei Stunden motoren wir erwartungsgemäß noch, bis sich Wind aus WNW einstellt, der uns zunächst mit gerade man 5 kn vorankommen lässt. Bald schon kommt der erste Winddreher und wir können auf unseren geliebten Code Zero wechseln.

Der Wetterbericht sagt uns voraus, dass wir am Ende unserer Reise, also geplant am Ende von Tag 2, südliche Winde bekommen werden, daher halten wir etwas südlich vor, um später keinen Kreuzschlag machen zu müssen. Es läuft gut. Mit 8 kn segeln wir in die Nacht, eine wirklich dunkle Nacht, da kein Mond am Himmel erscheint, sonder dicke Wolken jegliches Licht verschlucken. Gespenstisch, wenn die Sicht fast gleich null ist und lediglich hier und da nur die weiße Gischt sichtbar wird, die von unserem Boot wie bei einem Schneepflug, sich  links und rechts vom Bug aufbaut, um dann im Nichts wieder zu verschwinden. So segeln wir bis kurz vor Mitternacht, als der Wind nachlässt und wir mit 1.600 U/min langsam durch die Nacht tuckern. Wir liegen weit hinter unseren Berechnungen, in gut zwei bis drei Tagen die knappen 460 nm schaffen zu können. Na ja, so bekommen wir erst einmal eine ruhige erste Nacht bis 4.00 Uhr.  Dann kommt etwas Wind und die Segel gehen hoch. Für zwei Stunden, dann hat jemand den Wind wieder abgeschaltet. Komplett. Die Segel schlagen, das Großsegel muß geborgen werden, bevor es Schäden nimmt. Dieses Spiel mit Segelsetzen und Segelbergen geht heute den ganzen Tag so weiter, als wenn das Wetter mit uns spielt. Allein 3 x hintereinander geschieht folgendes Szenario: kräuseln auf dem Wasser, eine Brise kommt. 10 Minuten warten. Die Brise bleibt. Segel hoch, juhu, wir segeln! 10 Min später schlagen die Segel wieder, das Kräuseln des Wassers ist auch nicht mehr da, also Segel bergen. Am Anfang werden die Segel noch akribisch jedes Mal zusammen gelegt, nach dem dritten Mal jedoch, nur noch fallen gelassen und grob sortiert.

Jetzt sind wir fast zwei Tage unterwegs und haben noch nicht viel geschafft, nicht einmal die Hälfte der Strecke. Dafür haben wir schon 23 Motorstunden. Zwei Dinge werden immer klarer: 1. der Wetterbericht hält nicht, die Flaute ist schon da. und 2. wir haben nicht genug Diesel für den Rest der Strecke. Wir müssen noch 260 Seemeilen, und haben für maximal 110 Seemeilen noch Diesel, wenn wir im Schneckentempo fahren. Der Enstschluß steht: ab sofort wird nur noch nachts motort, wenn das Boot anfängt zu treiben und zu rollen, oder wenn wir ausweichen müssen. Beschlossen und verkündet.

4 kn Wind. Es ist spannender und zugleich nerventötender als jeder Krimi, Code Zero, du mußt uns hier rausholen. Gemeinsam mit deinem dicken Kumpel, dem Spinacker!

 

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4 Kn Wind. Der Code Zero holt immerhin 2,5 kn raus. Zwei Stunden später, 3 kn Wind, noch 1,8 kn Fahrt. Weit und breit kein Schiff, das nächste AIS Signal eines Frachters ist über 60 nm entfernt.....die Sicht ist gleich null, also entspannen, warten und hoffen. Wenigstens schlagen keine Segel und dieser lästige Segelwechsel zwischen hoch und runter entfällt. Wir segeln nur unter Code Zero. Das Großsegel würde jetzt den Code Zero so in die Windabdeckung nehmen, dass dieser nur noch wie ein nasser Waschlappen nach unten hängen würde, zumnindest die überwiegende Zeit. Aber so wird es immer entspannter. Das Segel steht so leidlich, aber es steht und wir kommen zumindest in die richtige Richtung voran. Unsere Ansprüche ändern sich langsam. Gestern waren wir noch genervt und wurden nervöser mit abnehmenden Wind, aber jetz scheint sich alles Genervtsein in Luft aufzulösen, in warmer, sehr warmer Luft! Es sind die ersten Nächte, in denen wir über 20 Grad haben! Tagsüber sind es 25 Grad, über 400 km von der Küste entfernt! Das Wasser hat jetz auch schon 19 Grad - es geht bergauf.

 

Chaos auf dem Atlantik!

Samstag, noch 170 nm bis Porto Santo, 7.30 Uhr, Sonnenaufgang.

Das leichte Gurgeln am Heck, hier und da eine kleine Welle, die an die Bordwand leise klatscht, und dann dieses leise, aber permanente Arbeiten des Autopiloten An Aus An Aus..........................Trotzdem, es ist so friedlich, ja, wir fühlen uns geborgen auf dem Wasser, obwohl der Atlantik bei uns Begeisterung und zugleich Respekt auslöst. Da ist dieses unbeschreibliche Blau des Wassers, wenn es ganz glatt da liegt und die Sonnenstrahlen sich in dieser scheinbar unendlichen Tiefe verlieren. Klingt vielleicht kitschig, aber alles andere ist untertrieben, so unbeschreiblich schön ist dieser Anblick. Deep Blue. 4.500 Meter Wassertiefe.

Dann ist da diese Dünung, diese laaaaaange Dünung. Auch bei absolut ruhigem Wasser geht es ganz langsam 3 m hoch und genau so langsam 3m runter. Wir merken es nicht, wir sehen es nur am Horizont.

Mottowechsel. Heute ist Partytag. Wenn schon nichts los ist, dann muß man ja was los machen. Das ausgiebige Frühstück beendet. Duschzeit. Es wird der Wassersack gefüllt und am Gr0ßbaum aufgehängt. Mit der Dirk in die richtige Höhe gezogen, so können wir im Stehen duschen. Herrlich. Gleichzeitig können wir so das Cockpit etwas wischen. Uns geht es gut. Wir ziehen eine Bilanz: dank des Wassermachers haben wir genug Wasser. Strom haben wir durch unsere Solarzellen. Zu Essen ist genug da. Also alles gut. Oder? Oh schreck, das Bier wird knapp....:-)))

 

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Dann gesellen sich die eresten Gäste zur Party: drei kleine Vögel suchen neugierig Schutz bei uns. Einer will gleich einchecken und ist nur sehr schwer, wieder aus der Kabine zu vertreiben, nachdem er das ganze Deck nach toten Insekten, wie Gewitterfliegen, eine tote Libelle und eine Motte sauber gepickt hat. Auch ein kleiner fliegender Fisch kam zu Besuch, aber leider nicht lebend. Den kleinen Kraken, den wir stinkend auch an Deck finden, schmeißen wir etwas angeekelt schnell ins Wasser - ach ja, das Foto hätten wir ja noch machen können, fällt uns dann zu spät ein.

 

Am Horizont taucht eine Segelyacht auf: Gwelan! Wir lagen ein pr Tage nebeneinander und haben gemeinsam Portimao verlassen.....es ist eine 12 m Koopmanns aus Alu, ein schönes Schiff. Gwelan setzt den Spinacker. Laut AIS sind wir zwar schneller als Gwelan, aber wir folgen dem Beispiel und ziehen auch unseren Spi. Ein packendes Duell entwickelt sich: 1,3 kn zu 1,8 kn. Mal bekommt der eine einen Hauch mehr Wind, mal der andere. Meter um Meter kämpfen wir uns vor. Stundenlang.

Wir geben alles um nach acht Stunden wilder Verfolgungsjagd endlich zum Überholen anzusetzen. Da wir nicht gegenseitig unsere Segel kaputt machen möchten, die wegen der entstehenden Abdeckung beim Überholen einfallen und sich vertüdeln können, bzw, werden, entschließen wir uns, unser Segel zu bergen, etwas kostbaren Diesel zu opfern, um Gwelan zu passieren.

 

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Gwelan konnte lange motoren, war daher vor uns und mußte nun den Motor abstellen, da der Diesel zur Neige ging. Noch 90 nm bis zum Ziel. Immer wieder verläßt uns der Wind. Wir können noch mit 1.200 U/min ein Treiben verhindern und kommen so gut durch die Nacht. Jetzt, am Sonntagvormittag kommt zum ersten Mal Land in Sicht, kurz tauchen Bergspitzen aus einem Wolkenfeld heraus, um schnell wieder darin zu versinken. Kein Wunder, dass Porto Santo als Nachbarinsel von Madeira erst im 15. Jahrhunder viel später als Madeira entdeckt, da die Insel fast ganzjährlich in einem eigenen Wolkenfeld versteckt ist. Porto Santo heisst übersetzt heiliger Hafen, so wie das deutsche Heiligenhafen bei Fehmarn.

 

Dann kommt unser Reiseabschiedsgeschenk!

 

Wir haben damit nicht mehr gerechnet.

Wie aus dem Nichts heraus tauchen um unser Boot 3 Wale auf, eine Blasfontäne macht uns darauf aufmerksam. Sie kommen offensichtlich von einer größeren Gruppe von Walen, die hinter unserem Boot langziehen.

Nachdem wir kostbare Zeit damit verloren haben, den Fotoapparat vergebens zu suchen , können wir gerade noch sehen, wie einige hundert Meter entfernt ein großer Wal sich ganz aus dem Wasser rausschraubt, sich dabei um die eigene Achse dreht, um sich dann donnernd wieder ins Meer fallen zu lassen. Wir sind sprachlos. Es ist ein unbeschreibliches Erlebnis, diese Tiere live zu sehen. Ein krönender Abschluß dieser langen Seereise.

Die Insel Porto Santo begrüßt uns standesgemäß mit Wolken, etwas Regen, sogar mit einer 22 kn Windbö aus einer Wolke heraus.

Aber wir schaffen es noch. Mit dem letzten Licht des Tages und den letzten vier Litern Diesel ereichen wir dann Porto Santo, werden herzlichst empfangen von anderen Seglern aller europäischen Nationen und einem freundlichem Zöllner, der uns auch gleich ins Büro bittet. Hier ist alles entspannt, hat aber seine Ordnung.

 

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Glücklich und geschafft genießen wir unser letztes Bier zum Anlegen (ein kaltes Jever Pilsener, extra vom Munde abgespart!!) und können es noch gar nicht richtig realisieren, jetzt schon ziemlich weit draussen auf dem Atlantik zu sein und unseren bisher größten Abschnitt trotz der Umstände super gemeistert zu haben. Doch das Wichtigste an der Reise war die Wandlung vom nervösem Segler der in der Flaute feststeckt, hin zu dem Segler, der genau das genießt, das Leben auf dem Wasser und sich einfach gehen läßt - schließlich zahlen andere Leute sehr viel Geld dafür, eine Außenkabine mit Panoramablick und eigenem Sonnendeck für eine Atlantikkreuzreise, es kommt eben nur auf die Sichtweise der jeweiligen Situation an. Für diese Erfahrung sind wir sehr dankbar.

Gwelan können wir dann am nächsten Morgen auch im Hafen begrüßen, sie haben doch noch in der Nacht guten Wind bekommen.  Es gibt abends dann eine herzliche Willkommensfeier!!

 

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