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Veröffentlicht von am in Reisen

41 Stunden Achterbahn nach Lanzarote

 

Dienstag, 08.112016., 14.00 Uhr, Quinta de Lorde, Madeira. Gwelan legt ab. Wir wollen in zwei Stunden folgen und wollen gemeinsam nach Lanzarote, Marina Rubicon. Klingt vielversprechend. Es sind 280 nm zu absolvieren. Uns erwarten konstant Winde bis 7 Beaufort, mit Glück Halbwindkurs, Tendenz eher etwas höher am Wind. Bis 3m Welle. Aufgrund der Wellenrichtung und unseres Windwinkels planen wir mit durchschnittlich 7 Knoten Geschwindigkeit. Konstante Geschwindigkeit fast! Wir haben eigentlich durchgehend Wind  zu erwarten, eher mehr denn weniger. Da stimmt das Verhältnis zwischen Segel- und Motorstunden, so soll es sein. Halbe Stunde aus dem Hafen motoren, halbe Stunde in den Hafen, zwischendurch gute 40 Stunden segeln.

Unser Ablegen verzögert sich um eine Stunde. Wir sitzen noch im Restaurant, eine Kleinigkeit essen vor unserer Abfahrt, aber es dauert und dauert.....

Macht nichts, wir haben Zeit. Wir rechnen mit gut 40 Stunden und wollen im Hellen ankommen. Das schaffen wir alle Mal mit einem Puffer von 9 Stunden.

Wir haben alles gut vorbereitet. Alle Segel sind angeschlagen, vom Code Zero bis zur kleinen Arbeitsfock, die richtig viel Wind abkann.

Kaum aus dem Hafen, die Segel gesetzt, steuert Kerstin uns unserem ersten Wegpunkt entgegen, das südliche Ende der Naturschutzinsel Desolata.

Wieso ist da vorne fliegendes Wasser? Es gibt eigentlich keinen Grund dafür, das Wetter ist noch moderat. Wieder fliegendes Wasser, direkt voraus.

Ein Wal! Es ist ein großer Wal, der regelmäßig seine Fontäne bläst, als wenn er schnarchend an der Oberfläche treibt. Wir haben direkt Kurs auf den Wal, luven an, um einen Bogen um ihn zu machen. Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Als wenn wir gar nicht da sind. Majestätisch. Wir sehen nur den Buckel, die kleine Finne und können nur erahnen wie groß er ist. Da wir nur max 10 m von ihm entfernt sind, na ja, er ist min so lang wie unser Boot, das sind immerhin 10,5 Meter. Gewaltig, elegant - uns fehlen die Worte ausser oh und wow und wahnsinn.....so wurden wir von Madeira empfangen, so werden wir verabschiedet. Es hilft eben doch, wenn wir öfter mal gaaaanz laut "Waaaaldi...." rufen. Sie kommen schon irgendwann. Und wir haben gelernt: wir suchen keine Kamera, dieser Moment ist unser persönlicher Moment, wir haben nichts verpasst.

Und zur Belohnung oben drauf können wir kurze Zeit später den Code Zero setzen und preschen mit 9 bis 10 Knoten davon. Sind wir gar nicht mehr gewohnt. So schnell. Lange ist es her. Jetzt, eine Bö, eine Welle, wir oben drauf 12,2 Knoten für einen kurzen Moment. Welch ein Tag, das wird eine schöne Reise, wir spüren es.

Doch unser Glück mit dem Code Zero hält nicht zu lange an. Nach einer guten Stunde dreht der Wind und nimmt gleichzeitig zu. Wir segeln jetzt einen Winkel von 70 Grad zum Wind, bis 27 Knoten Wind in den ersten Böen, aber nichts dramatisches. Wir können immer ein wenig abfallen und setzen den zusätzlichen Wind als kleinen Turbo zwischendúrch ein. Das Boot ist wirklich sehr schwerfällig durch unser ganzes Gepäck geworden. Schwerfällig im Vergleich zur Agilität, die sie hat, wenn sie leer ist, leicht wie eine Feder. Jetzt eher leicht wie ein Daunenkissen. Aber im Vergleich zu den meisten anderen Booten, die wir treffen, haben wir immer noch das agilste und sportlichste Boot, meistens auch das schnellste und kleinste Boot.

Nur kommen wir nicht so schnell ins Gleiten wie sonst und das ist gerade heute gut merkbar. Der Wind kommt etwas vorlicher, die Wellen leicht schräg von vorne und knallen regelmäßig so hart gegen die Bordwand, dass es einem durch Mark und Bein geht. Dann immer wieder dieses Szenario: das Boot bremst ab, ein Knall gegen die Bordwand und ein Riesenschwall salziges Atlantikwasser kommt quer über das Boot geflogen und lässt wirklich nichts trocken. 5 Sekunden nach Aufprall und Fontäne läuft ein kleiner Sturzbach über das Boot, quer über die Sitzbänke in das Cockpit, um über das offene Heck wieder im Meer zu verschwinden.

Die Wellen treffen auch immer öfter unser Vorsegel, gut dass wir mittlerweile unsere kleine Fock segeln. Alles ist gut verzurrt. Nichts klappert oder knallt oder arbeitet sich anderweitig auf. Es geht ganz schön hart zur Sache, die Wellen werden konstant höher, der Autopilot arbeitet auf der zweithöchsten Stufe, am Heck gurgelt der Wassergenerator, der den Autopiloten mit Strom versorgt. Alles funktioniert. Wir haben unsere Radar- und AISüberwachung aktiviert. Jeder kann uns gut sehen, und wir erkennen auch jeden, falls er zu nahe kommen sollte.

Beste Voraussetungen. Nach über 2.500 Seemeilen sind wir natürlich seefest, wir werden auch nicht richtig seekrank, aber es gibt bestimmte Anzeichen dafür, dass es uns doch mulmig wird. Flau, nicht richtig schlecht, aber eben auch nicht gerade motiviert. Zuerst schmeckt das Bier nicht mehr. Ein untrügliches Zeichen! Nicht, dass wir uns während des Segelns betrinken, aber so alle paar Stunden mal ein Bier...Also, es ist soweit. Das letzte Bier haben wir uns gestern Abend geteilt. Da schon geteilt. Jetzt trinken wir Tee und Wasser. Dann bleibt der Hunger aus. Oder vielmehr der Appetit. Ja und dann kommt die Müdigkeit. Wir haben Glück, durchleben zwar diese Stadien, erreichen aber nicht den Gipfel: Erbrechen und Kraftlosigkeit. Wir berappeln uns, geniessen den Sternenhimmel zwischendurch und halten uns fest. Jede Bewegung an Bord will wohl überlegt sein, damit die nächste Welle einen nicht ungewollt quer durch das Boot katapultiert. So mit blauen Flecken und so. Bleibt nicht ganz aus, bei solch einem Wetter.  Hat es sonst auch immer so gerumpelt?

Kein Ende in Sicht. Und es ist erst die erste Nacht. Wir haben noch einiges vor uns.

Vor uns sind zwei Boote, Gwelan mit 6 Knoten und ein Katamaran Tweeni, der genau so schnell wie wir ist. Tweeni ist 11 Meilen vor uns, Gwelan noch 2 Meilen.

Wir brauchen nur eine gute Stunde noch, um Gwelan zu überholen, in großem Abstand bei diesem Wetter und vor allem um diese Uhrzeit, nachts um drei.

Die Luft ist sehr abgekühlt, wir haben tatsächlich dicke Segelklamotten an, nur das Wasser, welches regelmäßig über uns kommt ist angenehm warm im Gesicht und auf der Händen. Das gehört wohl dazu. Wir sehen keinerlei Tiere mehr. Keine Vögel, keine Delfine, keine Wale. Liegt vielleicht auch an den hohen Wellen um uns herum, da ist es schwer, irgendetwas im Wasser zu erkennen.

Wir haben Nachmittag. Situationsbedingt ohne Kaffee und Kuchen, dafür haben wir Kollisionskurs mit einem Frachter. Wir haben ihn schon lange übr AIS verfolgt, aber der Kollisionskurs bleibt unverändert.

Baltic Carreer, Baltic Carreer, Baltic Carreer for Foxy Lady coming........Here is Baltic Carreer, who is calling?...... This is Foxy Lady, the sailing yacht in front of you. What is your Intention, please?......I change my course, port to port, over!

 

 

Begegnung auf hoher See

 

Ein sehr kurzes aber erfreuliches Gespräch: der Frachter ändert kommentarlos seinen Kurs und wir passieren einander port to port, das bedeutet Backbordseite an Backbordseite. So entspannt kann eine Begegnung auch sein. Wir haben zu Hause viel zu wenig Kontakt mit Schiffen in ähnlichen Situationen aufgenommen, es macht das Miteinander auf See sehr viel angenehmer.

Die Sonne kommt öfter durch, doch der Wind bleibt unverändert in seiner Stärke bis 28 Knoten, die Richtung des Windes ändert sich mal so mal so in einem Bereich von 61 bis 90 Grad zu unserem Kurs. Also mal besser und schneller, mal ungemütlich und holperig. Einfache Handlungen werden zur Arbeit.

Die nächste Nacht. Wir kommen gut voran. Der Katamaran Tweeni ist konstant vor uns. Wir können zwar drei Meilen auf ihn gut machen, aber so richtig kommen wir nicht dran. AIS macht es spannend, man kann seinen "Gegner" jederzeit beobachten.

Dann funkt Tweeni uns an und fragt uns nach dem Wetterbericht und ob alles in Ordnung sei bei uns. Tweeni wird wohl noch mehr durchgeschüttelt als wir und freut sich zu hören, dass es Leute gibt, die dieser Situation auch Spass abgewinnen können und das Segeln geniessen, auch wenn es einem zwischendurch mal etwas flau wird, aber das geht auch wieder. Nur seine Hoffnung auf weniger Wind können wir nicht so richtig bestätigen. Unser Wetterbericht sieht eher so aus, als wenn es mehr werden könnte. Wir beunruhigen sie nicht und hoffen ja selbst auch auf ein paar Knoten weniger Wind.

 

 

Leuchtfeuer südl.Kap

 

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Es stimmt, der Wind wird jetzt weniger. Es ist jetzt aber bereits Donnerstag morgen und wir sind kurz vor dem Ziel. Laut Literatur rechnen wir mit einer Verstärkung des Windes um das Kap herum mit bis zu 10 Knoten, binden das zweite Reff deshalb ein und warten jetzt, was passiert. Sehr zu unserer Verblüffung bekommen wir nicht einen auf die Mütze, wie erwartet, sondern der Wind schläft ein. Komisch, aber gut. Kaffee kochen, verschnaufen. Die Nacht ist auch überstanden. Die ganze Zeit ging es letzte Nacht so weiter, über Stock und Stein, erst in der Abdeckung von Lanzarote wurden die Wellen gemäßigter. Somit können wir den schönen Morgen mit Sonnenschein und lauem Wind richtig geniessen, motoren schließlich die letzte halbe Stunde in den Hafen und bekommen einen schönen Liegeplatz.  Um 10 Uhr, nach 41 Stunden permanenter Achterbahnfahrt, haben wir es geschafft: die Kanaren! Der erste Eindruck ist sehr gut von Lanzarote, insbesondere von der Marina Rubicon. Jetzt erstmal entspannen, duschen und essen und auf Gwelan warten.

Gwelan kommt um 17.00 Uhr in den Hafen, sie haben 10 Stunden mehr gebraucht als wir, sind aber sicherlich komfortabler unterwegs gewesen.

 

Spuren der Nacht....

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