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Reisen

Veröffentlicht von am in Reisen

 

Dienstag, 08.112016., 14.00 Uhr, Quinta de Lorde, Madeira. Gwelan legt ab. Wir wollen in zwei Stunden folgen und wollen gemeinsam nach Lanzarote, Marina Rubicon. Klingt vielversprechend. Es sind 280 nm zu absolvieren. Uns erwarten konstant Winde bis 7 Beaufort, mit Glück Halbwindkurs, Tendenz eher etwas höher am Wind. Bis 3m Welle. Aufgrund der Wellenrichtung und unseres Windwinkels planen wir mit durchschnittlich 7 Knoten Geschwindigkeit. Konstante Geschwindigkeit fast! Wir haben eigentlich durchgehend Wind  zu erwarten, eher mehr denn weniger. Da stimmt das Verhältnis zwischen Segel- und Motorstunden, so soll es sein. Halbe Stunde aus dem Hafen motoren, halbe Stunde in den Hafen, zwischendurch gute 40 Stunden segeln.

Unser Ablegen verzögert sich um eine Stunde. Wir sitzen noch im Restaurant, eine Kleinigkeit essen vor unserer Abfahrt, aber es dauert und dauert.....

Macht nichts, wir haben Zeit. Wir rechnen mit gut 40 Stunden und wollen im Hellen ankommen. Das schaffen wir alle Mal mit einem Puffer von 9 Stunden.

Wir haben alles gut vorbereitet. Alle Segel sind angeschlagen, vom Code Zero bis zur kleinen Arbeitsfock, die richtig viel Wind abkann.

Kaum aus dem Hafen, die Segel gesetzt, steuert Kerstin uns unserem ersten Wegpunkt entgegen, das südliche Ende der Naturschutzinsel Desolata.

Wieso ist da vorne fliegendes Wasser? Es gibt eigentlich keinen Grund dafür, das Wetter ist noch moderat. Wieder fliegendes Wasser, direkt voraus.

Ein Wal! Es ist ein großer Wal, der regelmäßig seine Fontäne bläst, als wenn er schnarchend an der Oberfläche treibt. Wir haben direkt Kurs auf den Wal, luven an, um einen Bogen um ihn zu machen. Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Als wenn wir gar nicht da sind. Majestätisch. Wir sehen nur den Buckel, die kleine Finne und können nur erahnen wie groß er ist. Da wir nur max 10 m von ihm entfernt sind, na ja, er ist min so lang wie unser Boot, das sind immerhin 10,5 Meter. Gewaltig, elegant - uns fehlen die Worte ausser oh und wow und wahnsinn.....so wurden wir von Madeira empfangen, so werden wir verabschiedet. Es hilft eben doch, wenn wir öfter mal gaaaanz laut "Waaaaldi...." rufen. Sie kommen schon irgendwann. Und wir haben gelernt: wir suchen keine Kamera, dieser Moment ist unser persönlicher Moment, wir haben nichts verpasst.

Und zur Belohnung oben drauf können wir kurze Zeit später den Code Zero setzen und preschen mit 9 bis 10 Knoten davon. Sind wir gar nicht mehr gewohnt. So schnell. Lange ist es her. Jetzt, eine Bö, eine Welle, wir oben drauf 12,2 Knoten für einen kurzen Moment. Welch ein Tag, das wird eine schöne Reise, wir spüren es.

Doch unser Glück mit dem Code Zero hält nicht zu lange an. Nach einer guten Stunde dreht der Wind und nimmt gleichzeitig zu. Wir segeln jetzt einen Winkel von 70 Grad zum Wind, bis 27 Knoten Wind in den ersten Böen, aber nichts dramatisches. Wir können immer ein wenig abfallen und setzen den zusätzlichen Wind als kleinen Turbo zwischendúrch ein. Das Boot ist wirklich sehr schwerfällig durch unser ganzes Gepäck geworden. Schwerfällig im Vergleich zur Agilität, die sie hat, wenn sie leer ist, leicht wie eine Feder. Jetzt eher leicht wie ein Daunenkissen. Aber im Vergleich zu den meisten anderen Booten, die wir treffen, haben wir immer noch das agilste und sportlichste Boot, meistens auch das schnellste und kleinste Boot.

Nur kommen wir nicht so schnell ins Gleiten wie sonst und das ist gerade heute gut merkbar. Der Wind kommt etwas vorlicher, die Wellen leicht schräg von vorne und knallen regelmäßig so hart gegen die Bordwand, dass es einem durch Mark und Bein geht. Dann immer wieder dieses Szenario: das Boot bremst ab, ein Knall gegen die Bordwand und ein Riesenschwall salziges Atlantikwasser kommt quer über das Boot geflogen und lässt wirklich nichts trocken. 5 Sekunden nach Aufprall und Fontäne läuft ein kleiner Sturzbach über das Boot, quer über die Sitzbänke in das Cockpit, um über das offene Heck wieder im Meer zu verschwinden.

Die Wellen treffen auch immer öfter unser Vorsegel, gut dass wir mittlerweile unsere kleine Fock segeln. Alles ist gut verzurrt. Nichts klappert oder knallt oder arbeitet sich anderweitig auf. Es geht ganz schön hart zur Sache, die Wellen werden konstant höher, der Autopilot arbeitet auf der zweithöchsten Stufe, am Heck gurgelt der Wassergenerator, der den Autopiloten mit Strom versorgt. Alles funktioniert. Wir haben unsere Radar- und AISüberwachung aktiviert. Jeder kann uns gut sehen, und wir erkennen auch jeden, falls er zu nahe kommen sollte.

Beste Voraussetungen. Nach über 2.500 Seemeilen sind wir natürlich seefest, wir werden auch nicht richtig seekrank, aber es gibt bestimmte Anzeichen dafür, dass es uns doch mulmig wird. Flau, nicht richtig schlecht, aber eben auch nicht gerade motiviert. Zuerst schmeckt das Bier nicht mehr. Ein untrügliches Zeichen! Nicht, dass wir uns während des Segelns betrinken, aber so alle paar Stunden mal ein Bier...Also, es ist soweit. Das letzte Bier haben wir uns gestern Abend geteilt. Da schon geteilt. Jetzt trinken wir Tee und Wasser. Dann bleibt der Hunger aus. Oder vielmehr der Appetit. Ja und dann kommt die Müdigkeit. Wir haben Glück, durchleben zwar diese Stadien, erreichen aber nicht den Gipfel: Erbrechen und Kraftlosigkeit. Wir berappeln uns, geniessen den Sternenhimmel zwischendurch und halten uns fest. Jede Bewegung an Bord will wohl überlegt sein, damit die nächste Welle einen nicht ungewollt quer durch das Boot katapultiert. So mit blauen Flecken und so. Bleibt nicht ganz aus, bei solch einem Wetter.  Hat es sonst auch immer so gerumpelt?

Kein Ende in Sicht. Und es ist erst die erste Nacht. Wir haben noch einiges vor uns.

Vor uns sind zwei Boote, Gwelan mit 6 Knoten und ein Katamaran Tweeni, der genau so schnell wie wir ist. Tweeni ist 11 Meilen vor uns, Gwelan noch 2 Meilen.

Wir brauchen nur eine gute Stunde noch, um Gwelan zu überholen, in großem Abstand bei diesem Wetter und vor allem um diese Uhrzeit, nachts um drei.

Die Luft ist sehr abgekühlt, wir haben tatsächlich dicke Segelklamotten an, nur das Wasser, welches regelmäßig über uns kommt ist angenehm warm im Gesicht und auf der Händen. Das gehört wohl dazu. Wir sehen keinerlei Tiere mehr. Keine Vögel, keine Delfine, keine Wale. Liegt vielleicht auch an den hohen Wellen um uns herum, da ist es schwer, irgendetwas im Wasser zu erkennen.

Wir haben Nachmittag. Situationsbedingt ohne Kaffee und Kuchen, dafür haben wir Kollisionskurs mit einem Frachter. Wir haben ihn schon lange übr AIS verfolgt, aber der Kollisionskurs bleibt unverändert.

Baltic Carreer, Baltic Carreer, Baltic Carreer for Foxy Lady coming........Here is Baltic Carreer, who is calling?...... This is Foxy Lady, the sailing yacht in front of you. What is your Intention, please?......I change my course, port to port, over!

 

 

Begegnung auf hoher See

 

Ein sehr kurzes aber erfreuliches Gespräch: der Frachter ändert kommentarlos seinen Kurs und wir passieren einander port to port, das bedeutet Backbordseite an Backbordseite. So entspannt kann eine Begegnung auch sein. Wir haben zu Hause viel zu wenig Kontakt mit Schiffen in ähnlichen Situationen aufgenommen, es macht das Miteinander auf See sehr viel angenehmer.

Die Sonne kommt öfter durch, doch der Wind bleibt unverändert in seiner Stärke bis 28 Knoten, die Richtung des Windes ändert sich mal so mal so in einem Bereich von 61 bis 90 Grad zu unserem Kurs. Also mal besser und schneller, mal ungemütlich und holperig. Einfache Handlungen werden zur Arbeit.

Die nächste Nacht. Wir kommen gut voran. Der Katamaran Tweeni ist konstant vor uns. Wir können zwar drei Meilen auf ihn gut machen, aber so richtig kommen wir nicht dran. AIS macht es spannend, man kann seinen "Gegner" jederzeit beobachten.

Dann funkt Tweeni uns an und fragt uns nach dem Wetterbericht und ob alles in Ordnung sei bei uns. Tweeni wird wohl noch mehr durchgeschüttelt als wir und freut sich zu hören, dass es Leute gibt, die dieser Situation auch Spass abgewinnen können und das Segeln geniessen, auch wenn es einem zwischendurch mal etwas flau wird, aber das geht auch wieder. Nur seine Hoffnung auf weniger Wind können wir nicht so richtig bestätigen. Unser Wetterbericht sieht eher so aus, als wenn es mehr werden könnte. Wir beunruhigen sie nicht und hoffen ja selbst auch auf ein paar Knoten weniger Wind.

 

 

Leuchtfeuer südl.Kap

 

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Es stimmt, der Wind wird jetzt weniger. Es ist jetzt aber bereits Donnerstag morgen und wir sind kurz vor dem Ziel. Laut Literatur rechnen wir mit einer Verstärkung des Windes um das Kap herum mit bis zu 10 Knoten, binden das zweite Reff deshalb ein und warten jetzt, was passiert. Sehr zu unserer Verblüffung bekommen wir nicht einen auf die Mütze, wie erwartet, sondern der Wind schläft ein. Komisch, aber gut. Kaffee kochen, verschnaufen. Die Nacht ist auch überstanden. Die ganze Zeit ging es letzte Nacht so weiter, über Stock und Stein, erst in der Abdeckung von Lanzarote wurden die Wellen gemäßigter. Somit können wir den schönen Morgen mit Sonnenschein und lauem Wind richtig geniessen, motoren schließlich die letzte halbe Stunde in den Hafen und bekommen einen schönen Liegeplatz.  Um 10 Uhr, nach 41 Stunden permanenter Achterbahnfahrt, haben wir es geschafft: die Kanaren! Der erste Eindruck ist sehr gut von Lanzarote, insbesondere von der Marina Rubicon. Jetzt erstmal entspannen, duschen und essen und auf Gwelan warten.

Gwelan kommt um 17.00 Uhr in den Hafen, sie haben 10 Stunden mehr gebraucht als wir, sind aber sicherlich komfortabler unterwegs gewesen.

 

Spuren der Nacht....

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Veröffentlicht von am in Reisen

Östliches Ende Madeira - schroff

 

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Wir sind in der Marina Quinta de Lorde am östlichem Ende der Blumeninsel Madeira. Schroffe Felswände, die gefühlte 200 m senkrecht in die Höhe schiessen, säumen den Hafen nach Norden hin. Der perfekte Windschutz, auch wenn hier und da mal eine Bö um das Kap herum direkt in den Hafen einfällt. Dafür steht aber die lange Atlantikdünung im Hafen, so dass immer etwas Bewegung in den Booten, bzw. der gesamten Steganlage zu verzeichnen ist, die die Boote so in deren Festmacherleinen hin- und herschieben, dass jegliche Bewegungen sehr oft ein ruckartiges Ende finden, welche nicht nur auf das Material gehen, sondern zuweilen auch zu kuriosen Haushaltsunfällen an Bord führen können, z.B. beim Kaffeekochen, wenn der ganze Filteraufsatz von der Kanne fliegt und alle feinen Kaffeekörnchen ihren Platz in allen Ritzen und Nischen finden, so dass man/frau Mühe hat, die Spuren zu beseitigen.

Und wenn dann Ruhe eingekehrt ist, kommt ein Flugzeug im Landeanflug direkt über den Hafen geflogen. Idyllisch eben. Dafür kostet die Marina dann auch gleich fast das Doppelte, wie die Marinas an der Algarve. Madeira ist eben etwas Besonderes.

Der Hafen wirkt etwas bizarr, so direkt an die Felswand gebaut, eigebettet in ein abgeriegeltes Ferienressort mit ca 300 Appartements. Wir fragen uns, wie diese Anlage wohl in 10 Jahren aussieht, es sind jetzt schon viele notwendige Instandhaltungen sichtbar, die wohl nur halbherzig angegangen werden, es entsteht langsam ein Reparaturstau. Deswegen ist wohl auch öfter die Dusche kalt und das Wlan zu schwach.

In den Reiseführern steht geschrieben, dass Madeira die Insel der verschiedenen Gesichter sein soll. Da sind wir ja gespannt. Gemeinsam mit unseren neuen niederländischen Segelfreunden von der Gwelan mieten wir uns ein Auto und erkunden zwei Tage lang die Insel und gehen gemeinsam einkaufen, um wieder einmal die Vorräte an Bord aufzufüllen.

Zuerst erkunden wir Funchal, wo der Lebensmittelpunkt der Insel zu sein scheint. Stimmt. Im Hafen liegt ein großer Kreuzfahrer, der mal eben ein paar tausend Touristen auf die Insel spukt. Jedes Cafe, Restaurant bis hin zu den Strassenhändlern, alle sind in höchster Aufruhr, um möglichst viel von dem Kuchen abzubekommen, der für nur ein paar Stunden auf der Insel verteilt wird. Reges Treiben überall.

 

Marina Funchal mit Kreuzfahrer

 

Cafe Ritz/ Funchal

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November!

 

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Kunst in Funchal

 

Straßenbild Funchal

Trotzdem ist Funchal sehr schön. Parkanlagen, die wie botanische Gärten wirken, so vielfältig die Pflanzen- und Blütentracht. Dann das Muß in Funchal: mit der Kabelbahn auf den 500 m hohen Hügel über die Stadt schweben. Die Fahrt wird etwas betrübt zum einen durch das regnerische Wetter, welches heute herrscht, zum anderen schweben wir über eine Schlucht, in der im Sommer in Folge von Waldbränden viele Häuser verbrannt sind, das Feuer ging bis in die Stadt hinein. Feuer ist so zerstörerisch, die einzelnen schlimmen Schicksale können nur erahnt werden.

Den Gipfel erklommen, werden wir mit einer schönen Aussicht auf Funchal und den Atlantik belohnt. Regen immer wieder Regen zwischendurch. Wenn dann die Sonne mal rauskommt, entsteht ein fast tropisches Klima. Feuchtwarm.

 

Über den Dächern von Funchal

 

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Natürlich besuchen wir dann noch das westliche Kap, wir fahren zu einem Aussichtspunkt, 600 m hoch, mit einer Plattform aus Glas, unter einem die Brandung des Atlantik. 600 m heißt heute leider: mitten in einer Wolke zu sein. Gespenstisch die Aussicht, durch die Löcher in der Wolke, die die Sonne immer wieder aufreisst.

Heute, am 2. Tag des Mietwagens, besuchen wir die nördliche Seite der Insel. Auch hier suchen wir die Höhe und finden uns in einem Regenwald wieder. Bäume und Felswände voller Moos, überall plätschert Wasser, ein krasser Gegensatz zu den schroffen Felswänden auf der anderen Seite der Insel. Es gibt hier auch kein flaches Stück Erde, wie wohl auf der gesamten Insel. 

 

 

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Überall gibt es nur Hänge, die Häuser und Gärten in Terrassenform an den Hang gesetzt. Alle Täler sind durch endlose Tunnel verbunden. Gefühlt kommen auf 10 km Strasse im Durchschnitt zwei Tunnel, teilweise mit Abfahrten in einen anderen Tunnel hinein. Und wenn kein Tunnel, dann wenigstens eine Brücke. Unglaublich. Und alles nicht alt. Wir hinterfragen auch nicht, wieviel davon die EU bezahlt hat. Es müssen aber Unsummen gewesen sein.

 

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Dann diese Landebahn des Flughafens. Muß man gesehen haben. Das Rollfeld beginnt über dem Meer. Auf riesigen Betonpfeilern ragt die Landebahn über die Küstenlinie hinaus. Unglaublich. Bitte nicht von der Fahrbahn abkommen....

Unter diesen Brückenpfeilern befindet sich eine Yachtwerft mit einem großem Winterlager, in dem die Boote stehenden Mastes quasi in einer offenen Halle stehn.

Im Inercontinental erledigen wir dann unsere Einkäufe und werden hier erstmalig mit Plastiktannenbäumen und Weihnachtsdeko konfrontiert. Befremdlich für uns. Aber stimmt, da war doch noch so etwas. Erster Schneefall zu Hause und so. Wir haben keine Schadenfreude, wir freuen uns auch so über das angenehme Klima, hier mitten im Atlantik.

Gut, das ist also Madeira. Wir haben sicher  nicht alles gesehen, aber für einen Eindruck reicht es. Am Interessantesten kommt es uns vor, dass wir auf der Nachbarinsel Porto Santo, von der wir vier gerade gekommen sind,  ein komplett anderes Klima vorgefunden haben. Porto Santo wäre froh, über etwas mehr Regen.

Wir sind uns einig, Madeira ist schön zu erkunden, aber auch ein guter Ausgangspunkt für neue Abenteuer, es hält einen Segler nicht zuviel fest hier. Morgen soll es nach Lanzarote gehen, unsere erste kanarische Insel. Der Wetterbericht verspricht Wind. Guten Wind von der Stärke her, wenn auch nicht ganz optimal von der Richtung, aber der Wetterbericht verspricht eine schnelle, dafür etwas rumpelige Reise, auf die wir uns schon freuen.

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Veröffentlicht von am in Reisen

Start Portimao

Mittwoch, 26.10., 13.00 Uhr: Start von Portimao nach Porto Santo, Kurs 237 Grad, 460 nm Distanz.

Das Wetter ist heute wieder etwas launisch. Die letzten Tage zog hier eine Schlechtwetterfront mit viel Wind aus Südwest über uns hinweg. In Sicht ist ein großes Hochdruckgebiet mit wenig Wind, also schnell los, gemäß Wetterprognose die letzte Chance für die nächsten Tage, einigermaßen vernünftigen Wind abwechselnd aus fast allen segelbaren Richtungen zu bekommen. Mal schauen..

Porto Santo liegt etwa 30 nm nordöstlich von Madeira. Eine typische Vulkaninsel, 11 km lang, 3 km breit.

Die ersten drei Stunden motoren wir erwartungsgemäß noch, bis sich Wind aus WNW einstellt, der uns zunächst mit gerade man 5 kn vorankommen lässt. Bald schon kommt der erste Winddreher und wir können auf unseren geliebten Code Zero wechseln.

Der Wetterbericht sagt uns voraus, dass wir am Ende unserer Reise, also geplant am Ende von Tag 2, südliche Winde bekommen werden, daher halten wir etwas südlich vor, um später keinen Kreuzschlag machen zu müssen. Es läuft gut. Mit 8 kn segeln wir in die Nacht, eine wirklich dunkle Nacht, da kein Mond am Himmel erscheint, sonder dicke Wolken jegliches Licht verschlucken. Gespenstisch, wenn die Sicht fast gleich null ist und lediglich hier und da nur die weiße Gischt sichtbar wird, die von unserem Boot wie bei einem Schneepflug, sich  links und rechts vom Bug aufbaut, um dann im Nichts wieder zu verschwinden. So segeln wir bis kurz vor Mitternacht, als der Wind nachlässt und wir mit 1.600 U/min langsam durch die Nacht tuckern. Wir liegen weit hinter unseren Berechnungen, in gut zwei bis drei Tagen die knappen 460 nm schaffen zu können. Na ja, so bekommen wir erst einmal eine ruhige erste Nacht bis 4.00 Uhr.  Dann kommt etwas Wind und die Segel gehen hoch. Für zwei Stunden, dann hat jemand den Wind wieder abgeschaltet. Komplett. Die Segel schlagen, das Großsegel muß geborgen werden, bevor es Schäden nimmt. Dieses Spiel mit Segelsetzen und Segelbergen geht heute den ganzen Tag so weiter, als wenn das Wetter mit uns spielt. Allein 3 x hintereinander geschieht folgendes Szenario: kräuseln auf dem Wasser, eine Brise kommt. 10 Minuten warten. Die Brise bleibt. Segel hoch, juhu, wir segeln! 10 Min später schlagen die Segel wieder, das Kräuseln des Wassers ist auch nicht mehr da, also Segel bergen. Am Anfang werden die Segel noch akribisch jedes Mal zusammen gelegt, nach dem dritten Mal jedoch, nur noch fallen gelassen und grob sortiert.

Jetzt sind wir fast zwei Tage unterwegs und haben noch nicht viel geschafft, nicht einmal die Hälfte der Strecke. Dafür haben wir schon 23 Motorstunden. Zwei Dinge werden immer klarer: 1. der Wetterbericht hält nicht, die Flaute ist schon da. und 2. wir haben nicht genug Diesel für den Rest der Strecke. Wir müssen noch 260 Seemeilen, und haben für maximal 110 Seemeilen noch Diesel, wenn wir im Schneckentempo fahren. Der Enstschluß steht: ab sofort wird nur noch nachts motort, wenn das Boot anfängt zu treiben und zu rollen, oder wenn wir ausweichen müssen. Beschlossen und verkündet.

4 kn Wind. Es ist spannender und zugleich nerventötender als jeder Krimi, Code Zero, du mußt uns hier rausholen. Gemeinsam mit deinem dicken Kumpel, dem Spinacker!

 

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4 Kn Wind. Der Code Zero holt immerhin 2,5 kn raus. Zwei Stunden später, 3 kn Wind, noch 1,8 kn Fahrt. Weit und breit kein Schiff, das nächste AIS Signal eines Frachters ist über 60 nm entfernt.....die Sicht ist gleich null, also entspannen, warten und hoffen. Wenigstens schlagen keine Segel und dieser lästige Segelwechsel zwischen hoch und runter entfällt. Wir segeln nur unter Code Zero. Das Großsegel würde jetzt den Code Zero so in die Windabdeckung nehmen, dass dieser nur noch wie ein nasser Waschlappen nach unten hängen würde, zumnindest die überwiegende Zeit. Aber so wird es immer entspannter. Das Segel steht so leidlich, aber es steht und wir kommen zumindest in die richtige Richtung voran. Unsere Ansprüche ändern sich langsam. Gestern waren wir noch genervt und wurden nervöser mit abnehmenden Wind, aber jetz scheint sich alles Genervtsein in Luft aufzulösen, in warmer, sehr warmer Luft! Es sind die ersten Nächte, in denen wir über 20 Grad haben! Tagsüber sind es 25 Grad, über 400 km von der Küste entfernt! Das Wasser hat jetz auch schon 19 Grad - es geht bergauf.

 

Chaos auf dem Atlantik!

Samstag, noch 170 nm bis Porto Santo, 7.30 Uhr, Sonnenaufgang.

Das leichte Gurgeln am Heck, hier und da eine kleine Welle, die an die Bordwand leise klatscht, und dann dieses leise, aber permanente Arbeiten des Autopiloten An Aus An Aus..........................Trotzdem, es ist so friedlich, ja, wir fühlen uns geborgen auf dem Wasser, obwohl der Atlantik bei uns Begeisterung und zugleich Respekt auslöst. Da ist dieses unbeschreibliche Blau des Wassers, wenn es ganz glatt da liegt und die Sonnenstrahlen sich in dieser scheinbar unendlichen Tiefe verlieren. Klingt vielleicht kitschig, aber alles andere ist untertrieben, so unbeschreiblich schön ist dieser Anblick. Deep Blue. 4.500 Meter Wassertiefe.

Dann ist da diese Dünung, diese laaaaaange Dünung. Auch bei absolut ruhigem Wasser geht es ganz langsam 3 m hoch und genau so langsam 3m runter. Wir merken es nicht, wir sehen es nur am Horizont.

Mottowechsel. Heute ist Partytag. Wenn schon nichts los ist, dann muß man ja was los machen. Das ausgiebige Frühstück beendet. Duschzeit. Es wird der Wassersack gefüllt und am Gr0ßbaum aufgehängt. Mit der Dirk in die richtige Höhe gezogen, so können wir im Stehen duschen. Herrlich. Gleichzeitig können wir so das Cockpit etwas wischen. Uns geht es gut. Wir ziehen eine Bilanz: dank des Wassermachers haben wir genug Wasser. Strom haben wir durch unsere Solarzellen. Zu Essen ist genug da. Also alles gut. Oder? Oh schreck, das Bier wird knapp....:-)))

 

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Dann gesellen sich die eresten Gäste zur Party: drei kleine Vögel suchen neugierig Schutz bei uns. Einer will gleich einchecken und ist nur sehr schwer, wieder aus der Kabine zu vertreiben, nachdem er das ganze Deck nach toten Insekten, wie Gewitterfliegen, eine tote Libelle und eine Motte sauber gepickt hat. Auch ein kleiner fliegender Fisch kam zu Besuch, aber leider nicht lebend. Den kleinen Kraken, den wir stinkend auch an Deck finden, schmeißen wir etwas angeekelt schnell ins Wasser - ach ja, das Foto hätten wir ja noch machen können, fällt uns dann zu spät ein.

 

Am Horizont taucht eine Segelyacht auf: Gwelan! Wir lagen ein pr Tage nebeneinander und haben gemeinsam Portimao verlassen.....es ist eine 12 m Koopmanns aus Alu, ein schönes Schiff. Gwelan setzt den Spinacker. Laut AIS sind wir zwar schneller als Gwelan, aber wir folgen dem Beispiel und ziehen auch unseren Spi. Ein packendes Duell entwickelt sich: 1,3 kn zu 1,8 kn. Mal bekommt der eine einen Hauch mehr Wind, mal der andere. Meter um Meter kämpfen wir uns vor. Stundenlang.

Wir geben alles um nach acht Stunden wilder Verfolgungsjagd endlich zum Überholen anzusetzen. Da wir nicht gegenseitig unsere Segel kaputt machen möchten, die wegen der entstehenden Abdeckung beim Überholen einfallen und sich vertüdeln können, bzw, werden, entschließen wir uns, unser Segel zu bergen, etwas kostbaren Diesel zu opfern, um Gwelan zu passieren.

 

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Gwelan konnte lange motoren, war daher vor uns und mußte nun den Motor abstellen, da der Diesel zur Neige ging. Noch 90 nm bis zum Ziel. Immer wieder verläßt uns der Wind. Wir können noch mit 1.200 U/min ein Treiben verhindern und kommen so gut durch die Nacht. Jetzt, am Sonntagvormittag kommt zum ersten Mal Land in Sicht, kurz tauchen Bergspitzen aus einem Wolkenfeld heraus, um schnell wieder darin zu versinken. Kein Wunder, dass Porto Santo als Nachbarinsel von Madeira erst im 15. Jahrhunder viel später als Madeira entdeckt, da die Insel fast ganzjährlich in einem eigenen Wolkenfeld versteckt ist. Porto Santo heisst übersetzt heiliger Hafen, so wie das deutsche Heiligenhafen bei Fehmarn.

 

Dann kommt unser Reiseabschiedsgeschenk!

 

Wir haben damit nicht mehr gerechnet.

Wie aus dem Nichts heraus tauchen um unser Boot 3 Wale auf, eine Blasfontäne macht uns darauf aufmerksam. Sie kommen offensichtlich von einer größeren Gruppe von Walen, die hinter unserem Boot langziehen.

Nachdem wir kostbare Zeit damit verloren haben, den Fotoapparat vergebens zu suchen , können wir gerade noch sehen, wie einige hundert Meter entfernt ein großer Wal sich ganz aus dem Wasser rausschraubt, sich dabei um die eigene Achse dreht, um sich dann donnernd wieder ins Meer fallen zu lassen. Wir sind sprachlos. Es ist ein unbeschreibliches Erlebnis, diese Tiere live zu sehen. Ein krönender Abschluß dieser langen Seereise.

Die Insel Porto Santo begrüßt uns standesgemäß mit Wolken, etwas Regen, sogar mit einer 22 kn Windbö aus einer Wolke heraus.

Aber wir schaffen es noch. Mit dem letzten Licht des Tages und den letzten vier Litern Diesel ereichen wir dann Porto Santo, werden herzlichst empfangen von anderen Seglern aller europäischen Nationen und einem freundlichem Zöllner, der uns auch gleich ins Büro bittet. Hier ist alles entspannt, hat aber seine Ordnung.

 

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Glücklich und geschafft genießen wir unser letztes Bier zum Anlegen (ein kaltes Jever Pilsener, extra vom Munde abgespart!!) und können es noch gar nicht richtig realisieren, jetzt schon ziemlich weit draussen auf dem Atlantik zu sein und unseren bisher größten Abschnitt trotz der Umstände super gemeistert zu haben. Doch das Wichtigste an der Reise war die Wandlung vom nervösem Segler der in der Flaute feststeckt, hin zu dem Segler, der genau das genießt, das Leben auf dem Wasser und sich einfach gehen läßt - schließlich zahlen andere Leute sehr viel Geld dafür, eine Außenkabine mit Panoramablick und eigenem Sonnendeck für eine Atlantikkreuzreise, es kommt eben nur auf die Sichtweise der jeweiligen Situation an. Für diese Erfahrung sind wir sehr dankbar.

Gwelan können wir dann am nächsten Morgen auch im Hafen begrüßen, sie haben doch noch in der Nacht guten Wind bekommen.  Es gibt abends dann eine herzliche Willkommensfeier!!

 

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