Blog Foxy Lady

Reisen mit einer Pogo

Atlantiküberquerung zuckersüß!!

Wir haben es geschafft: ohne Unter- oder Überzuckerungen, ohne Ketone oder sonstigem sind wir gut 16 Tage in teils sehr anstrengendem Wetter unterwegs gewesen. Der Körper hat fortwährend gearbeitet, zusätzlich waren wir die ersten drei Tage nahe der Seekrankheit. Unser Grundsatz war die Materialschonung genau so wie die körperliche Schonung. Kam mehr Wind und hohe Wellen, haben wir das Boot so eingestellt, dass nicht zu große Katastrophen passieren können, unter denen wir unsere körperlichen Grenzen überschreiten. Groß war die mentale Herausforderung mit aufkommender Übelkeit. Mit viel Wasser trinken und körperlichem Schongang war dieses allerdings gut in den Griff zu bekommen.

Nachts haben wir das Boot so eingestellt, dass wir auch in dieser Zeit keine wilden Aktionen spontan machen mußten, die zu einer Unterzuckerung hätten führen können. Auf diese Art und Weise kam ich in einen Rhytmus rein, der dem sonstigem Alltag sehr ähnelte. Somit hatte ich keinerlei Schwankungen oder sonstige Überraschung. Vor größeren Manövern wurde zusätzlich ein Müsliriegel gegessen und schon war alles im Lot. Ich fühlte mich zu keiner Zeit unsicher oder überfordert.

Im Gegenteil, mir hat diese Überquerung einschließlich der langen Anreise über 4 Monate so viel Selbstbewußtsein in puncto Diabetis gegeben, dass ich noch größere Herausforderungen annehmen würde. Auch eine mehrjährige Weltumsegelung. Nicht sofort, sondern erst in ein paar Jahren, aber ich fühle mich stark genug dafür.

Die größte Unterstützung war für mich aber die Möglichkeit, jederzeit meinen Wert per Sensor abrufen zu können. Auch die Versorgung mit neuen Sensoren lässt sich gut organisieren. Und die Entwicklung geht ja noch weiter! Jetzt wird es für mich spannend, wie ich in den Tropen mit dem Klima klarkomme. Wir sind jetzt eine Woche hier auf Martinique und das Klima ist perfekt!! Ich fühle mich rundum wohl und mein Körper scheint im Gleichgewicht zu sein.

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Diabetes im Sturm - ja und?

Juni 2017, Lymington, Südengland

 

Die Reise nähert sich langsam dem Ende. Die Zeit in der Karibik hat meiner Gesundheit sehr gut getan, ich fühle mich pudelwohl, voller Lebensfreude. Der Umgang mit Insullin in der Hitze ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich darauf eingestellt hat, geht es ganz gut. Zumal man ja vor Ort auch viel Zeit hat, regelmäßig sich um seine Werte und entsprechende Ernährung zu kümmern.

Spannend war jetzt die Rückreise, da es einem Segelmarathon gleich kam. Zuerst ging es von den British Virgin Islands zu den Bermudas. Wir sind über 5 Tage gesegelt, immer am Wind. Dies bedeutet permanente Schräglage, permanente Schiffsbewegungen, die ausgeglichen werden müssen, bzw. man sich immer mit einer Hand festhalten muß. Alle Handlungen werden etwas beschwerlicher. Die Kunst besteht darin, jederzeit über seine vollen Kraftreserven zu verfügen. Dies bedeutet, das die körperliche Erholung täglich in der Form von Schlaf und genügend Pausen stattfindet. Dies bedeutet aber auch, das die Arbeiten an Bord sehr effizient eingeteilt werden müssen. Unnötige Segelwechsel und/oder permanentes Puschen des Bootes zu Höchstleistungen werden auf ein sehr effizientes Minimalmaß reduziert. Das ist auch der Grund, weshalb wir meist erst zum Schluß einer Etappe richtig Gas geben, da wir dann auch Reserven verbrauchen dürfen.

Dieses Konzept hat sich bisher sehr bewährt.

Eine weitere Steigerung war dann  die Bewältigung von zwei Stürmen. Einen auf der Reise von den Bermudas zu den Azoren, der zweite zog dann die letzten drei Tage auf dem Weg von den Azoren nach Südengland über uns. Die oben genannte Taktik der permanenten Erholung ist naturgemäß während eines Sturmes nur schwierig zu realisieren. Doch auch hier hat sich unser Grundrezept, defensiv zu segeln, sehr bewährt. Wir konnten das Boot besonders im 2. Strum so einstellen, dass wir möglichst wenig Energie verbraucht haben und vor allem haben wir uns und das Boot so vorbereitet, das wir keine böse Überraschungen durch nicht gesicherte Dinge an oder unter Deck erlebt haben.  Voraussetzung hierfür ist, neben den Maßnahmen der Sicherung, technische Hilfsmittel wie eine richtig gut funktionierende Selbststeueranlage, einer entsprechenden Stromversorgung und die Überwachung des Seeraumes im Hinblick auf anderen Schiffsverkehr mit Hilfe von Radar und AIS (automatische Schiffs Identifikation). Wenn dieses alles gewährleistet ist, kann das Boot quasi alleine segeln -  so lange es richtig eingestellt ist und nichts ausfällt.

Unser Anspruch ist es, mit gesunder Crew und einem intakten Boot wieder nach Hause zu kommen. Dieses sieht bisher ganz gut aus. Gerade in langen Anstrengungsphasen hat sich unsere defensive Grundeinstellung sehr bewährt.

Diese Reise ist gekennzeichnet von einem sehr hohen Segelanteil auf einem weniger komfortablem Boot.  Aber auch hier gibt es immer verschiedene Intensivitätsstufen, wie sportlich oder eben schnell gesegelt wird. Spaß macht dieses Boot auf alle Fälle. So können wir uns dann unseren Kraftverbrauch selber bestimmen und kontrollieren jederzeit die Situation und nicht umgekehrt.

Um so mehr Spaß macht es dann, die letzten 100 oder 200 Meilen die Intensität des Segelns zu steigern. Noch mehr Spaß werden wir haben, wenn das Boot endlich wieder leergeräumt wird und damit wieder federleicht zu Hause auf der Nordsee über die Wellen rauschen kann, wenn dann nur noch sportlich gesegelt wird.

Und eines ist gewiss: Diabetis ist ein Grund, bewußter zu leben, und kein Grund, seine Träume nicht mehr leben zu können. Nur vielleicht etwas angepasster.

 

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Insullinkauf in Spanien

Es gibt ja immer wieder Dinge im Leben, die einen in Staunen versetzen. Trotz akribischer Vorbereitung auf unsere Reise habe ich einen Fehler in der Mengenberechnung für mein kurzfristiges Insullin gemacht, den ich erst jetzt bei einer Inventur festgestellt habe. Die letzte Inventur vor dem Verlassen Europas.

Wir sind also los in die nächste Apotheke von Tazacorte, einem kleinen Ort auf La Palma, haben die Verpackung von Humalog, dem kurzfristigem Insullin vorgezeigt. Der Apotheker schaut mich wie selbstverständlich an und beantwortet meine Frage, ob ich das hier kaufen könnte mit einem langen "Si", dreht sich um und kommt mit einer Verpackung wieder, die ich nicht kenne, aber eindeutig ist dort Humalog enthalten. Nicht wie in Deutschland, wo das Insullin erst bestellt werden muß, da die Apotheker alle Angst haben, sich ein Lager aufzubauen, da es ja Zinsen kosten könnte.....Nein, hier in einer kleinen Apotheke in einem kleinen spanischem Ort, hat der Apotheker einen Vorrat von diesem Insullin bei sich im Kühlschrank! Zwar gibt es hier das Insullin nur in aufwändigen Einmalpens, aber es ist das gleiche System wie ich es bereits kenne. Also haben wir unseren Vorrat mit 10 Pens, also 3.000 Einheiten,  aufgestockt und sind jetzt gut ausgerüstet für unsere weitere Fahrt. So unkompliziert haben wir uns das nicht vorgestellt, haben aber bereits in La Coruna erste Bekanntschaft mit dem spanischem Gesundheitswesen gemacht und waren genau so verblüfft, wie heute: einfach und unkompliziert! Irgendetwas machen wir in Deutschland falsch mit unserem Gesundheitswesen.

 

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Typ 1 und nun?

Diabetis und Segeln. Ich wurde jetzt mehrfach angesprochen, doch auch über meine Erfahrungen auf dieser Tour mit meiner Diabetis mitzuteilen. es wäre doch etwas Besonderes....

Es geht hauptsächlich im Folgenden um meinen persönlichen Umgang mit Diabetis in Bezug auf unsere Reise, d.h. welche Überlegungen und Vorbereitungen getroffen wurden, um dieses Projekt zu verwirklichen. Medizinisch habe ich kein Wissen und auch nur geringe Erfahrungen mit Diabetis. Aber ich sammel Erfahrungen.

 

Seit September 2014  habe ich Diabetis Typ 1, muß 4 x täglich Insullin spritzen und ständig meine Ernährung und meinen Lebensrhytmus der Diabetis anpassen. Ursprünglich wollte ich um die Welt segeln, hatte bereits das richtige Boot dafür und steckte schon in den ersten Vorbereitungen, als die Diagnose kam. Eine Weltumsegelung bedeutet aber, wochen- oder sogar monatelang durch medizinisch unterversorgte Gebiete wie z.B. in der Südsee rumzutingeln, kein Arzt, keine Apotheke.

Zugegeben, das habe ich mir dann nicht mehr zugetraut, zumal ich ja noch keine Erfahrung habe. Aber der Atlantik ist doch möglich, so meine Überlegung. In Europa habe ich eine gute medizinische Versorgung, und in der Karibik gibt es jede Menge Kreuzfahrtschiffe mit einer meist guten Krankenabteilung. Auf den französischen, holländischen oder britischen Inseln der Karibik gibt es darüber hinaus auch eine gute medizinische Versorgung. Also stand der Plan fest: vorerst keine Weltumsegelung, dafür wird der Atlantik auf der nördlichen Hälfte gerundet, ein knappes Jahr ist dafür Zeit.

Im September die Diagnose, im Oktober bereits ein neues Boot gekauft. es handelt sich um ein sehr sportliches Boot, das eine gute Kondition und viel Segelerfahrung erfordert. In 2015 wurde dann das Boot auf Herz und Nieren geprüft. Zuerst sind wir quer über die Nordsee nach Inverness, Schottland, bei rauhen Bedingungen gesegelt, anschließend sind Kerstin und ich nach Norwegen und durch das Skagerrak gesegelt, auch bei tw. rauhen Bedingungen. Boot und Crew haben sich bewährt und somit wurde das Projekt Atlantik in Angriff genommen. Einmal Karibik und zurück. 20.000 km liegen vor uns, durchschnittlich jeden Tag 7 Stunden segeln, 330 Tage lang. Der längste Abschnitt ist geplant mit bis zu 20 Tagen ununterbrochen auf See, durch das Bermudadreieck in die nörlichen Gebiete des Atlantik bis zu den Azoren, dann durch den englischen Kanal wieder nach Hause, so der Plan. Stürmische Situationen wird es auf jeden Fall geben, es ist nur die Frage wie lange und wie intensiv. Auf See ist nicht der stürmische Wind die Herausforderung, es sind die Wellen, die sich aufbauen können und gemeinsam mit dem Wind bezwungen werden müssen. Der Wind ist bis zu bestimmten Stärken in den Griff zu bekommen, die Beherrschung der Wellen hängt jedoch ganz stark vom Bootstyp ab. Unsere Foxy Lady ist nicht nur unsinkbar, sondern sie ist aufgrund ihrer Konzeption hervorragend geeignet zum Heruntersurfen von hohen Wellen, d.h. sie ist in der Lage, fast alle Wetterlagen zu beherrschen.

Der Schwachpunkt ist immer der Mensch, also muß gewährleistet sein, dass ich jederzeit in der Lage bin, das Boot zu bedienen. Das geht nur mit Disziplin und Kontrolle.

Zur Überwachung nutze ich Sensoren von Free Style Libre, das funktioniert bisher hervorragend. Ich habe mich für ein ganzes Jahr damit eingedeckt. Auch Insullin, Spritzen etc. habe ich für die ganze Zeit dabei, so dass eine Nachversorgung eigentlich nicht nötig sein wird. Zur Lagerung des Insullins haben wir extra eine zusätzliche Kühlbox eingebaut, um so immer eine Ausweichmöglichkeit zu haben, falls ein Kühlschrank den Geist aufgibt. Meine Partnerin Kerstin passt auch immer mit auf, dass ich regelmäßig kontrolliere, das ist total wichtig, denn im Eifer des Gefechtes pasiert so manches Unvorhergesehenes. Daher haben wir uns grundsätzlich darauf geeinigt, dass bei rauhem Wetter und notwendigen Segelmanövern vorher ein Müsliriegel gegessen wird. Überhaupt haben wir während Schlechtwetterphasen gute Erfahrung damit gemacht, meinen Blutzuckerspiegel grundsätzlich höher zu halten als sonst, somit haben wir keinen Stress. Dieses klappt sehr gut. Eigentlich genau so, wie ich es sonst beim Sport auch gemacht habe, nur jetzt über einen etwas längeren Zeitraum.

 

Jetzt sind wir seit über drei Monaten unterwegs. Alles hat bisher so gut geklappt, dass wir sehr entspannt mit der Diabetis beim Segeln umgehen können. Bei normalem Wetter bleibt alles wie sonst auch, bei schwererem Wetter wird der Blutzuckerspiegel grundsätzlich höher gehalten. Die Umstellung auf immer weniger Vollkornbrot in der Ernährung mangels entsprechenden Versorgungsmöglichkeiten kann zwar durch noch mehr Salate und Gemüse aufgefangen werden, doch ist dieses ständige Weißbrot echt nervig, aber leider unumgänglich.

Eines habe ich unterschätzt: die Sonne. Habe ich zu Hause immer meinen Pen mit Insullin bei mir, so habe ich ihn jetzt fast die ganze Zeit im Kühlschrank oder unterwegs n der Kühltasche. Ich wunderte mich über meine immer höher werdenden Werte und dass das Insullin immer schlechter wirkte. Ich bekam schon Bedenken, bis ich die Ampullen ausgetauscht habe: das Insullin war zu warm geworden und damit unbrauchbar. Die Sonne erhitzt ganz schnell einen Rucksack oder auch nur die Hosentasche, in der der Pen steckt. Das hatte ich unterschätzt. Sonst ist bisher alles super gelaufen. Ich werde weiterhin berichten.

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