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Reisen

Veröffentlicht von am in Reisen

Uns geht es gut! Wir sitzen unter dem Bimini, eine Meeresschildkröte zieht ihre Bahnen um das Boot, wie bereits die letzten zwei Tage zuvor...., ein kleiner gefiederter Frechdachs sitzt pünktlich zum Frühstück auf dem Relingsdraht und trillert uns ein Ständchen. Wir blicken auf einen weissen Strand mit Palmen, davor türkisfarbenes Wasser. Im Hintergrund das Rollen der Atlantikbrandung, die auf das große Horseshoeriff trifft und uns Ankerlieger beschützt. Wir sind in den Tobago Cays und langsam realisieren wir, dass wir jetzt endgültig in der Karibik angekommen sind. Alles voller kleiner unbewohnter Inseln, umgeben von Korallenbänken. Dazu Palmen, weisser Strand und türkisfarbenes Wasser.

 

Nach unserer Ankunft auf Martinique haben wir 10 Tage in Le Marin verbracht. In der Zeit konnten wir das Segel und den Autopiloten reparieren, neue Fallen in den Mast ziehen und unsere Vorräte wieder auffüllen. Martinique ist Frankreich. Hier gibt es fast alles zu kaufen, was es auch in Europa gibt. Dazu ist Le Marin der größte Charterstützpunkt weit und breit. Entsprechend gut ist die Versorgung mit Ersatzteilen und dazu gibt es noch gute Servicetechniker.

Hier trifft man alles: große Nobelyachten mit Jet Set, Langfahrtsegler und Charterer und viele Hängengebliebene, deren Boote schon lange nicht mehr seetüchtig sind, und die fest vertäut in den Mangroven vor sich hin gammeln.

Gemeinsam mit Segelfreunden, die wir auf den Kap Verden kennen gelernt haben, mieten wir ein Auto und besichtigen Martinique. Tropischer Urwald pur. Eine bezaubernd schöne Insel. Hier haben wir auch unseren ersten Kolibri gesehen, ein wahrer Flugkünstler im Miniformat.

Entgegen unserer ursprünglichen Planung wollen wir doch zuerst in den Süden, der so schön sein soll, aber auch den Ruf hat, nicht sicher zu sein. Aber alle, die wir treffen, die schon lange hier unterwegs sind, bestätigen, dass es sicher sein soll - bis auf St. Vincent eben. Also los!

Nur 3-4 Stunden segeln und schon sind wir auf St. Lucia in der Rodnay Bay, wo wir unsere holländischen Freunde von der Gwelan wieder treffen, die gerade über den Atlantik gekommen sind. Sie wollen gerade heute wieder weiter, als sie uns jedoch sehen, fällt sofort der Anker und sie bleiben noch eine Nacht. Groß ist die Wiedersehensfreude und wir verbringen einen sehr schönen Abend miteinander.

Der nächste Morgen. Auf dem Weg zum Ausklarieren fällt unerwartet unser Elektromotor für das Beiboot aus und lässt sich auch nicht mehr überreden, wieder seinen Dienst anzutreten. Der nächste Servicestützpunkt ist ein paar tausend Kilometer weg. Was tun?

Kurzfristig können wir hier vor Ort einen Motor besorgen. Nach dem Motto erst Öko mit Elektro und dann Luftverpester mit einem 5 PS Zweitakter. Der aber ist leicht und hat genügend Power für unser Beiboot.

Ohne Aussenborder sind wir eben aufgeschmissen. Das wurde spätestens klar, als wir gegen den Wind eine Strecke paddeln mußten. Ein mühseliges Geschäft.

 

Marigot Bay

 

Ein Tag später: Problem gelöst. Weiter geht es zur berühmten Marigot Bay, wo einst der Filmklassiker Dr. Doolittle gedreht wurde. Unsere Vorstellung über Karibik kommt dieses Ambiente schon recht nahe: türkisfarbenes klares Wasser und die Bucht gesäumt von Palmen. Dies ist ein Ort, um 2-3 Tage zu verweilen, dann aber geht es auch für uns weiter. Unser nächstes Ziel ist Bequia, Port of Entry für das Gebiet der Grenadinen. Bequia, eine kleine Insel, bewohnt von einem wilden Mix verschiedener Kulturen, die sehr harmonisch miteinander leben. So heisst es im Reiseführer und es ist auch unser Eindruck. Hier erleben wir erstmals die reine karibische Gelassenheit, überall nette und freundliche Leute, immer einen coolen Spruch auf den Lippen. Wir erleben das Gegenteil von dem, was wir im Vorfeld immer wieder gehört haben über agressive Händler und Boatboys, über Diebstahl und andere Kriminalität. Bis heute haben wir nur positive Erfahrung mit den Menschen hier gemacht. Es scheint sich zu verbreiten, dass die Segler nur kommen, wenn es friedlich und freundlich und fair ist. Überall hören wir, dass sich das Verhalten der Boatboys und Händler geändert hat. Wir haben auch bisher nirgends ein unsicheres Gefühl gehabt, Angst um Hab und Gut haben wir noch nicht kennen lernen müssen.

 

Yah Man!

 

Wir wollen weiter. Mystique steht auf dem Programm. Mystique ist eine Privatinsel, wo der Jet Set sowie viele Promis wie Mick Jagger ein Anwesen unterhalten. Es ist eine Insel, die total abgeschottet ist. Wir Segler werden gerne für drei Nächte geduldet, gegen eine Gebühr von 80 Euro versteht sich. Dafür dürfen wir uns an einem sehr schönen öffentlichen Strandabschnitt aufhalten, bis die Privatgrundstücke anfangen. Dann gibt es im Hafen noch einen Lebensmittelladen, einen Konditor und eben Basils Bar. Berühmt und berüchtigt sind die Parties hier, wo sich die Inselpromis gemeinsam mit den Seglern austoben dürfen. Wir haben Glück. Wir erleben an zwei Tagen jeweils ein Blueskonzert mit wechselnden Solisten vom Feinsten, wo sich die Inselbevölkerung trifft und es eine wilde Party jeweils gibt. Wir haben selten so viele skurile Gestalten erlebt wie an diesen Abenden. Vom Glitzeranzug mit Lackschuhen bis hin zu Shorts und Badelatschen war es ein bunter Haufen von Leuten, die alle in Feierlaune waren.

 

Mystique

 

Nach diesen Partytagen sind wir nun endlich zu unserem eigentlichem Ziel unseres Abstechers in den Süden gekommen: die Tobago Cays, das Horseshoeriff.

Hier sitzen wir nun unter dem Bimini, um uns schwimmt die Schildkröte, im Hintergrund das Donnern der Brandung. So und jetzt gehen wir Schnorcheln! Hier gibt es ein weit verbreitetes Lebensmotto, dem wir uns gerne anschließn:

Sail fast - live slow!

Weitere Bilder folgen noch, wenn das Internet besser ist....

 

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Veröffentlicht von am in Reisen
Atlantiküberquerung: 2.200 Meilen Wind & Wellen

Mindelo, Kap Verden, der 22.12.2016

 

Viele Seglerfreunde stehen am Steg, Leinen fliegen an Deck, "gute Reise!" Wünsche in verschiedenen Sprachen und laute Signalhörner verabschieden uns zu unserem großen Törn über den Atlantik, von Ost nach West, die sogenannte Barfußroute im Passatwindgürtel.

Der Moment, für den wir uns so lange vorbereitet haben. Der Moment, an dem unser großer Traum von unserer Atlantiküberquerung beginnt. 4.000 Meilen in gut 4 Monaten sind wir bis hierher gesegelt, zu unserem Absprung über den großen Teich. Wir leben unseren Traum, ein unbeschreibliches Gefühl. Wir sind überwältigt von den Emotionen, die ausgelöst werden. Gänsehaut und gleichzeitig Pippi in den Augen.

 

Wir starten im 2.Reff. Immer noch fegen starke Böen die Hänge Mindelos hinunter und zwischen den Inseln Sao Vicente und Santo Antao erwartet uns eine Düse mit bis zu 30 Knoten Wind, die uns schnell aus dem Kanal auf den offenen Atlantik schieben. Draussen finden wir sehr konfuse Wellensysteme vor. Zum Einen kommen sehr hohe Wellen aus Nordwest, ausgelöst von einem Orkantief südwestlich von Irland letzte Woche, zum Anderen die Passatdünung aus Nordost. Diese Wellen treffen fast in einem 90 Gradwinkel aufeinander, das macht das Ganze sehr unberechenbar und unangenehm. Eine HR 36, die gestern in Mindelo ankam, berichtete von Wellen, die unvermittelt ins Cockpit kamen. Na dann viel Spaß, denken wir uns.

Wir stellen uns so gut es geht auf die Wellen ein und segeln zuerst einen südlicheren Kurs, um aus der Abdeckung Santo Antaos zu kommen.

 

morgendlicher Ausblick

 

Freudig werden wir nach kurzer Zeit von einer Gruppe verspielter Delfine auf dem Atlantik begrüßt. Ihre Bäuche schimmern rosa und sie sind relativ klein, aber total verspielt. Aber nur kurz die Aufmerksamkeit auf uns gerichtet und schon sind sie wieder weg.

Auf dem Abschnitt zu den Kap Verden ist uns ja unser Spifall gerissen, was uns den Code 0 gekostet hat. Auslöser hierfür war der Ausfall des Autopiloten im Windmodus, da die Windanlage im Masttop einen Kurzschluß verursacht hat. Wir haben dies in Mindelo mit Hilfe von Zange und viel Kontaktspray für die Steckverbindung repariert und es lief die letzten Tage am Steg einwandfrei.

Jetzt, nur 15 Meilen nach Abfahrt passiert das gleiche wieder: alle Winddaten sind auf einmal weg, der Autopilot hat seinen Geist aufgegeben!!!

In Mindelo haben wir gelernt, das Untersystem der Winddaten aus dem Gesamtsystem zu trennen, so dass die Anlage wenigstens nach Kompass wieder funktioniert. Gesagt getan. Nach fünf Minuten funktioniert unser so wichtiger dritter Mann wieder: der Autopilot, der bis über 20 Stunden am Tag arbeiten muß und ohne dessen Hilfe wir aufgeschmissen wären. Nur eben dass unser dritter Mann jetzt nicht mehr nach dem Wind steuern kann, sondern stur nach Kompass fährt, egal, ob der Wind dreht, oder nicht. Da wir sehr tief segeln, d.h. der Wind kommt fast genau von achtern, ist jederzeit die Gefahr einer ungewollten Halse sehr groß, welche nur zusätzlichen  Ärger und weitere Schäden verursachen würde.

Dennoch sind wir uns einig: das hält uns nicht auf! Wir sind zwar ziemlich frustriert deswegen, aber irgendwie ist es auch ein Ansporn, es dennoch zu schaffen. Wir haben uns ja auch vorgenommen, die ganze Strecke ohne Motorhilfe zu segeln, auch bei Flaute. Es hätte  sowieso keinen Zweck bei diesen Entfernungen, da wir nur 100 Liter Diesel an Bord haben. Und dies ist die Notration.

Zu dieser Enttäuschung wird jetzt die chaotische Wellensituation immer intensiver. Die Wellen kommen quer zueinander, brechen sich direkt hinterm Boot oder kommen im 90 Gradwinkel auf einmal auf uns zugerollt mit lauter Gischtwelle. Solche Wellen drehen das Boot manchmal innerhalb von Sekunden um bis zu 40 Grad aus der Richtung, da heisst es "immer schön aufpassen!"

Wir entschließen, uns nach den Hauptwellen auszurichten, das Groß zu bergen und segeln nur mit Genua weiter. Eigentlich Kaffeesegeln. Heute mit permanenter Schiffschaukel dabei. Die Bootsbewegungen verursachen dann auch, dass das Bier nicht mehr richtig schmecken will. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass es uns nicht wirklich gut geht. Jetzt bloß nicht seekrank werden!! lautet die Devise.

Drei Tage dauert dieser Zusatand an, wir segeln stur in südlichere Richtung nur mit Genua im Schleichtempo und warten darauf, dass sich die Wellen beruhigen und der Wind ein wenig mehr auf Nordost dreht.

 

Wir haben es geschafft: heute wird geduscht, gekocht, die Lebensgeister kehren zurück! Es ist unglaublich, wie schnell der Körper und der Geist sich wieder erholt, wenn es ruhiger wird. Jetzt schmeckt auch wieder das Bier zum Essen.

Der Wind nimmt ab, jetzt nur noch 15 Knoten und wir wollen heute erstmals wieder den Code 0 setzen, unser altes Ersatzsegel.

Doch es passiert das Unglaubliche, das für uns Unfassbare: beim Ausrollen des Segels, ohne jeglichen Druck, reißt auch das 2. Spinnakerfall unvermittel ab und unser Segel landet im Atlantik!!

Wir können es nicht glauben, als wir mühevoll das Segel bergen und das abgerissene Ende des Spifalls entdecken! Das neue Fall haben wir sehr sehr selten benutzt, da wir unsere großen Segel immer auf der Backbordseite angeschlagen haben. Es hatte keinerlei Abrieb oder andere Abnutzung, es bleibt unerklärlich für uns.

 

das 2. gerissenes Spifall  :-(((

 

geborgener Code 0

 

Doch dieser Schock sitzt jetzt richtig tief: wir haben alle Leinen im und am Mast vor unserer Reise ausgetauscht. Jetzt fragen wir uns, wie gut die restlichen Leinen halten. Wir müssen ja noch ca. 1.700 Meilen segeln. Einziger Trost dieses Mal: das Segel ist nicht beschädigt. Dafür aber unser Vertrauen in das Tauwerk - wie ärgerlich ist das denn!! Wir hatten den Traum, tagsüber mit dem Code 0 über den Atlantik zu fliegen, nachts auf die Bremse, um dann nächsten Tag wieder "segeln zu gehen". Jetzt entschließen wir uns, vorerst nur noch auf Materialschonung zu gehen, dann brauchen wir eben zwei, dreiTage länger.

In Mindelo haben wir ein altes Genuafall alls Ersatzspifall für das bereits gebrochene Fall in den Mast eingezogen. Wir entschließen uns, es morgen wieder zu versuchen, unser altes Segel mit dem alten Fall hochzuziehen und zu segeln. Heute lohnt es sich nicht mehr, in einer Stunde wird es bereits dunkel.

So haben wir uns Weihnachten auf See nicht vorgestellt: bereits am Heilig Abend haben wir auf unseren Kartoffelsalat mit Würstchen verzichtet - wegen der Schaukelei. Heute bekommen wir als Geschenk das gerissene Fall, schöne Bescherung!

Dafür schmeckt heute Abend der Wein auch wieder und so verbringen wir bei flauem Wind und sternenklaren Himmel doch noch einen versöhnlichen Weihnachtsabend - mit Verspätung eben.

 

 

 

 

 

2. Weihnachtstag

Auch heute finden wir wieder tote fliegende Fische - die Opfer der Nacht - an Deck. Sie sind die einzig treuen Begleiter in den letzten Tagen, die in den hohen Wellen immer wieder ihre Flugkünste darbieten.

 

die Opfer werden exotischer

 

Wir haben sehr wenig Wind. Endlich eine bleibende Ruhe denken wir uns und genießen die Entspanntheit, auch wenn wir nicht richtig vorwärts kommen. Wir setzen wie geplant den Code 0 noch einmal und endlich klappt alles! Für den großen Spi ist der Wind nicht konstant genug. Der Spi würde sich regelmäßig um das Vorstag wickeln und irgendwann irgendwo hängen bleiben. Der Code 0 steht einfach besser. Wir bauen uns ein Notbimini, denn die Sonne fängt an, erbarmungslos zu brennen. Es ist kaum auszuhalten, da wir so gut wie keinen Windhauch zwecks Abkühlung spüren. Die Solarpaneele werden auf Deck ausgelegt um Strom zu gewinnen, es wird ein gemütlicher Faulenzertag. Entsprechend schaffen wir heute auch nur 99 Meilen in 24 Stunden, das ist unser bisheriger Minusrekord!

 

Notbimini

 

 

Die Nächte sind jetzt sehr dunkel, wir haben Neumond, d.h. der Mond ist quasi nicht vorhanden. Dafür aber das Sternenzelt über uns. Es ist immer wieder atemberaubend, die unendlich vielen Sterne und wenn dann noch Sternschnuppen vom Himmel fallen, ist die Stimmung perfekt.  Teilweise ist es so dunkel, dass wir das Vorsegel nicht mehr sehen können. Wir gewöhnen uns daran, ins Nichts zu segeln, ohne jegliche Umrisse sehen zu können, auch wenn es manchmal unheimlich ist.

 

Jetzt wollen wir es mit Angeln versuchen. Seit zwei Tagen haben wir eine Schleppangel hinter uns herziehen, allerdings ohne Erfolg. Aber nach altem norddeutschem Recht sind alle guten Dinge drei! Am dritten Tag unser erster Fang! Die Größe gerade richtig, ergibt es zwei Portionen, die auch sehr schmackhaft sind. Eine herrliche Abwechslung im Speiseplan! Doch so richtig kommt keine Freude auf. Wir sind es eher nicht gewohnt, selber die Tiere zu töten, die wir essen. Daher gibt es den Rest der Reise allenfalls noch Fisch aus der Dose, in Tomatensauce.

 

 

 

Seit Beginn unserer Reise haben wir kein Schiff gesehen. Manchmal gab es Meldungen über AIS, dass 30 - 60 Meilen entfernt irgendwelche Schiffe sind. Gesehen haben wir aber keines. Heute kreuzt ein 200 m langer Frachter unseren Weg. Ein netter Smalltalk über Funk, wer, wohin, wie lange etc. und ein gegenseitiges happy new year!! und schon trennen sich die Wege wieder voneinander. Überhaupt sind die letzten Tage nicht gerade geprägt von Abwechslung puncto Naturbegegnungen oder anderen Ereignissen, so dass die Freude umso größer ist, einen stinknormalen Frachter zu treffen! Wir sind doch nicht alleine!

Zwar kommen manchmal Delfine vorbei, die aber haben wohl keinerlei Interesse an uns. Das kennen wir auch anders, z.B. aus der Biskaja, wo die Delfine uns immer lange begleitet haben.

Und wie auf Bestellung erscheint dann ein großer Schatten hinter uns. Eine kleine Rückenflosse kommt aus dem Wasser, ein wenig Rücken und schon taucht der 8-9 m lange Wal unter unserem Boot hindurch. Dabei dreht er sich auf den Bauch, wir sehen nur noch eine weisse Fläche. Er scheint fast so verspielt zu sein, wie es sonst die Delfine sind. Doch dieses Mal ist es wohl kein Spiel. Der Wal wiederholt alle zwei bis drei Minuten dieses Manöver, kommt von schräg achtern auf unser Boot zu, beschleunigt an unserer Steuerbordseite entlang, dreht sich auf den Bauch und taucht unter unserem Boot durch, direkt vor dem Kiel. Es scheint. als wenn wir ihm bei der Jagd helfen. Nur wenige Male kommt er kurz aus dem Wasser, als wäre er kamerascheu. Über eine Stunde geht dieses Spektakel, dann dreht der Wal wieder ab. Welch ein Schauspiel!

 

8-9 m langer Wal

 

Heute ist Silvester! Leider nicht unter Sternenhimmel und 26 Grad, sondern bei Regenfronten mit Schauerböen, sogenannten Squalls, für die diese Passatroute berühmt berüchtigt sind und die von jeder Crew gefürchtet werden, zumindest nachts. Überfallartig kommt ein Winddreher und dann der Regen und sehr starker Wind. Innerhalb von Sekunden bläst es mit 30 Knoten, die Sicht meistens gleich Null. Manche duschen dabei, wir nicht, dafür sind wir aber barfuß im Ölzeug......

Um so mehr können wir es dann genießen. als pünktlich zu Mitternacht (wir haben fast freie Auswahl, wann Mitternacht ist: UTC, Kap Verdische Zeit oder berechnete Ortszeit.....) der Himmel aufreißt und wir wieder unsere Sterne bewundern können zum Anstoßen! Happy new year!!!!!

 

Heute ist Neujahr. Eine große Gruppe von Delfinen zieht an uns vorbei, wir sind begeistert. Über 20 Tiere direkt um einen herum ist schon nett anzusehen. Sie verlieren aber auch schnell ihr Interesse an uns und ziehen weiter. Schade, es wäre eine nette Abwechslung und vielleicht auch schöne Fotos dabei herausgekommen. Dafür kommt im neuen Jahr auch neuer Wind. Wir kommen endlich wieder voran, die Segel stehen gut, die Wellen haben sich beruhigt. Die Windrichtung ist konstant, Böen wechseln sich ab. Im Wellental 4,5 Knoten um dann mit über 11 Knoten die nächste Welle runter zu surfen. Segeln macht wieder Spass!! Wir haben das Boot auf Verschleissfreiheit eingestellt. Manchmal stehen dann die Segel nicht optimal, aber jede Berührung mit Saqlingen, Relingsdrähten und ähnlichem führt innerhalb von 24 Stunden bei Segeln und Leinen zu bleibenden Schäden. Daher tritt das Thema verschleißfreies Segeln mehr und mehr in den Vordergrund. Aus diesem Grund segeln wir nachts mit der Schwerwetterfock, da diese sehr weit offen gefahren werden kann, ohne am Relingsdraht zu schamfilen (zu scheuern), und Schaden zu nehmen.

Jetzt noch gut 600 Meilen bis zum Ziel. Konnten wir die letzten Tage direkt Kurs Martinique segeln, so müssen wir heute vor dem Wind kreuzen, d.h. im 90 Grad Winkel segeln wir abwechselnd auf dem Steuerbordbug und dem Backbordbug unserem Ziel entgegen.Wir fangen an, nach Winddrehern laut Gripfiles unsere Q-Wenden zu berechnen, um immer im optimalem Winkel unseren Kurs zu finden. Gleizeitig nimmt der Wind wieder zu, 34 Knoten und 4 m Welle sind angesagt.

Da wir jetzt immer weiter in Küstennähe kommen, steigt wieder unsere Bereitschaft, das Material mehr zu belasten. Im ersten Reff und Genua rauschen wir mit zunehmender Geschwindigkeit mal Richtung Trinidad, mal Richtung Bahamas. Das ist wieder Segeln, wie es Spass macht. Welle rauf und runter mit bis zu 15,2 Knoten. Sogar nachts kommen wir im 2. Reff und der kleinen Fock auf über 9 Knoten im Surf. Endlich!! Zwischendurch macht der Wind immer mal wieder eine Pause, so dass immer wieder Ruhe einkehrt, um dann im nächsten Moment wieder in eine Rauschefahrt zu kommen.

Wir haben uns dieses Mal fest vorgenommen, im Hellen anzukommen, am liebsten vormittags. Wenn wir Gas geben, schaffen wir es, bevor der Wind in den nächsten Tagen wieder abflaut. Ansporn, Anspannung und Freude gleichzeitig. Wir verbringen zum Abschluß unseres Törns die schönsten drei Segeltage, nun voller Optimismus, dass das Material hält und wir es uns verdient haben, wieder etwas auf das Gas treten zu dürfen.

Wir werden von zwei springenden Delfinen (in der Ferne) begrüßt und auch der riesige dunkle Schatten hinter unserem Boot, der nicht zwischendurch hochkommt zum atmen, scheint uns wohl begrüßen zu wollen. Vielleicht ist es auch eine Einladung zum Fressen, es scheint sich um einen großen Hai zu handeln....

 

Landfall. Wir nähern uns der Bucht, wo wir hinwollen. Von weitem schon sehen wir hunderte von Masten - oh Schreck!! Gut, dass es nicht unsere Bucht mit Hafen ist, wir müssen noch fünf Meilen weiter. Wir segeln langsam unter Groß, denn der Wassermacher muß noch arbeiten und wir wollen die Landnäherung langsam genießen. Doch der nächste Schreck läßt nicht auf sich warten: wieder hunderte von Masten!! Das es hier voll ist, wußten wir schon, aber so voll haben wir es uns nicht vorgestellt. Mit Mühe finden wir einen Ankerplatz im engen Ankerfeld und kommen erst einmal an. Wir sind sehr angespannt, so groß ist unsere Aufregung.

Der Anker fällt und es dauert einige Versuche, ihn in lehmigen Grund zum Halten zu bringen. Aber dann ist es soweit. Nach 2.200 Meilen, Winden zwischen 9 und 35 Knoten, Wellen bis zu 5 Meter hoch und gut 16 Tagen sind wir am Ziel. Diese Ruhe nun ist befremdlich. Wir müssen so viel verarbeiten. Uns fehlen erst einmal die Worte. Die meistgestellte Frage hier unter den Ankommenden lautet: würdest Du es wieder tun? Wir hören sehr oft" nie wieder!"! Für uns steht aber fest:wann soll es denn losgehen, wir sind dabei!

Fotos folgen, brauchen ein besseres Internet....:-)

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Veröffentlicht von am in Reisen

Wir sind jetzt seit 6 Tagen hier. Seit dem weht es hier immer wieder ordentlich und es kommen stürmische Böen die Hänge hinunter. Der ganze Hafen steht fast Kopf, geplatzte Fender, gerissene Leinen und gerissene Ruckdämpfer und völlig entnervte Leute prägen das Bild hier in den letzten Tagen.

Die Marina ist zwar sehr gut organisiert mit Wachdienst 24 h, einer guten kleinen Bar, Wäscheservice etc., aber das entschädigt nicht diesen ständigen Schwell im Hafen. Gestern ist auch uns ein Ruckdämpfer gerissen und einer Nachbaryacht sind zwei Festmacher gebrochen. Um unseren Autopiloten wieder zu reparieren und um ein neues Spifall in den Mast einzuziehen, mußte ich gestern in den Mast. Es war sehr schaukelig da oben und nicht wirklich entspannt. Heute muß ich noch einmal hoch, die Kabelsteckverbindung zur Windanlage auseinandernehmen und mit Kontaktspray bearbeiten. im Stecker muß es einen Kurzschluß gegeben haben, der zum Schluß das gesamte System lahmgelegt hat. Soweit haben wir den Fehler schon gefunden und auf jeden Fall funktioniert jetzt erstmal der Autopilot zumindest im Kompassmodus.

Sehr argerlich für uns ist auch, daß das Internet hier nur sehr selten funktioniert und nicht zuverlässig ist, geschriebene Berichte sind auf einmal vor dem Abspeichern weg, Fotos werden nicht hochgeladen, bzw. nur mit viel Glück. Daher wurde der letzte Bericht immer kürzer, es hat einfach keinen Spaß mehr gemacht, fünfmal den Bericht fast fertig zu haben, um jedes Mal festzustellen, daß mittlerweile die Internetverbindung nicht mehr besteht und alles Geschrieben weg ist.

Das Wetter ist sehr stürmisch, mit kleinen Regenschauern zwischendurch. Nicht unbedingt so, wie wir es hier erwartet haben. Dazu die kalte Dusche. Eigentlich wollen wir hier schon weg sein, aber das Wetter hat es bisher nicht zugelassen. Morgen, Mittwoch, soll es endlich losgehen. Damit werden wir Weihnachten und Silvester auf dem Atlantik verbringen. Wir sind froh, hier wegzukommen. Auf den Strassen herrscht ein buntes Treiben, welches extrem unterschiedlich ist. Beim Einkaufen im Fisch- oder Gemüsemarkt und auf der Strasse sind die Menschen hier total nett und freundlich. Nur eine wenige sind sehr aufdringlich mit ihrer Bettelei oder dem Anbieten allermöglichen Dienste. Abends wird es dann anders. Angetrunkene Rastas (welch ein Widerspruch in sich: ein Rasta batrunken!) belagern einen, durchbrechen alle Zurückhaltung, wollen einen in den Arm nehmen oder erzählen wirres Zeug. Sie sind sehr penetrant und nervig.

Bei Gelegenheit werden wir die Bilder Mindelos einstellen, jetzt ist die Internetverbindung zu langsam. Dafüt haben wir es geschafft, heute die Bilder unserer Überfahrt heirher einzustellen. Es dauert hier eben alles etwas länger.

Gemäß Karte müssen wir 1.000 nm Richtung Karibik segeln, um erstmals die 25 Grad Marke der Wassertemperatur zu erreichen. Spätestens dann sollte es mit der Kälte vorbei sein und die Fleecejacke kann verstaut werden, so hoffen wir! Wir werden uns nicht zu sehr beeilen, sondern möchten die Überfahrt genießen. Insbesondere nachts werden wir gemächlich unterwegs sein. Wir rechnen mit gut 2.000 Meilen Segelstrecke und ca 12 bis 15 Tagen Reisezeit. Die Wetterprognose sieht gut aus, ein stetiger Passat mit 18 bis 25 Knoten Wind ist vorhergesagt.

Wir wünschen all unseren Freunden und Familien ein schönes Weihnachtsfest und einen g Allerdings auch ein paar Regenschauer.uten Rutsch in das neue Jahr! Wir melden uns wieder von irgendeiner Karibikinsel, wahrscheinlich Martinique.

 

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