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POGO 10.50 Foxy Lady

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Veröffentlicht von am in Reisen
Die Überführung von Zeebrugge nach Wilhelmshaven

Die Überführung von Zeebrugge nach Wilhelmshaven

November 2014


15. November 2014:
Plume soll nach Wilhelmshaven überführt werden! Crew: Stephan, Erik, Albert und Knut. Wetter: Regen, grau, 10-12 Grad, kaum Wind. (Forecast: sw-s-se 6-15 kn (21), Regen) Start 12.30 Uhr. Die Ausfahrt aus dem riesigem Hafen von Zeebrugge ist gekennzeichnet vom grauen, nassen und trüben Wetter. Nachdem das Boot klariert war und sich alles auf eine längere Kaffeefahrt eingestellt hat, kommt entgegen des Wetterberichts doch ein wenig Wind auf, der Regen hört auf und wir können die ersten Meilen unter Spi dahingleiten. Leider kam der Wind direkt von achtern, so dass wir vor dem Wind kreuzen müssen, um ein wenig Speed zu erhaschen. Bis zu 11 kn Speed sind dann bei der leichten Brise sehr beachtlich, jedoch wären wir auf dem Kurs dann direkt nach England gesegelt...
Was dann folgt ist eigentlich typisch für den weiteren Reiseverlauf: der Wind schlief ein, kam dann langsam wieder und wurde spitzer und spitzer und drehte über süd Richtung ost, in unsere Richtung!?!
Die ersten dreissig Stunden waren durchwachsen von fast Flauten, ein paar Schauern bis hin zu auffrischenden Winden mit Reff einbinden. Nachts haben wir die gigantischen Windparks vor der belgisch/holländischen Küste passiert und müssen leider feststellen, dass diese zu umfahren schon hinderlich ist und  Umwege bedeutet.
Am Sonntag war dann absehbar, dass die Zeit knapp wird und so haben wir Erik in Den Helder an Land gelassen, damit er Dienstag pünktlich zu seinem Dienst kommt. Zuerst sah die Wetterlage so aus, dass wir eine schnelle Reise bekommen würden, aber die Realität sieht ja oft anders aus... Nach diesem Zwischenstop segelten wir in die früh einsetzende Dunkelheit hinein. Immer schön in dem Streifen zwischen Verkehrstrennungsgebiet und Küste. Anfangs ging es gut voran bis dann auch hier der Wind immer spitzer kam und dazu noch stetig abnahm. Gut, dass es für Mitte November relativ warm war, auf jeden Fall über Null Grad.
Morgens um vier nahm der Wind endlich wieder zu, wir mussten sogar ein Reff einbinden. So liessen wir die holländischen Inseln an unserer Steuerbordseite und arbeiteten uns langsam vor. Willkommen in Deutschland! Ab jetzt wird endlos gekreuzt. Der Wind hat sich fast ganz gegen uns gedreht. Also jede Meile aufkreuzen. Auf solch einem 3,95 m breitem Boot ist es zuerst ein ungewohntes Gefühl, so hoch zu sitzen, wenn das Boot durchs Wasser pflügt. Aber das Boot ist auch auf der Kreuz gut zu handeln und macht Spass zu segeln.
Zur Belohnung zeigte sich am Montagnachmittag die Herbstsonne und sorgte für ein wenig Wärme auf der Haut. Dann wurden die Kreuzschläge kleiner, wir erreichten das vor Wangerooge liegende Jadefahrwasser. Selbst in der Jade mussten wir uns unseren Weg in den Nassauhafen erkreuzen. Nach 57 Stunden und 337 nm erreichten wir dann endlich unser Ziel und erschöpft und glücklich ging es unter die heisse Dusche. Jetzt warten wir darauf, dass die Schleuse in Hooksiel wieder arbeitet, denn diese war letzte Woche aufgrund von Wartungsarbeiten geschlossen.Dann geht es ins Winterlager.

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Veröffentlicht von am in Reisen

Ende Oktober 2014, Zeebrügge, Belgien.

Infiziert!!!

Ende Oktober 2014, Zeebrügge, Belgien.

Ich bin schon seit gestern Abend in Zeebrügge und kann es kaum abwarten. Dort unten am Steg liegt mein Traumboot und wartet darauf, dass wir einen Testschlag machen. Es ist einer der letzten schönen Herbsttage, knappe 20 Grad, ca 20 kn Wind. Zielstrebig kommt ein Segler auf mich zu. Albert, der Besitzer der Pogo 10.50 "Plume".

Im Hafen

Eine Stunde später fahren wir aus dem Hafen. Es sind noch zwei Mitsegler aufgetaucht, das Boot wird klariert, die Segel vorbereitet. Vier Segler, drei Sprachen und ein Boot, das verbindet!
Der Gennaker wird schnell gesetzt: Knut, willst Du an die Pinne? Gesagt getan. Der Gennaker rollt aus und füllt sich mit Wind. "Höher, höher an den Wind!" Albert ermutigt mich, immer weiter anzuluven.

Auf See

Die Pogo verhält sich fast wie mein kleiner F16 Strandcat, der schon beim Anluven lossprintet! Nur der Kat kann kentern und wir haben einen kanpp 3 m tief gehenden Kiel, der für viel aufrichtendes Moment sorgt!

Crew

Die Pogo beschleunigt unaufhaltsam. 20 bis 22 kn Wind geben genug Vortrieb: 12 knoten, 13 knoten.....15,5 Knoten Speed auf Anhieb! Ich stolz wie Oskar war infiziert...Zwei Stunden später erfolgte der Handschlag: die Pogo wird Ihren Besitzer wechseln.

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Veröffentlicht von am in Reisen

Winterlager Hooksiel

 

Nach 11.500 gesegelten Meilen in knapp 11 Monaten liegt die Lady in einer beheizten Halle. Doch nun ist der Winter vorbei und es geht wieder ins Wasser! Pläne für die neue Saison wachsen schon.....Nordsee, wir kommen!

Auf jeden Fall gibt es eine neue Basis: nach über einem Jahrzehnt Abstinenz ist Hooksielwieder der Heimathafen - und unser neuer Verein ist der WSV Hooksiel, der uns sehr herzlich aufgenommen hat! Angekommen um wieder loszusegeln.....

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Veröffentlicht von am in Reisen

 

Lymington,. 15. Juni, Sonnenaufgang 4.15 Uhr

 

Der Kaffee gekocht, Stullen geschmiert. Leise tucker ich gemeinsam mit dem ersten Fischer bei Sonnenaufgang raus auf den Solent, wo uns der Strom mit bis zu 4 kn auf den englischen Kananl befördert. Der Wetterbericht droht ab übermorgen mit Flaute, später sogar mit nordöstlichen Winden, nichts Gutes für uns dabei. Wir haben nur heute und morgen Zeit, Meilen zu machen, gut 420 Meilen sind es noch.

 

 

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Morgenstimmung Lymington

 

Ausgang Solent

 

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englischer Nebel

 

Navigationszentrale

 

 

Knuts Arbeitsplatz

 

Unser Lieblingssegel, der Code Zero soll es wieder einmal richten. Darauf brauchen wir auch gar nicht so lange zu warten. Nach Sonnenaufgang kam der Nebel, der sich jetzt mit Sonne und gutem Wind ablöst. Unsere Grundgeschwindigkeit beträgt 7 bis 8 kn, in den Böen auch gerne mal 12 kn, die Welt ist für uns in Ordnung. So kommen wir auch pünktlich mit auflaufendem Wasser durch die Enge bei Dover, wechseln die Kanalseite, um dann mit dem großen Strom der Frachter auf der Küstenautobahn sozusagen durch das Gewirr von Windparks, Verkehrstrennungsareas und großen Ankergebieten - mal für Tanker, mal für Frachter - an Rotterdam vorbei zu segeln, immer Richtung Texel.

Alles läuft bestens. Wieder einmal schönstes Segelwetter - blauer Himmel und Wind. Wir genießen es in vollen Zügen, bis, ja bis wir wieder einmal von einem großem Kreuzer aufgebracht werden - die holländische Küstwacht. Jetzt beginnt ein kleiner Krimi. Zuerst kommt der Kreuzer, überholt uns und legt sich quer in unsere Bahn. Kein Funkkontakt, keine Ansage. Wir halten drauf mit 9 kn. Der Kreuzer macht uns wieder den Weg frei, zieht nochmals vorbei und lässt ein Schlauchboot zu Wasser. Kurz darauf werden wir von 2 Beamten der holländischen Coastguard und der Immigration geentert. Das ganze ohne Funkverkehr.  Der Ältere von beiden ist sehr streng, fast ein wenig aggressiv provozierend. Der filzt dann im schweren Ölzeug unser Boot, klettert durch unsere Kojen in seinem salzigem  Ölzeug, sucht in und unter den Matrazen und und und. Der Jüngere hingegen sitzt draussen und flirtet mit Kerstin. Ist das gerecht?

 

Mutterschiff Küstwacht

 

holländische Küstwacht

 

und tschüß!

 

Nun gut, der Spuk geht vorbei, wir können wenigstens die ganze Zeit weitersegeln und die beiden Herren machen eine sehr sportliche Figur, als sie die Boote jeweils wechseln. Wir fragen uns, warum wir schon wieder? Letztes Jahr haben wir fast das Gleiche mit dem französischem Zoll erlebt, in England war die Border Force bereits an Bord gewesen.

Der Jüngere meint, sie hätten uns die ganze Nacht beobachtet, wie wir mit 3 kn an Rotterdam vorbei sind und dann auf einmal mit 8 bis 9 kn unterwegs waren. Das fanden sie komisch und sehr verdächtig. Wir finden das nicht komisch und auch nicht verdächtig. Wir nennen das Segeln.

Glücklicherweise hält der Wind noch ein paar Stunden, so dass wir wenigstens an Texel vorbei sind, als der Wind einschläft und wir wieder den Motor starten. Noch 80 Meilen bis Langeoog, 90 bis Spiekeroog. Die Tide wird bestimmen, wo wir heute landen werden. Unser Diesel reicht aufgrund der sparsamen Fahrweise mit nur 3 bis 3,5 kn glücklicherweise auch und wir schaffen e,s dann mit auflaufend Wasser nach Spiekeroog zu kommen. Duschen, essen und ausschlafen ist jetzt angesagt. Ersteinmal ankommen, bevor zu Hause der Alltag wieder beginnt. Morgen geht es noch nach Wangerooge, um dann am Mittwoch nach 10 Monaten und einer Woche mit dem Hochwasser wieder da anzukommen, wo wir abgelegt haben, in Horumersiel. So unser Fahrplan.

 

 bald sind wir zu Hause...

 

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Veröffentlicht von am in Aktuelles

Juni 2017, Lymington, Südengland

 

Die Reise nähert sich langsam dem Ende. Die Zeit in der Karibik hat meiner Gesundheit sehr gut getan, ich fühle mich pudelwohl, voller Lebensfreude. Der Umgang mit Insullin in der Hitze ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich darauf eingestellt hat, geht es ganz gut. Zumal man ja vor Ort auch viel Zeit hat, regelmäßig sich um seine Werte und entsprechende Ernährung zu kümmern.

Spannend war jetzt die Rückreise, da es einem Segelmarathon gleich kam. Zuerst ging es von den British Virgin Islands zu den Bermudas. Wir sind über 5 Tage gesegelt, immer am Wind. Dies bedeutet permanente Schräglage, permanente Schiffsbewegungen, die ausgeglichen werden müssen, bzw. man sich immer mit einer Hand festhalten muß. Alle Handlungen werden etwas beschwerlicher. Die Kunst besteht darin, jederzeit über seine vollen Kraftreserven zu verfügen. Dies bedeutet, das die körperliche Erholung täglich in der Form von Schlaf und genügend Pausen stattfindet. Dies bedeutet aber auch, das die Arbeiten an Bord sehr effizient eingeteilt werden müssen. Unnötige Segelwechsel und/oder permanentes Puschen des Bootes zu Höchstleistungen werden auf ein sehr effizientes Minimalmaß reduziert. Das ist auch der Grund, weshalb wir meist erst zum Schluß einer Etappe richtig Gas geben, da wir dann auch Reserven verbrauchen dürfen.

Dieses Konzept hat sich bisher sehr bewährt.

Eine weitere Steigerung war dann  die Bewältigung von zwei Stürmen. Einen auf der Reise von den Bermudas zu den Azoren, der zweite zog dann die letzten drei Tage auf dem Weg von den Azoren nach Südengland über uns. Die oben genannte Taktik der permanenten Erholung ist naturgemäß während eines Sturmes nur schwierig zu realisieren. Doch auch hier hat sich unser Grundrezept, defensiv zu segeln, sehr bewährt. Wir konnten das Boot besonders im 2. Strum so einstellen, dass wir möglichst wenig Energie verbraucht haben und vor allem haben wir uns und das Boot so vorbereitet, das wir keine böse Überraschungen durch nicht gesicherte Dinge an oder unter Deck erlebt haben.  Voraussetzung hierfür ist, neben den Maßnahmen der Sicherung, technische Hilfsmittel wie eine richtig gut funktionierende Selbststeueranlage, einer entsprechenden Stromversorgung und die Überwachung des Seeraumes im Hinblick auf anderen Schiffsverkehr mit Hilfe von Radar und AIS (automatische Schiffs Identifikation). Wenn dieses alles gewährleistet ist, kann das Boot quasi alleine segeln -  so lange es richtig eingestellt ist und nichts ausfällt.

Unser Anspruch ist es, mit gesunder Crew und einem intakten Boot wieder nach Hause zu kommen. Dieses sieht bisher ganz gut aus. Gerade in langen Anstrengungsphasen hat sich unsere defensive Grundeinstellung sehr bewährt.

Diese Reise ist gekennzeichnet von einem sehr hohen Segelanteil auf einem weniger komfortablem Boot.  Aber auch hier gibt es immer verschiedene Intensivitätsstufen, wie sportlich oder eben schnell gesegelt wird. Spaß macht dieses Boot auf alle Fälle. So können wir uns dann unseren Kraftverbrauch selber bestimmen und kontrollieren jederzeit die Situation und nicht umgekehrt.

Um so mehr Spaß macht es dann, die letzten 100 oder 200 Meilen die Intensität des Segelns zu steigern. Noch mehr Spaß werden wir haben, wenn das Boot endlich wieder leergeräumt wird und damit wieder federleicht zu Hause auf der Nordsee über die Wellen rauschen kann, wenn dann nur noch sportlich gesegelt wird.

Und eines ist gewiss: Diabetis ist ein Grund, bewußter zu leben, und kein Grund, seine Träume nicht mehr leben zu können. Nur vielleicht etwas angepasster.

 

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Veröffentlicht von am in Reisen

 

Horta, 29. Mai 2017 (Mama Ingrids Geburtstag!)

 

Seit 11 Tagen sind wir in Horta und hoffen auf ein gutes Wetterfenster für unsere Überfahrt nach Südengland. Heute soll es soweit sein. Noch bestimmt allerdings Regen und Flaute das Wetter hier, daher haben wir noch Zeit zum Essen gehen, Mama zum Geburtstag gratulieren und um Abschied von Horta nehmen. 

Ablegen. Segel setzen. Die letzte Runde in der Bucht -  Doris und Kalle und andere Segler verabschieden uns dann auch lautstark mit Tröte und großem Hallo! Wieder einer dieser unvergesslichen Momente....

Horta hat uns so gut gefallen, so dass wir uns vornehmen, wieder zu kommen, irgendwann wieder auf eigenem Kiel.

 

Vorräte stauen

 

Unser erster Segeltag beginnt mit einem schönen Wind für unseren Code Zero und so ziehen wir zum Abschied deutlch mit der Heckwelle unsere Spur durch das Wasser Richtung England.

Plangemäß nimmt der Wind dann später zu. Wir wechseln auf die Genua und kommen entspannt mit 7-8 kn voran. So soll es sein!

Am 2. Tag segeln wir dann schon im 2.Reff und Genua, der Wind legt stetig zu. Wir halten unsere Geschwindigkeit, das Boot segelt verschleißfrei seine Meilen ab. Auch am  3. Tag bleibt uns der Wind dann so erhalten ohne weitere Steigerungen. Nur zu den 25 bis 27 Kn Wind kommt jetzt noch Regen hinzu. Die große Zeit der Bordheizung beginnt! Luke dicht, Heizung an. So lässt es sich auch bei Schietwetter gut leben. Nur keine Nässe unter Deck lautet die Devise!

 

Irgendwann am 4. Tag hört es auf zu regnen, der Wind lässt auch nach, also ist wieder ausreffen und Code Zero rausholen angesagt, damit wir wenigstens nicht unter sechs Knoten rutschen. Erstaunlicherweise  entwickelt´es sich dann doch noch langsam zu einem richtig schönem Segeltag.

Auch der 5. Segeltag bleibt uns dann das super schöne Segelwetter erhalten. Kein Regen, nur wenig heftige Böen,Sonne und Wind. Geht doch! Wir laufen bis zu 10 Knoten und freuen uns des Lebens.

Später müssen wir dann noch reffen, der Wind nimmt wieder zu. Wir sind gespannt, wie sich das Wetter die nächsten Tage entwickelt.

6. Segeltag

Der Wetterbericht beschert uns heute eine kleine Überraschung: bis 45 kn Wind für Übermorgen sind angesagt.

Um am Kern des Tiefs vorbei zu segeln, gehen wir auf den anderen Bug und segeln nördlich, um so dem Schlimmsten auszuweichen. Die Gripfiles von Wetterwelt sind so gut, dass meilengenaues Segeln mit Hilfe des Barometer und der Wetterkarte sehr zuverlässig klappt. So sind wir schon Regengebieten ausgewichen, oder wie jetzt den stärksten Böen dieser Front.

Und die heutige Segelgarderobe? 2. Reff und Fock ist heute die Besegelung der Wahl und wir werden mit bis zu 11 kn Geschwindigkeit belohnt. Das Leben kann so schön sein.

Gespannt beobachten wir immer wieder das Barometer, ob der Luftdruck fällt. Was kommt da wohl?

Am Morgen des 7. Segeltags dann die Gewissheit: zuerst legt der Wetterbericht noch einen drauf. Nun sind bis zu 56 kn Wind angesagt. Da, wo wir lang segeln, allerdings nur 53 kn. Dann kommt kurze Zeit später ein Frachter, den wir anfunken. Eine total nette deutsche Offizierin ist auf der Brücke und ruft für uns das aktuelle Wetter auf und wird beim Vorlesen merklich langsamer und immer ruhiger: "....na ja, also da verbinden sich in den nächsten 5 Stunden zwei Tiefdruckgebiete zu einem gemeinsamen größerem und zieht genau über Euch weg.....(lange Pause)....ich wünsche Euch alles Gute und passt auf Euch auf!"

 

das Schlimmste ist vorüber...

 

Materialschonung

 

5 Minuten Pause bei uns an Bord. Ok, beim letzten Mal war unsere Besegelung, Groß im 3.Reff und Sturmfock bei 45 kn Wind bereits am Limit. Also heute eine Steigerung: ablaufen unter Sturmfock, Groß bergen. So der Plan.

Die Rollgenua wird extra gesichert, das Großsegel wir am Baum fest gelascht. Nichts ist mehr an Deck, was sich selbstständig machen könnte. Jetzt heisst es abwarten, wie intensiv es dieses Mal wird.

Die ersten Böen kommen. Das Boot segelt jetzt mit 4-6 kn, um bei den ersten Böen dann auf 8 bis 9 kn u beschleunigen. Alles sehr gemäßigt, jederzeit kontrollierbar. Wir sind für die Wellen schnell genug, sie laufen nicht hinten rein. Alles gut. Abwarten was passiert.

Das Heulen in den Wanten wird immer stärker. Der Wind scheint uns anzubrüllen, rundherum das Donnern brechender Wellen, die Luft voller fliegendem Wasser. Auch wenn es nicht regnet, draussen wird man heute nass und es ist sehr ungemütlich! Es ist kaum zu glauben, wie sich die Szenerie innerhalb weniger Stunden komplett verändert von normaler See zur brodelnden wilden See mit grässlicher Fratze. Die verschiedenen Gesichter des Atlantiks. Nur eines davon. Es gibt noch wesentlich schlimmere....

Als es dann für uns  zu schlimm wird, verziehen wir uns nach innen. Luke dicht. Heizung an. Der Autopilot macht einen super Job, unser Wassergenerator versorgt uns ununterbrochen mit mehr als genügend Strom. Das Boot läuft die ganze Zeit sehr kontrolliert. Abwarten auf stand by.

Somit stehen wir das Wetter gut durch, da unsere Technik durchhält. Allerdings  sind wir mental total erschöpft und unsere Knochen tun auch weh. Die körperliche Anstrengung liegt im ständigen Festhalten und Verkeilen, denn das Boot ist so leicht, das die Bewegungen bei solch einem Wetter sehr den Bewegungen des "Breakdancers" auf dem Kramer-, bzw. Freimarkt ähneln, nur eben 36 Stunden lang ohne Pause! Wer sich nicht festhält, bekommt blaue Flecken, so das Motto des heutigen Tages.

So bleibt uns dieses Wetter dann bis zum Ende des 8. Segeltages erhalten, bis es dann endlich abzieht und uns nur ab und zu uns noch bis zu  36 kn beschert, immer weniger werdend.  Der Grundwind ist sehr moderat. Die Wellen beruhigen sich langsam. 2 Stunden später  heisst es ausreffen. Nur noch 150 Meilen! Die erste Begegnung mit einem Frachter auf Sichtkontakt, es normalisiert sich das Leben wieder.

 

zuverlässiger Partner: Wassergenerator

 

 

1. Begegnung am Tag danach

 

Salzschicht danach

 

Wir müssen ein wenig vor dem Wind kreuzen und möchten dicht an die Scilly Islands ransegeln, als ein Blick auf die Imray Karte uns zeigt, dass unsere elektronischen Seekarten wieder einmal einen schweren Fehler haben: um die Scilly's herum sind lauter Verkehrstennungsgebiete, die auf der elektronischen Seekarte nicht enthalten sind! Genau wie wir es schon auf dem Weg zu den Azoren erlebt haben. Es gibt zwischen Bermuda und den Azoren eine Untiefe mit nur 5,5 m Wassertiefe, die nicht  in der Karte enthalten ist. Das kann schon mal gefährlich oder teuer werden.

Noch 40 Meilen. Wir bekommen Nachschlag in Form von 30 kn Wind. Jetzt wird nicht mehr ausgerefft! Wir puschen das Boot noch einmal richtig hoch. 16,3 Kn Speed stehen auf der Logge, unser Grinsen kommt wieder ins Gesicht, trotz Erschöpfung. Außerdem haben wir mit unserem Backgroundwetterfrosch Manni eine kleine Wette um einen Pint Bier laufen, dass wir es dieses Mal im Hellen schaffen anzukommen. Nicht wie sonst immer im Dunkeln, vorzugsweise zwischen 2 und 4 Uhr.

Na ja, wir haben die Wette deutlich gewonnen! Um 19.00 Uhr können wir (nach drei Anläufen....) endlich bei Regen und Schauerböen in Falmouth festmachen!

2 Stunden später stehen wir unter den absoluten Luxusduschen des Yachtclubs, gefühlt eine volle Stunde, um danach so in die Kojen zu fallen.

 

 

 

 

Falmouth, 3.größter Naturhafen weltweit

 

Falmouth Reede

 

 

Falmouth

 

 

Die nächsten fünf Tage vergehen wie im Flug. Wir treffen Sophie, Claas und Daphne von der Hera wieder. Seit letztem Jahr in Portugal haben sich unsere Wege immer wieder gekreuzt und wir haben viele schöne Stunden miteinander erlebt. Außerdem bin ich der absolute Fan von Daphne! (ihr Alter wir noch in Monaten ausgedrückt....)

Natürlich feiern wir gemeinsam unsere Atlantikrunde, treffen auch andere Segler wieder, gemeinsam wird AC Cup live im Yachtclub geschaut, wobei die Briten leider rausgeflogen sind...kurzum, wir haben gemeinsam viel Spass! Keiner profiliert sich, alle eint eines: die Liebe zur See!!

Von Falmouth aus segeln wir nach Lymington, gegenüber Isle of Wight, wo jährlich die Cowes week stattfindet, das Segelevent der Nordhalbkugel, vergleichbar mit der Kieler Woche. Auch heute erleben wir eine Rauschefahrt, schaffen 175 Meilen in 20 Stunden über Nacht, und liegen jetzt im Stadthafen von Lymington im Päckchen. Absolut idyllisch. In zwei Tagen soll es weiter gehen, dann kommt wieder Wind. Eigentlich wollten wir es schaffen zur Horumregatta wieder zu Hause zu sein, aber das wird wohl nix mehr. Schade auch.

 

Lymington

 

Noch 450 Meilen. Der Atlantik liegt hinter uns. Welch Momente wir bei dieser Überquerung erlebt haben, das ist unbeschreiblich und sehr sehr emotional. Anders lässt es sich nicht beschreiben. (Widerspruch?! :-)

 

 Atlantik, wir kommen wieder!

 

 

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Veröffentlicht von am in Reisen

keep smiling, Happyfish!

 

Die Insel Faial, insbesondere die Hafenstadt Horta mit ihren 2.400 Einwohnern halten, was sie beim ersten Eindruck versprechen. Die Insel ist sehr grün und strahlt eine besondere Ruhe aus. Die Menschen hier scheinen keine Hektik zu kennen, sind nahezu immer freundlich und hilfsbereit, hier fühlt man sich wohl. Insbesondere, wenn man gerade den Atlantik überquert hat. Horta erscheint uns wie ein magischer Hafen, mitten im Atlantik. Hier treffen sich die Langfahrtsegler, egal, mit welchem Boot. Alle haben das gleiche Meer, das gleiche Wetter, die Naturgewalt Atlantik erlebt. Keiner muß sich besonders hervortun. Hier kommen alle vorbei, die von West nach Ost wollen. Egal, ob es zu den Kanaren geht, in das Mittelmeer oder in die Nordsee. Alle haben die Macht des Atlantik gespürt, Wale und Delfine in ihrer natürlichen Umgebung gesehen.

Dann ist da noch Peter Cafe Sport, der Treffpunkt der Segler. Museum, Kniepe, Restaurant, Boutique in einem. Hier ist immer was los. Einen Gin Tonic hier zu trinken ist Pflicht sagt man. Das ist gute alte Sitte...es bleibt meistens nicht bei einem. Man sitzt an einem Tisch mit Seglern aller Nationen, prostet sich zu, geniesst das Leben untereinander. Ein Mekka für Segler.

 

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Porto Pim

 

 

Auf den Bermudas haben wir bereits auf ein befreundetes Boot gewartet, das nicht mit uns gerechnet hat, aber es leider verpasst. Jetzt liegen sie uns gegenüber! Die Blue Sun aus Hooksiel. Kalle und Doris sind seit zwei Jahren unterwegs. Kalle ist seit über 20 Jahren ein alter Weggefährte zwischen Hooksiel und Helgoland. Wir sind schon manche Regatta gegeneinander gesegelt. Groß ist die Überraschung und die Freude!  Wir feiern unser Wiedersehen - natrülich im Cafe Peter Sport - erkunden gemeinsam im Mietwagen die Insel und haben jede Menge Spass zusammen.

Blue Sun

 

Grosses Wiedersehen!

 

 

Der grosse Krater,. heute Naturparadies

 

grüne Insel

 

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das neue Land durch Vulkanausbruch 1957

Nun sind wir schon seit einer Woche hier und bereiten gerade unsere Weiterfahrt vor. Heute zieht bereits das zweite Sturmtief in dieswer Zeit über uns. So wie es aussieht, können wir in zwei Tagen, wenn alles durch ist, Richtung Heimat starten. Es sind 1.200 Meilen bis nach Falmouth,S üdengland. Wenn alles gut geht, rechnen wir mit 8 bis 10 Tagen. Dann schauen wir mal weiter.

Horta ist weltberühmt für die Bilder auf der Kaimauer, die viele Segelyachten einer alten Tradition folgend, hier als Erinnerung ihrer Atlantiküberquerung hinterlassen. Auch wir haben es geschafft, ein kleines Kunstwerk zu hinterlassen. Kurzerhand haben wir unsere Crew um eine junge französiche segelnde Künstlerin erweitert, so dass sie uns bei der Umsetzung unserer Idee behilflich sein konnte,. so dass auch wir dieser herrlichen Tradition folgen können.

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verewigt auf der Kaimauer

 

keep smiling, Happyfish!

 

selbst hier Müll angespült. Rettet die Meere!

 

 

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Veröffentlicht von am in Reisen

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Nach 16 Tagen haben wir es geschafft, von den Bermudas nach Horta zu segeln. insgesamt 6 Flautentage, 2 Tage Kreuzkurse bei bis zu 24 Knoten Wind, 2 Sturmtagen mit bis zu 45 Knoten Wind und 6 Tagen herrlichen Segelns haben wir Horta gLücklich erreicht. 

Was war schlimmer? Die Flautentage, von denen wir uns eine Nacht haben total treiben lassen, haben doch sehr unsere Nerven und Biervorräte beansprucht. Die stürmischen Tage dagegen waren anstrengend, aber aufregend, spannend und meilenbringend. Trotz eines dramatischen Knock downs, bei dem Kerstins grosse Reisetasche mit vielen anderen Dingen, die sich auf der Steuerbordseite befanden, quer durch den Salon, diagonal vom Kopfende Steuerbordkoje hin zum Fußende Backbordkoje geflogen sind und deren Inhalt wie an einer Pinnwand an der Bordwand danach  verteilt war. Eine Riesenwelle von ca sechs Metern Höhe hatte uns volle Breitseite erwischt, nachdem wir durch eine 45 Knotenbö so angeluvt sind, dass wir quer zur Welle kamen. Das ganze, weil in diesen Minuten der Wind um ca 40 Grad drehte und unser Autopilot natürlich mitdrehte. Das war schon sehr beeindruckend, welche Kraft in solchen Wellen steckt. Keine fünf Minuten später sind wir auf den anderen Bug gegangen und es wurde wesentlich besser. 

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Nach der Welle!

 

Nach dem heftigem Wind kam die große Flaute. Zwar konnten wir noch in der einen oder andere Stunde mit dem Code Zero wenigstens noch drei bis sechs Knoten erreichen, aber dann kam das große Nichts. Nur gutes Wetter, sonst nichts. Ententeich. Dafür sieht man besser die eine oder andere Walfontäne und es kamen wieder die Delfine regelmäßig zu uns.

 

abtauchen...

 

Delfinbesuch

 

Zusammenfrassend lässt sich eindeutig sagen, dass auf Langfahrt  jede Flaute über 6 Stunden schlimmer ist, als stürmisches Wetter für einen Tag.

Na ja, 80 Liter Diesel für drei Tage Motoren später sind wir angekommen, das war heute Nacht um Mitternacht. Jetzt heißt es relaxen und vorbereiten für den nächsten Abschnitt nach England. Der erste Eindruck von Horta ist super. Sehr entspannt, total freundliche Leute überall, sehr liebevoll und ansehnlich die Erscheinungsbilder der Strassen. Wie auf der Hinfahrt Portugal uns so sehr positiv beeindruckte, so ist auch hier der erste Eindruck sehr sehr positiv. Wir werden berichten.

 

Marina Horta

 

Im Hintergrund der Pico

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Uns geht es super! Wir sind am 20.04 von Tortola aus Richtung Azoren aufgebrochen. Wir hatten vier Tage lang am-Wind Kurse bei zunehmenden Winden und Wellen und wurden entsprechend durchgeschüttelt. Die Wellen kamen so spitz, dass wir uns immer öfter nach den Wellen ausgerichtet haben und sind meist mit einem Schrick in den Schoten unterwegs gewesen, konnten jedoch, als wir es wollten, keinen direkten Kurs Azoren anlegen. Alles kein Problem, das sehen wir ja sportlich, aber als dann der Wetterbericht verkündete,dass es die nächsten fünf Tage so bleiben soll, Tendenz eher zunehmend, da haben wir uns entschieden, nach Bermuda abzudrehen. Wir konnten auf Halbwind abfallen und sind dann 1,5 Tage zu den Bermudas gesegelt. In der Spitze dann mit kleiner Fock im zweiten Reff sind wir dann mit bis zu 12 Knoten unterwegs gewesen. Das hat dann die vier Tage am Wind Segeln wieder ausgeglichen, es hat viel Spaß gemacht. Die ersten fliegenden Fische landeten wieder nachts am Deck. Ansonsten haben wir nur beim Verlassen der BVI drei Delfine gesehen, das war es dann die ganzen nächsten Tage. keine Wale, Delfine oder ähnliches. Langsam wird es kälter, immer öfter kommt die Fleecejacke zum Einsatz. Am vorletztem Tag vor den Bermudas kam sogar das Ölzeug zum Einsatz, sogar mit Segelstiefeln, die Barfussroute scheint langsam vorbei zu gehen. Aber wir freuen uns darauf, die Merinounterwäsche irgendwann wieder rauszuholen und sich einzukuscheln. es war doch verdammt viel Sonne die letzten Monate, teilweise einfach zu viel. Wir freuen uns auf unsere Familien und Freunde, ja sogar auf die Arbeit. wir müssen uns ja auch nicht beschweren, noch haben wir knapp zwei Monate Reisezeit vor uns, auf die wir uns schon riesig freuen. Auf dem Wasser zu sein für mehrere Tage ist so eine Wohltat für Körper und Geist, es macht einen entweder süchtig, oder es schreckt einen ab. Uns macht es süchtig. Mal schauen, ob es so bleibt am Ende unserer Reise.

Bermuda gefällt uns ausgesprochen gut, gerade nach den doch herz-und seelenlosen British Virgin Islands. Die Menschen hier sind sehr freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit. Überall haben wir viel Spaß und werden mit offenen Armen aufgenommen.

Am Sonntag, den 30.04. werden wir wohl wieder Richtung Azoren aufbrechen, es sind ja nur noch 1.850 Meilen, die Wetterprognose sieht vielversprechend aus. Das Boot ist in einem sehr gutem Zustand.

Auf Tortola konnten wir unser Dinghi mit Aussenborder und unsere 50 Meter Ankerkette verkaufen. Nun ist Foxy Lady um ca 200 kg leichter und fängt wieder an, richtig gut zu laufen. Natürlich sind wir noch zu schwer, aber der Unterschied ist schon riesig, wir kommen wieder früher ins Gleiten, alles läuft leichter, wir haben mehr Spaß!

Wir liegen jetzt hier mit mehreren europäischen Yachten, die alle auf dem Weg zu den Azoren waren und hierher abgedreht sind.

Wir werden wohl alle die nächsten Tage aufbrechen. Die einen wollen Flaute und am liebsten Motoren, die anderen basteln sich Routen zusammen, wo sie den besten Wind haben. Wir auch. Aber wir haben Manni, der uns unterwegs regelmäßig mit der Großwetterlage vertraut macht und uns die Sicheheit gibt, nicht ungewollt in ein Sturmtief zu segeln. Wir sind dafür so dankbar, dass Manni so viel Zeit für uns aufbringt, dass er eigentlich schon zur Crew zählt. Inshorecrew sozusagen. An dieser Stelle schon mal vorab ein riesiges "Dankeschön" von uns dafür! 

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Jetzt geht es für uns auf den Rückweg, dass wird spannend! Wetter könnte nächste Woche passen! Wir sind voller Vorfreude auf die Reise, insbesondere auf die Azoren! 

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Veröffentlicht von am in Reisen

Folgend ein paar Impressionen zwischen Horseshoeriff, Martinique und Dominca.

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Yah Man!!

live slow

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Rastarant

kühles Bad

Victoriawasserfall

Höhenangst gilt nicht

 

Ziel der Begierde

noch weiter bergab

Atlantilblick

Dominica - Klettertour

 

Diamantrock Martinique

stolze Fischer und ihr Lobster

happy people - Sonntagsausflug

typisch Grenadinen

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Horseshoeriff

Morgenbesuch am Horseshoeriff

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Schweren Herzens verabschieden wir uns vom Horseshoeriff, wo wir gerne noch länger geblieben wären, aber da auf dem Hinweg unser Wassermacher seinen Geist aufgegeben hat, bevor wir Wasser gewinnen konnten, sind unsere Wasservorräte sehr endlich. Wir bekom.en zwar von Seglerfreunden noch 30 Liter Wasser geschenkt, aber auch das reicht nicht für zu große Sprünge. Außerdem soll unser Päckchenmit dem Teil für den Wassermacher in drei Tagen auf Martinique eintreffen und wir möchten nicht, dass es zu lange irgendwo rumliegt. Martinique haben wir gewählt, damit es eine innereuropäische Lieferung ohne Zoll ist und Martinique uns europäisch zuverlässig vorkommt.

Heute segeln wir zuerst nach Bequia zum Ausklarieren, was auch gut klappt, denn wir kommen früh los und haben guten Wind. Da wir Bequia schon kennen, genießen wir die wenigen Stunden hier im Cafe und im restaurant. Abends wird dann alles gut verstaut und morgen früh wollen wir aufbrechen.

 

Pünktlich um sechs Uhr geht der Anker auf, wir setzen die Segel und begeben uns auf den Weg nach St. Lucia, wo wir  möglichst im Hellen ankommen wollen.

Der Wind ist zwischen den Inseln anfangs mit 20 bis 25 Knoten und einem Am Wind Kurs nahezu optimal, denn es bleibt so noch genug Wind für die Strecke hinter St. Vincent,  wo wir sonst hätten motoren müssen, da die hohen Berge St. Vincents den Wind nicht konstant durchlassen.

Hinter den Inseln ist der Wind unberechenbar: erst Flaute, dann kommt es mit voller Kraft auf einmal die Hänge runter, man muß immer gut auf der Hut sein hier!

Alles in allem kommen wir gut voran. Wir können es noch bis zur Rodnay Bay auf St. Lucia im Hellen schaffen. Es ist ein. wunderschöner Segeltag,  fast immer genug Druck im Segel bei meist guten Geschwindigkeiten zwischen 4 und 9 Knoten.

Jetzt haben wir noch zwei Stunden bis zur Dämmerung. Der Wind nimmt  kontinuierlich ab und dreht natürlich genau in die Richtung, in die wir wollen.

Da wir so schön gesegelt sind, beschließen wir,  die restliche Strecke zu motoren.

Was nun? Der Motor springt zwar an, aber nimmt kein Gas an und es geht auch kein Gang mehr rein! Die Mechanik der Schaltung und des Gaszuges weisen keinen Fehler auf, wir sind ratlos und  deprimiert, was geht denn noch alles kaputt? Egal, wir kreuzen in die Bucht und müssen den Anker beim ersten Versuch gut setzen, damit es klappt. Na, dann mal los.

Also kreuzen wir mit dem letzten Wind in die Rodnay Bucht, die Sicht ist eher schlecht, so dunkel ist es. Für die Ankerwinsch brauchen wir Strom, daher wird der Motor wieder gestartet - und er läuft, als wenn nie etwas gewesen ist! Wir können es kaum glauben. War wohl ein einmaliger Fehler in irgendeiner Schaltung. Ist uns auch letztlich egal, solange der Motor wieder läuft. Langsam ist es doch gut mit den Ausfällen! Dafür sind wir aber schön gekreuzt, bis auf den letzten Meter!

Essen, Trinken, Schlafen ist jetzt angesagt, es war ein schöner und aufregender Segeltag!

 

Für heute sind wir in le Marin auf Martinique angemeldet, wir haben uns eine Mooring reservieren lassen und die Marina als Lieferadresse angegeben.

Und wieder ist heute ein Superwind angesagt mit gut 25 Knoten, wieder ein Am Wind Kurs. Entsprechend schnell sind wir in le Marin und freuen uns, wieder eine volle Versorgung genießen zu können.

Tatsächlich schafft es Fedex, das Paket innerhalb von 10 Tagen in Deutschland abzuholen und hier auszuliefern, welch logistische Meisterleistung! Schnell ist der Wassermacher repariert und wieder funktionsfähig!

Wir nutzen noch den Aufenthalt und füllen unsere Vorräte wieder auf, bevor wir weitersegeln.

Entgegen unser ursprünglichen Planung wollen wir nach Dominica. Wir haben diesen Tipp bekommen und wollen versuchen, Wasserfälle zu besuchen.

"Hey Captain, do you want a mooring?" Ein etwa 16 jähriger kommt mit einem schnellen Motorboot uns entgegen. Nach kurzem Zögern vertrauen wir uns dem jungen Mann an und folgen ihm.

An der Mooring erkunden wir uns dann nach Mr. Beam, den man uns wärmstens empfohlen hatte und den wir suchen. Es stellt sich raus, dass der junge Mann für Mr. Beam arbeitet und wir erkundigen uns nach der Tour zu den Wasserfällen. 3 x fährt der junge Mann hin und her durch die ganze Bucht und am Ende haben wir eine Tour für morgen früh gebucht. Mr. Beam will uns um 9.00 Uhr abholen. Wir sind gespannt.

Nach einer ruhigen Nacht an der Mooring kommt pünktlich Mr. Beam und holt uns ab um uns an Oktavius, einem professionellem Tourguide zu übergeben. Oktavius hat noch zwei Freunde dabei und gemeinsam mit einem englischem Seglerpaar geht es im Kleinbus erstmal quer über die Insel. Oktavius scheint hier sehr viele Leute zu kennen, überall wird freundlich gegrüßt, manchmal ein paar nette Worte gewechselt. Wir bekommen langsam die karibische Gelassenheit mit, die wir hier auch gesucht haben. Mitten in der Wildnis kommen wir dann an ein Haus, wo gerade Kokosnüsse geerntet werden. Wir stoppen, jeder bekommt einen absolut frischen Kokosdrink und weiter geht es. Auch hier: einfache Leute mit wenig Hab und Gut, alle total freundlich und nett. Wir fühlen uns wohl.

Weiter geht es. Tiefer und tiefer in den tropischen Regenwald bis in eine Sackgasse im Irgendwo. Von jetzt an geht es zu Fuß weiter. Wir müssen ca. 300 Höhenmeter nach unten überwinden, um zu unserem Wasserfall zu kommen. Fast vertikal verlaufende Hänge, dicht bewachsen, klettern wir mit Hilfe befestigter Seile zur Sicherung nach unten. Teilweise so steil, dass selbst gebaute, fast freischwebende Hängeleitern zu meistern sind. Kletterpark pur, nur ohne Gurt. Und immer wieder der atemberaubende Blick durch das Gestrüpp auf den Atlantik, der zu unseren Füßen in hohen Wellen die Küste erreicht.

Bei dieser Tour überwindet so mancher in unserer Gruppe seine persönlichen Grenzen, was Klettern angeht. Was nicht alles geht, wenn es sein muß?!

Glücklich und erleichtert erreichen wir den Strand, auf den aus ca 30 Metern Höhe ein Wasserfall aus dieser dichtbewachsenen steilen Wand wie eine übergroße Permanent Dusche fällt.

 Nach der Dusche und dem Bad in der Brandung des Atlantiks verschnaufen wir uns noch ein wenig und machen uns dann auf den Rückweg. Gut, das Hochklettern einfacher ist als Runterklettern! Jetzt haben wir uns ein Mittag verdient und machen uns auf den Weg zu einem der friedvollsten Plätze auf Erden, die wir bisher gesehen haben: mitten zwischen tropischen Regenwäldern inmitten eines Tals mit Bach liegt ein Rastarant mit Herberge für Rucksacktouristen, geführt natürlich von Rastas. Entsprechend gut roch es auch überall hier und die Leute waren alle total relaxed.

Hier am Rastarant beginnt auch der Trail zu unserem nächsten Wasserfall, dem Victoriawasserfall. Dieses Mal müssen wir nicht Hänge hinunterklettern, sondern einen Flußlauf folgend über Steine balancieren und durch brusthohes Wasser waten, um unser Ziel zu erreichen. Schon von weitem hören wir das Donnern, wenn das Wasser aus luftiger Höhe die Hänge hinunterfällt. Direkt beim Wasserfall herrscht dann auch ein enormer Wind von dem Druck der Wassermassen ausgelöst und nebelartiger Dunst, der die Luft beherrscht. Es ist sehr kühl hier, aber das tut dem Spaß keinen Abbruch. Ausgelassen wie Kinder plantschen wir in diesem riesigen Schwimmbecken, bevor es wieder zurückgeht zum Rastarant.

Oktavius ist glücklich als er auf der Rückfahrt bemerkt, dass alle im Auto nun müde und erschöpft sind von diesem wunderschönem Tag inmitten dieser unberührten Natur sind. Wir kommen genau richtig zum Sundowner wieder an Bord und sind glücklich über diesen schönen Tag. Nicht nur die Natur hat uns sehr beeindruckt, sondern wieder einmal die Herzlichkeit der Menschen, selten ist jemand schlecht gelaunt oder unzufrieden. Immer wieder hört man einen coolen Spruch oder einfach nur ein Hallo, wie gehts?

Nach dieser gestrigen Tour merken wir ein paar Muskeln, die sich wohl in den letzten Wochen nicht so richtig bewegt haben. Mr. Beam kommt nach dem Frühstück um mit uns zum Zoll zu fahren, unsere Wäsche in Auftrag zu geben und mit uns gemeinsam ein paar Erledigungen zu machen, die notwendig sind. Wir haben mit Mr. Beam viel Spaß, zwischen durch flitzt er immer wieder los, um für irgendjemanden irgendetwas zu organisieren oder zu erledigen. Mr. Beam erledigt einfach alles.

Abends kommt er dann noch auf ein Feierabendbier an Bord und wir reden über seine so schöne Insel und deren Schwierigkeiten, darüber, wie sich die Boatboys neuerdings organisiert haben, es seitdem keinen Diebstahl oder ähnliches mehr gibt, Segler beruhigt hierher kommen können. Wir fühlen uns hier pudelwohl und sehr sicher.

Der Tag vergeht wie im Fluge und wir entschließen uns, morgen doch noch nach Portsmouth zu segeln, dem einzig richtigen Hafen Dominicas, bevor wir uns von dieser so schönen Insel verabschieden.

Als wir Mittags am nächsten Tag in Portsmouth ankommen, werden wir freudigst erwartet von Mr. Previdence: "Hi Foxy Lady! Mr. Beam told me everything about you! Everything!" wiederholte er ein paar mal mit einem sehr freundlichem aber breitem Grinsen im Gesicht. Gerne lassen wir uns überreden, mit ihm am nächsten Morgen eine Flußfahrt in ein Naturschutzgebiet und das einzige Reservat des letzten Stammes der Ureinwohner Dominicas zu unternehmen. Es geht morgen früh um sieben Uhr los und dauert bis um halb zehn. Danach können wir dann ja immer noch starten. Gesagt, getan.

Pünktlich um sieben Uhr werden wir abgeholt und gemeinsam mit sechs anderen Seglern geht es den Fluß hinauf - mit Muskelkraft, denn Motoren sind hier tabu, da zu laut. Wir lernen viel über die hiesigen Vögel, Pflanzen und Bäume. Unbeschreiblich schön diese Kulisse, im Hintergrund Vogelgezwitscher der verschiedensten tropischen Vögel, Fische im klaren seichten Wasser, große bunte Krabben, die in Löchern am Ufer hausen sitzen überall herum, einfach gesagt, eine kleine heile Welt.

Wir sind froh,  diesen Ausflug noch mitgemacht zu haben, als wir unseren Anker hochholen und Richtung Isles les Saintes starten, eine kleine Inselgruppe, die zu Guadoloupe gehört. Sehr schön, aber total voll und 110% französisch! Gutes aber teures Essen, fast nur Europäer, die das Straßenbild prägen. Wie ein französischer Urlaubsort am Mittelmeer.....

2 Tage verbringen wir hier, genießen das Essen, gehen schwimmen und lassen die Seele baumeln, bevor wir nach Deshaie aufbrechen, am Nordwestzipfel von Guadoloupe, ideal für den Absprung nach Antigua. Hier sitzen wir nun, beobachten Pelikane, die entweder auf Fischerbooten sitzen oder sich plump im Sturzflug ins Wasser fallen lassen. Eine Schildkröte schwimmt am Boot vorbei, wir fühlen uns wohl.

 

Yah man, sail fast, live slow!! In diesem Sinne soll  es bei uns jetzt weitergehen: Antigua, St. Barth, St. Marteen! Dort gibt es ein großes Wiedersehen, auf das wir uns schon lange freuen!!

 

Leider ist das Internet hier so schlecht, dass wir keine Bilder hochgeladen bekommen. Diews wird bei nächster Gelegenheit nachgeholt!

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Uns geht es gut! Wir sitzen unter dem Bimini, eine Meeresschildkröte zieht ihre Bahnen um das Boot, wie bereits die letzten zwei Tage zuvor...., ein kleiner gefiederter Frechdachs sitzt pünktlich zum Frühstück auf dem Relingsdraht und trillert uns ein Ständchen. Wir blicken auf einen weissen Strand mit Palmen, davor türkisfarbenes Wasser. Im Hintergrund das Rollen der Atlantikbrandung, die auf das große Horseshoeriff trifft und uns Ankerlieger beschützt. Wir sind in den Tobago Cays und langsam realisieren wir, dass wir jetzt endgültig in der Karibik angekommen sind. Alles voller kleiner unbewohnter Inseln, umgeben von Korallenbänken. Dazu Palmen, weisser Strand und türkisfarbenes Wasser.

 

Nach unserer Ankunft auf Martinique haben wir 10 Tage in Le Marin verbracht. In der Zeit konnten wir das Segel und den Autopiloten reparieren, neue Fallen in den Mast ziehen und unsere Vorräte wieder auffüllen. Martinique ist Frankreich. Hier gibt es fast alles zu kaufen, was es auch in Europa gibt. Dazu ist Le Marin der größte Charterstützpunkt weit und breit. Entsprechend gut ist die Versorgung mit Ersatzteilen und dazu gibt es noch gute Servicetechniker.

Hier trifft man alles: große Nobelyachten mit Jet Set, Langfahrtsegler und Charterer und viele Hängengebliebene, deren Boote schon lange nicht mehr seetüchtig sind, und die fest vertäut in den Mangroven vor sich hin gammeln.

Gemeinsam mit Segelfreunden, die wir auf den Kap Verden kennen gelernt haben, mieten wir ein Auto und besichtigen Martinique. Tropischer Urwald pur. Eine bezaubernd schöne Insel. Hier haben wir auch unseren ersten Kolibri gesehen, ein wahrer Flugkünstler im Miniformat.

Entgegen unserer ursprünglichen Planung wollen wir doch zuerst in den Süden, der so schön sein soll, aber auch den Ruf hat, nicht sicher zu sein. Aber alle, die wir treffen, die schon lange hier unterwegs sind, bestätigen, dass es sicher sein soll - bis auf St. Vincent eben. Also los!

Nur 3-4 Stunden segeln und schon sind wir auf St. Lucia in der Rodnay Bay, wo wir unsere holländischen Freunde von der Gwelan wieder treffen, die gerade über den Atlantik gekommen sind. Sie wollen gerade heute wieder weiter, als sie uns jedoch sehen, fällt sofort der Anker und sie bleiben noch eine Nacht. Groß ist die Wiedersehensfreude und wir verbringen einen sehr schönen Abend miteinander.

Der nächste Morgen. Auf dem Weg zum Ausklarieren fällt unerwartet unser Elektromotor für das Beiboot aus und lässt sich auch nicht mehr überreden, wieder seinen Dienst anzutreten. Der nächste Servicestützpunkt ist ein paar tausend Kilometer weg. Was tun?

Kurzfristig können wir hier vor Ort einen Motor besorgen. Nach dem Motto erst Öko mit Elektro und dann Luftverpester mit einem 5 PS Zweitakter. Der aber ist leicht und hat genügend Power für unser Beiboot.

Ohne Aussenborder sind wir eben aufgeschmissen. Das wurde spätestens klar, als wir gegen den Wind eine Strecke paddeln mußten. Ein mühseliges Geschäft.

 

Marigot Bay

 

Ein Tag später: Problem gelöst. Weiter geht es zur berühmten Marigot Bay, wo einst der Filmklassiker Dr. Doolittle gedreht wurde. Unsere Vorstellung über Karibik kommt dieses Ambiente schon recht nahe: türkisfarbenes klares Wasser und die Bucht gesäumt von Palmen. Dies ist ein Ort, um 2-3 Tage zu verweilen, dann aber geht es auch für uns weiter. Unser nächstes Ziel ist Bequia, Port of Entry für das Gebiet der Grenadinen. Bequia, eine kleine Insel, bewohnt von einem wilden Mix verschiedener Kulturen, die sehr harmonisch miteinander leben. So heisst es im Reiseführer und es ist auch unser Eindruck. Hier erleben wir erstmals die reine karibische Gelassenheit, überall nette und freundliche Leute, immer einen coolen Spruch auf den Lippen. Wir erleben das Gegenteil von dem, was wir im Vorfeld immer wieder gehört haben über agressive Händler und Boatboys, über Diebstahl und andere Kriminalität. Bis heute haben wir nur positive Erfahrung mit den Menschen hier gemacht. Es scheint sich zu verbreiten, dass die Segler nur kommen, wenn es friedlich und freundlich und fair ist. Überall hören wir, dass sich das Verhalten der Boatboys und Händler geändert hat. Wir haben auch bisher nirgends ein unsicheres Gefühl gehabt, Angst um Hab und Gut haben wir noch nicht kennen lernen müssen.

 

Yah Man!

 

Wir wollen weiter. Mystique steht auf dem Programm. Mystique ist eine Privatinsel, wo der Jet Set sowie viele Promis wie Mick Jagger ein Anwesen unterhalten. Es ist eine Insel, die total abgeschottet ist. Wir Segler werden gerne für drei Nächte geduldet, gegen eine Gebühr von 80 Euro versteht sich. Dafür dürfen wir uns an einem sehr schönen öffentlichen Strandabschnitt aufhalten, bis die Privatgrundstücke anfangen. Dann gibt es im Hafen noch einen Lebensmittelladen, einen Konditor und eben Basils Bar. Berühmt und berüchtigt sind die Parties hier, wo sich die Inselpromis gemeinsam mit den Seglern austoben dürfen. Wir haben Glück. Wir erleben an zwei Tagen jeweils ein Blueskonzert mit wechselnden Solisten vom Feinsten, wo sich die Inselbevölkerung trifft und es eine wilde Party jeweils gibt. Wir haben selten so viele skurile Gestalten erlebt wie an diesen Abenden. Vom Glitzeranzug mit Lackschuhen bis hin zu Shorts und Badelatschen war es ein bunter Haufen von Leuten, die alle in Feierlaune waren.

 

Mystique

 

Nach diesen Partytagen sind wir nun endlich zu unserem eigentlichem Ziel unseres Abstechers in den Süden gekommen: die Tobago Cays, das Horseshoeriff.

Hier sitzen wir nun unter dem Bimini, um uns schwimmt die Schildkröte, im Hintergrund das Donnern der Brandung. So und jetzt gehen wir Schnorcheln! Hier gibt es ein weit verbreitetes Lebensmotto, dem wir uns gerne anschließn:

Sail fast - live slow!

Weitere Bilder folgen noch, wenn das Internet besser ist....

 

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Wir haben es geschafft: ohne Unter- oder Überzuckerungen, ohne Ketone oder sonstigem sind wir gut 16 Tage in teils sehr anstrengendem Wetter unterwegs gewesen. Der Körper hat fortwährend gearbeitet, zusätzlich waren wir die ersten drei Tage nahe der Seekrankheit. Unser Grundsatz war die Materialschonung genau so wie die körperliche Schonung. Kam mehr Wind und hohe Wellen, haben wir das Boot so eingestellt, dass nicht zu große Katastrophen passieren können, unter denen wir unsere körperlichen Grenzen überschreiten. Groß war die mentale Herausforderung mit aufkommender Übelkeit. Mit viel Wasser trinken und körperlichem Schongang war dieses allerdings gut in den Griff zu bekommen.

Nachts haben wir das Boot so eingestellt, dass wir auch in dieser Zeit keine wilden Aktionen spontan machen mußten, die zu einer Unterzuckerung hätten führen können. Auf diese Art und Weise kam ich in einen Rhytmus rein, der dem sonstigem Alltag sehr ähnelte. Somit hatte ich keinerlei Schwankungen oder sonstige Überraschung. Vor größeren Manövern wurde zusätzlich ein Müsliriegel gegessen und schon war alles im Lot. Ich fühlte mich zu keiner Zeit unsicher oder überfordert.

Im Gegenteil, mir hat diese Überquerung einschließlich der langen Anreise über 4 Monate so viel Selbstbewußtsein in puncto Diabetis gegeben, dass ich noch größere Herausforderungen annehmen würde. Auch eine mehrjährige Weltumsegelung. Nicht sofort, sondern erst in ein paar Jahren, aber ich fühle mich stark genug dafür.

Die größte Unterstützung war für mich aber die Möglichkeit, jederzeit meinen Wert per Sensor abrufen zu können. Auch die Versorgung mit neuen Sensoren lässt sich gut organisieren. Und die Entwicklung geht ja noch weiter! Jetzt wird es für mich spannend, wie ich in den Tropen mit dem Klima klarkomme. Wir sind jetzt eine Woche hier auf Martinique und das Klima ist perfekt!! Ich fühle mich rundum wohl und mein Körper scheint im Gleichgewicht zu sein.

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Atlantiküberquerung: 2.200 Meilen Wind & Wellen

Mindelo, Kap Verden, der 22.12.2016

 

Viele Seglerfreunde stehen am Steg, Leinen fliegen an Deck, "gute Reise!" Wünsche in verschiedenen Sprachen und laute Signalhörner verabschieden uns zu unserem großen Törn über den Atlantik, von Ost nach West, die sogenannte Barfußroute im Passatwindgürtel.

Der Moment, für den wir uns so lange vorbereitet haben. Der Moment, an dem unser großer Traum von unserer Atlantiküberquerung beginnt. 4.000 Meilen in gut 4 Monaten sind wir bis hierher gesegelt, zu unserem Absprung über den großen Teich. Wir leben unseren Traum, ein unbeschreibliches Gefühl. Wir sind überwältigt von den Emotionen, die ausgelöst werden. Gänsehaut und gleichzeitig Pippi in den Augen.

 

Wir starten im 2.Reff. Immer noch fegen starke Böen die Hänge Mindelos hinunter und zwischen den Inseln Sao Vicente und Santo Antao erwartet uns eine Düse mit bis zu 30 Knoten Wind, die uns schnell aus dem Kanal auf den offenen Atlantik schieben. Draussen finden wir sehr konfuse Wellensysteme vor. Zum Einen kommen sehr hohe Wellen aus Nordwest, ausgelöst von einem Orkantief südwestlich von Irland letzte Woche, zum Anderen die Passatdünung aus Nordost. Diese Wellen treffen fast in einem 90 Gradwinkel aufeinander, das macht das Ganze sehr unberechenbar und unangenehm. Eine HR 36, die gestern in Mindelo ankam, berichtete von Wellen, die unvermittelt ins Cockpit kamen. Na dann viel Spaß, denken wir uns.

Wir stellen uns so gut es geht auf die Wellen ein und segeln zuerst einen südlicheren Kurs, um aus der Abdeckung Santo Antaos zu kommen.

 

morgendlicher Ausblick

 

Freudig werden wir nach kurzer Zeit von einer Gruppe verspielter Delfine auf dem Atlantik begrüßt. Ihre Bäuche schimmern rosa und sie sind relativ klein, aber total verspielt. Aber nur kurz die Aufmerksamkeit auf uns gerichtet und schon sind sie wieder weg.

Auf dem Abschnitt zu den Kap Verden ist uns ja unser Spifall gerissen, was uns den Code 0 gekostet hat. Auslöser hierfür war der Ausfall des Autopiloten im Windmodus, da die Windanlage im Masttop einen Kurzschluß verursacht hat. Wir haben dies in Mindelo mit Hilfe von Zange und viel Kontaktspray für die Steckverbindung repariert und es lief die letzten Tage am Steg einwandfrei.

Jetzt, nur 15 Meilen nach Abfahrt passiert das gleiche wieder: alle Winddaten sind auf einmal weg, der Autopilot hat seinen Geist aufgegeben!!!

In Mindelo haben wir gelernt, das Untersystem der Winddaten aus dem Gesamtsystem zu trennen, so dass die Anlage wenigstens nach Kompass wieder funktioniert. Gesagt getan. Nach fünf Minuten funktioniert unser so wichtiger dritter Mann wieder: der Autopilot, der bis über 20 Stunden am Tag arbeiten muß und ohne dessen Hilfe wir aufgeschmissen wären. Nur eben dass unser dritter Mann jetzt nicht mehr nach dem Wind steuern kann, sondern stur nach Kompass fährt, egal, ob der Wind dreht, oder nicht. Da wir sehr tief segeln, d.h. der Wind kommt fast genau von achtern, ist jederzeit die Gefahr einer ungewollten Halse sehr groß, welche nur zusätzlichen  Ärger und weitere Schäden verursachen würde.

Dennoch sind wir uns einig: das hält uns nicht auf! Wir sind zwar ziemlich frustriert deswegen, aber irgendwie ist es auch ein Ansporn, es dennoch zu schaffen. Wir haben uns ja auch vorgenommen, die ganze Strecke ohne Motorhilfe zu segeln, auch bei Flaute. Es hätte  sowieso keinen Zweck bei diesen Entfernungen, da wir nur 100 Liter Diesel an Bord haben. Und dies ist die Notration.

Zu dieser Enttäuschung wird jetzt die chaotische Wellensituation immer intensiver. Die Wellen kommen quer zueinander, brechen sich direkt hinterm Boot oder kommen im 90 Gradwinkel auf einmal auf uns zugerollt mit lauter Gischtwelle. Solche Wellen drehen das Boot manchmal innerhalb von Sekunden um bis zu 40 Grad aus der Richtung, da heisst es "immer schön aufpassen!"

Wir entschließen, uns nach den Hauptwellen auszurichten, das Groß zu bergen und segeln nur mit Genua weiter. Eigentlich Kaffeesegeln. Heute mit permanenter Schiffschaukel dabei. Die Bootsbewegungen verursachen dann auch, dass das Bier nicht mehr richtig schmecken will. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass es uns nicht wirklich gut geht. Jetzt bloß nicht seekrank werden!! lautet die Devise.

Drei Tage dauert dieser Zusatand an, wir segeln stur in südlichere Richtung nur mit Genua im Schleichtempo und warten darauf, dass sich die Wellen beruhigen und der Wind ein wenig mehr auf Nordost dreht.

 

Wir haben es geschafft: heute wird geduscht, gekocht, die Lebensgeister kehren zurück! Es ist unglaublich, wie schnell der Körper und der Geist sich wieder erholt, wenn es ruhiger wird. Jetzt schmeckt auch wieder das Bier zum Essen.

Der Wind nimmt ab, jetzt nur noch 15 Knoten und wir wollen heute erstmals wieder den Code 0 setzen, unser altes Ersatzsegel.

Doch es passiert das Unglaubliche, das für uns Unfassbare: beim Ausrollen des Segels, ohne jeglichen Druck, reißt auch das 2. Spinnakerfall unvermittel ab und unser Segel landet im Atlantik!!

Wir können es nicht glauben, als wir mühevoll das Segel bergen und das abgerissene Ende des Spifalls entdecken! Das neue Fall haben wir sehr sehr selten benutzt, da wir unsere großen Segel immer auf der Backbordseite angeschlagen haben. Es hatte keinerlei Abrieb oder andere Abnutzung, es bleibt unerklärlich für uns.

 

das 2. gerissenes Spifall  :-(((

 

geborgener Code 0

 

Doch dieser Schock sitzt jetzt richtig tief: wir haben alle Leinen im und am Mast vor unserer Reise ausgetauscht. Jetzt fragen wir uns, wie gut die restlichen Leinen halten. Wir müssen ja noch ca. 1.700 Meilen segeln. Einziger Trost dieses Mal: das Segel ist nicht beschädigt. Dafür aber unser Vertrauen in das Tauwerk - wie ärgerlich ist das denn!! Wir hatten den Traum, tagsüber mit dem Code 0 über den Atlantik zu fliegen, nachts auf die Bremse, um dann nächsten Tag wieder "segeln zu gehen". Jetzt entschließen wir uns, vorerst nur noch auf Materialschonung zu gehen, dann brauchen wir eben zwei, dreiTage länger.

In Mindelo haben wir ein altes Genuafall alls Ersatzspifall für das bereits gebrochene Fall in den Mast eingezogen. Wir entschließen uns, es morgen wieder zu versuchen, unser altes Segel mit dem alten Fall hochzuziehen und zu segeln. Heute lohnt es sich nicht mehr, in einer Stunde wird es bereits dunkel.

So haben wir uns Weihnachten auf See nicht vorgestellt: bereits am Heilig Abend haben wir auf unseren Kartoffelsalat mit Würstchen verzichtet - wegen der Schaukelei. Heute bekommen wir als Geschenk das gerissene Fall, schöne Bescherung!

Dafür schmeckt heute Abend der Wein auch wieder und so verbringen wir bei flauem Wind und sternenklaren Himmel doch noch einen versöhnlichen Weihnachtsabend - mit Verspätung eben.

 

 

 

 

 

2. Weihnachtstag

Auch heute finden wir wieder tote fliegende Fische - die Opfer der Nacht - an Deck. Sie sind die einzig treuen Begleiter in den letzten Tagen, die in den hohen Wellen immer wieder ihre Flugkünste darbieten.

 

die Opfer werden exotischer

 

Wir haben sehr wenig Wind. Endlich eine bleibende Ruhe denken wir uns und genießen die Entspanntheit, auch wenn wir nicht richtig vorwärts kommen. Wir setzen wie geplant den Code 0 noch einmal und endlich klappt alles! Für den großen Spi ist der Wind nicht konstant genug. Der Spi würde sich regelmäßig um das Vorstag wickeln und irgendwann irgendwo hängen bleiben. Der Code 0 steht einfach besser. Wir bauen uns ein Notbimini, denn die Sonne fängt an, erbarmungslos zu brennen. Es ist kaum auszuhalten, da wir so gut wie keinen Windhauch zwecks Abkühlung spüren. Die Solarpaneele werden auf Deck ausgelegt um Strom zu gewinnen, es wird ein gemütlicher Faulenzertag. Entsprechend schaffen wir heute auch nur 99 Meilen in 24 Stunden, das ist unser bisheriger Minusrekord!

 

Notbimini

 

 

Die Nächte sind jetzt sehr dunkel, wir haben Neumond, d.h. der Mond ist quasi nicht vorhanden. Dafür aber das Sternenzelt über uns. Es ist immer wieder atemberaubend, die unendlich vielen Sterne und wenn dann noch Sternschnuppen vom Himmel fallen, ist die Stimmung perfekt.  Teilweise ist es so dunkel, dass wir das Vorsegel nicht mehr sehen können. Wir gewöhnen uns daran, ins Nichts zu segeln, ohne jegliche Umrisse sehen zu können, auch wenn es manchmal unheimlich ist.

 

Jetzt wollen wir es mit Angeln versuchen. Seit zwei Tagen haben wir eine Schleppangel hinter uns herziehen, allerdings ohne Erfolg. Aber nach altem norddeutschem Recht sind alle guten Dinge drei! Am dritten Tag unser erster Fang! Die Größe gerade richtig, ergibt es zwei Portionen, die auch sehr schmackhaft sind. Eine herrliche Abwechslung im Speiseplan! Doch so richtig kommt keine Freude auf. Wir sind es eher nicht gewohnt, selber die Tiere zu töten, die wir essen. Daher gibt es den Rest der Reise allenfalls noch Fisch aus der Dose, in Tomatensauce.

 

 

 

Seit Beginn unserer Reise haben wir kein Schiff gesehen. Manchmal gab es Meldungen über AIS, dass 30 - 60 Meilen entfernt irgendwelche Schiffe sind. Gesehen haben wir aber keines. Heute kreuzt ein 200 m langer Frachter unseren Weg. Ein netter Smalltalk über Funk, wer, wohin, wie lange etc. und ein gegenseitiges happy new year!! und schon trennen sich die Wege wieder voneinander. Überhaupt sind die letzten Tage nicht gerade geprägt von Abwechslung puncto Naturbegegnungen oder anderen Ereignissen, so dass die Freude umso größer ist, einen stinknormalen Frachter zu treffen! Wir sind doch nicht alleine!

Zwar kommen manchmal Delfine vorbei, die aber haben wohl keinerlei Interesse an uns. Das kennen wir auch anders, z.B. aus der Biskaja, wo die Delfine uns immer lange begleitet haben.

Und wie auf Bestellung erscheint dann ein großer Schatten hinter uns. Eine kleine Rückenflosse kommt aus dem Wasser, ein wenig Rücken und schon taucht der 8-9 m lange Wal unter unserem Boot hindurch. Dabei dreht er sich auf den Bauch, wir sehen nur noch eine weisse Fläche. Er scheint fast so verspielt zu sein, wie es sonst die Delfine sind. Doch dieses Mal ist es wohl kein Spiel. Der Wal wiederholt alle zwei bis drei Minuten dieses Manöver, kommt von schräg achtern auf unser Boot zu, beschleunigt an unserer Steuerbordseite entlang, dreht sich auf den Bauch und taucht unter unserem Boot durch, direkt vor dem Kiel. Es scheint. als wenn wir ihm bei der Jagd helfen. Nur wenige Male kommt er kurz aus dem Wasser, als wäre er kamerascheu. Über eine Stunde geht dieses Spektakel, dann dreht der Wal wieder ab. Welch ein Schauspiel!

 

8-9 m langer Wal

 

Heute ist Silvester! Leider nicht unter Sternenhimmel und 26 Grad, sondern bei Regenfronten mit Schauerböen, sogenannten Squalls, für die diese Passatroute berühmt berüchtigt sind und die von jeder Crew gefürchtet werden, zumindest nachts. Überfallartig kommt ein Winddreher und dann der Regen und sehr starker Wind. Innerhalb von Sekunden bläst es mit 30 Knoten, die Sicht meistens gleich Null. Manche duschen dabei, wir nicht, dafür sind wir aber barfuß im Ölzeug......

Um so mehr können wir es dann genießen. als pünktlich zu Mitternacht (wir haben fast freie Auswahl, wann Mitternacht ist: UTC, Kap Verdische Zeit oder berechnete Ortszeit.....) der Himmel aufreißt und wir wieder unsere Sterne bewundern können zum Anstoßen! Happy new year!!!!!

 

Heute ist Neujahr. Eine große Gruppe von Delfinen zieht an uns vorbei, wir sind begeistert. Über 20 Tiere direkt um einen herum ist schon nett anzusehen. Sie verlieren aber auch schnell ihr Interesse an uns und ziehen weiter. Schade, es wäre eine nette Abwechslung und vielleicht auch schöne Fotos dabei herausgekommen. Dafür kommt im neuen Jahr auch neuer Wind. Wir kommen endlich wieder voran, die Segel stehen gut, die Wellen haben sich beruhigt. Die Windrichtung ist konstant, Böen wechseln sich ab. Im Wellental 4,5 Knoten um dann mit über 11 Knoten die nächste Welle runter zu surfen. Segeln macht wieder Spass!! Wir haben das Boot auf Verschleissfreiheit eingestellt. Manchmal stehen dann die Segel nicht optimal, aber jede Berührung mit Saqlingen, Relingsdrähten und ähnlichem führt innerhalb von 24 Stunden bei Segeln und Leinen zu bleibenden Schäden. Daher tritt das Thema verschleißfreies Segeln mehr und mehr in den Vordergrund. Aus diesem Grund segeln wir nachts mit der Schwerwetterfock, da diese sehr weit offen gefahren werden kann, ohne am Relingsdraht zu schamfilen (zu scheuern), und Schaden zu nehmen.

Jetzt noch gut 600 Meilen bis zum Ziel. Konnten wir die letzten Tage direkt Kurs Martinique segeln, so müssen wir heute vor dem Wind kreuzen, d.h. im 90 Grad Winkel segeln wir abwechselnd auf dem Steuerbordbug und dem Backbordbug unserem Ziel entgegen.Wir fangen an, nach Winddrehern laut Gripfiles unsere Q-Wenden zu berechnen, um immer im optimalem Winkel unseren Kurs zu finden. Gleizeitig nimmt der Wind wieder zu, 34 Knoten und 4 m Welle sind angesagt.

Da wir jetzt immer weiter in Küstennähe kommen, steigt wieder unsere Bereitschaft, das Material mehr zu belasten. Im ersten Reff und Genua rauschen wir mit zunehmender Geschwindigkeit mal Richtung Trinidad, mal Richtung Bahamas. Das ist wieder Segeln, wie es Spass macht. Welle rauf und runter mit bis zu 15,2 Knoten. Sogar nachts kommen wir im 2. Reff und der kleinen Fock auf über 9 Knoten im Surf. Endlich!! Zwischendurch macht der Wind immer mal wieder eine Pause, so dass immer wieder Ruhe einkehrt, um dann im nächsten Moment wieder in eine Rauschefahrt zu kommen.

Wir haben uns dieses Mal fest vorgenommen, im Hellen anzukommen, am liebsten vormittags. Wenn wir Gas geben, schaffen wir es, bevor der Wind in den nächsten Tagen wieder abflaut. Ansporn, Anspannung und Freude gleichzeitig. Wir verbringen zum Abschluß unseres Törns die schönsten drei Segeltage, nun voller Optimismus, dass das Material hält und wir es uns verdient haben, wieder etwas auf das Gas treten zu dürfen.

Wir werden von zwei springenden Delfinen (in der Ferne) begrüßt und auch der riesige dunkle Schatten hinter unserem Boot, der nicht zwischendurch hochkommt zum atmen, scheint uns wohl begrüßen zu wollen. Vielleicht ist es auch eine Einladung zum Fressen, es scheint sich um einen großen Hai zu handeln....

 

Landfall. Wir nähern uns der Bucht, wo wir hinwollen. Von weitem schon sehen wir hunderte von Masten - oh Schreck!! Gut, dass es nicht unsere Bucht mit Hafen ist, wir müssen noch fünf Meilen weiter. Wir segeln langsam unter Groß, denn der Wassermacher muß noch arbeiten und wir wollen die Landnäherung langsam genießen. Doch der nächste Schreck läßt nicht auf sich warten: wieder hunderte von Masten!! Das es hier voll ist, wußten wir schon, aber so voll haben wir es uns nicht vorgestellt. Mit Mühe finden wir einen Ankerplatz im engen Ankerfeld und kommen erst einmal an. Wir sind sehr angespannt, so groß ist unsere Aufregung.

Der Anker fällt und es dauert einige Versuche, ihn in lehmigen Grund zum Halten zu bringen. Aber dann ist es soweit. Nach 2.200 Meilen, Winden zwischen 9 und 35 Knoten, Wellen bis zu 5 Meter hoch und gut 16 Tagen sind wir am Ziel. Diese Ruhe nun ist befremdlich. Wir müssen so viel verarbeiten. Uns fehlen erst einmal die Worte. Die meistgestellte Frage hier unter den Ankommenden lautet: würdest Du es wieder tun? Wir hören sehr oft" nie wieder!"! Für uns steht aber fest:wann soll es denn losgehen, wir sind dabei!

Fotos folgen, brauchen ein besseres Internet....:-)

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Wir sind jetzt seit 6 Tagen hier. Seit dem weht es hier immer wieder ordentlich und es kommen stürmische Böen die Hänge hinunter. Der ganze Hafen steht fast Kopf, geplatzte Fender, gerissene Leinen und gerissene Ruckdämpfer und völlig entnervte Leute prägen das Bild hier in den letzten Tagen.

Die Marina ist zwar sehr gut organisiert mit Wachdienst 24 h, einer guten kleinen Bar, Wäscheservice etc., aber das entschädigt nicht diesen ständigen Schwell im Hafen. Gestern ist auch uns ein Ruckdämpfer gerissen und einer Nachbaryacht sind zwei Festmacher gebrochen. Um unseren Autopiloten wieder zu reparieren und um ein neues Spifall in den Mast einzuziehen, mußte ich gestern in den Mast. Es war sehr schaukelig da oben und nicht wirklich entspannt. Heute muß ich noch einmal hoch, die Kabelsteckverbindung zur Windanlage auseinandernehmen und mit Kontaktspray bearbeiten. im Stecker muß es einen Kurzschluß gegeben haben, der zum Schluß das gesamte System lahmgelegt hat. Soweit haben wir den Fehler schon gefunden und auf jeden Fall funktioniert jetzt erstmal der Autopilot zumindest im Kompassmodus.

Sehr argerlich für uns ist auch, daß das Internet hier nur sehr selten funktioniert und nicht zuverlässig ist, geschriebene Berichte sind auf einmal vor dem Abspeichern weg, Fotos werden nicht hochgeladen, bzw. nur mit viel Glück. Daher wurde der letzte Bericht immer kürzer, es hat einfach keinen Spaß mehr gemacht, fünfmal den Bericht fast fertig zu haben, um jedes Mal festzustellen, daß mittlerweile die Internetverbindung nicht mehr besteht und alles Geschrieben weg ist.

Das Wetter ist sehr stürmisch, mit kleinen Regenschauern zwischendurch. Nicht unbedingt so, wie wir es hier erwartet haben. Dazu die kalte Dusche. Eigentlich wollen wir hier schon weg sein, aber das Wetter hat es bisher nicht zugelassen. Morgen, Mittwoch, soll es endlich losgehen. Damit werden wir Weihnachten und Silvester auf dem Atlantik verbringen. Wir sind froh, hier wegzukommen. Auf den Strassen herrscht ein buntes Treiben, welches extrem unterschiedlich ist. Beim Einkaufen im Fisch- oder Gemüsemarkt und auf der Strasse sind die Menschen hier total nett und freundlich. Nur eine wenige sind sehr aufdringlich mit ihrer Bettelei oder dem Anbieten allermöglichen Dienste. Abends wird es dann anders. Angetrunkene Rastas (welch ein Widerspruch in sich: ein Rasta batrunken!) belagern einen, durchbrechen alle Zurückhaltung, wollen einen in den Arm nehmen oder erzählen wirres Zeug. Sie sind sehr penetrant und nervig.

Bei Gelegenheit werden wir die Bilder Mindelos einstellen, jetzt ist die Internetverbindung zu langsam. Dafüt haben wir es geschafft, heute die Bilder unserer Überfahrt heirher einzustellen. Es dauert hier eben alles etwas länger.

Gemäß Karte müssen wir 1.000 nm Richtung Karibik segeln, um erstmals die 25 Grad Marke der Wassertemperatur zu erreichen. Spätestens dann sollte es mit der Kälte vorbei sein und die Fleecejacke kann verstaut werden, so hoffen wir! Wir werden uns nicht zu sehr beeilen, sondern möchten die Überfahrt genießen. Insbesondere nachts werden wir gemächlich unterwegs sein. Wir rechnen mit gut 2.000 Meilen Segelstrecke und ca 12 bis 15 Tagen Reisezeit. Die Wetterprognose sieht gut aus, ein stetiger Passat mit 18 bis 25 Knoten Wind ist vorhergesagt.

Wir wünschen all unseren Freunden und Familien ein schönes Weihnachtsfest und einen g Allerdings auch ein paar Regenschauer.uten Rutsch in das neue Jahr! Wir melden uns wieder von irgendeiner Karibikinsel, wahrscheinlich Martinique.

 

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Es ist soweit, unser längster Reiseabschnitt zum wahrscheinlich südlichsten Punkt unserer Route beginnt. Wir befinden uns in einem Schwachwindgürtle, den wir erst durchqueren müssen, um verlässliche Nordostwinde zu bekommen, die ersten Vorläufer des Passatwindes.

Wir genießen die ersten drei Tage Schwachwindsegeln, kommen in eine gute erholsame Bordroutine und freuen uns von Stunde zu Stunde mehr, wieder unterwegs zu sein. Egal, dass es nur langsam vorwärts geht.

Erst heute, am vierten Tag erreichen wir zum ersten Mal die 8 Knoten Marke. Bis jetzt hatten wir ausschließlich Geschwindigkeiten zwischen zwei und sechs Knoten, und die auch nur sehr sehr selten.

 

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Heute haben wir alles: guten Wind um 20 Knoten und Schwachwind bis sechs Knoten. Die Verlässlichkeit lässt noch auf sich warten. Gerade in dem Moment, wo die Routine überhand nimmt, taucht neben uns ein ca. 7 Meter langer Wal auf, taucht unter unserem Boot durch, spielt mit der Bugwelle und scheint uns neugierig zu beäugen. So, wie wir es von Delfinen kennen. Das ist das Highlight des Tages! Das ist einer dieser magischen Momente, die wohl unvergesslich sein werden.

 

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Nachdem wir gestern am vierten Tag noch abwechselnde Windstärken hatten, haben sich heute die lang ersehnten gleichmäßigen Passatwinde eingestellt. Wir haben 16 bis 20 Knoten Wind, es ist das Paradewetter für unseren Code Zero!! Endlich, wie lange haben wir darauf gewartet!! Wir binden das zweite Reff ein, bringen den Segeldruckpunkt des Bootes nach vorne und ab geht die Post! Das Boot kommt langsam mit dem Bug aus dem Wasser und fährt wie auf Schienen zwischen acht und elf Knoten. Das ist das schönste Segeln, das es gibt. Noch dazu wie heute bei T Shirt Wetter und blauem Himmel. Wir fliegen nur so dahin. Unglaublich schöm, so schön, dass wir uns entscheiden, den Code Zero auch noch heute Nacht zu segeln. Wir haben fast Vollmond und es ist so traumhaft durch diese Nacht zu segeln, dass es einem den Atem verschlägt und es einen völlig in seinen Bann zieht. Das sind die magischen Momente, für die wir hier sind, die wir immer wieder suchen und finden. Unvergessliche Momente.

Dann passiert das, was passieren kann. Der Autopilot fällt aus, das Boot luvt unaufhaltsam an. Es geht unglaublich schnell. Das große Vorwindsegrl fängt an zu schlagen. Beim zweiten Schlag gibt es einen Knall, dann ist Ruhe. Langsam fällt der große Code Zero neben uns in den Atlantik und treibt neben unserem Boot, Wir sammeln uns und ziehen das nasse Segel mühevoll an Bord und staunen nicht schlecht, als wir das abgerissene Spifall sehen. Es ist ein Dyneemafall, stark wie ein Drahtseil - und es ist einfach an der Umlenkung im Masttop gerissen! Das darf nicht sein, nutzt uns jetzt aber recht wenig. Frustriert segeln wir mit unserer Genua weiter. Sechs anstatt zehn Knoten. Frust kommt auf, denn bei dieser Aktion wurde unser Lieblingssegel beschädigt und ist mit Bordmitteln nicht mehr zu reparieren.

Wir versuchen, uns mit der Situation abzufinden und wieder in unsere Bordroutine zurückzukehren.

 Jetzt sind auch wieder Delfine da und in der Ferne entdecken wir auch Blasfontänen von Walen. Das Leben auf dem Meer kehrt wieder zurück. Fliegende Fische ohne Ende begleiten uns zunehmend. Akrobatische Flugkünste werden uns geboten. Mehrere hundert Meter mit Zwischenlandung sind keine Seltenheit.

Der erste fliegende Fisch landet dann auch bei uns an Bord, leider hat er die Landung nicht überlebt. Überhaupt sind die fliegenden Fische die einzigen, die uns jetzt regelmäßig begleiten. Es werden immer mehr.

Heute reden wir nicht zuviel, die Trauer um das Segel ist noch zu groß. Der Tag vergeht und wir datteln langsam über den Atlantik. Mittlerweile ist es wieder Nacht und wir werden immer mehr bedrängt von den fliegenden Fischen um uns herum.

Einer trifft genau die Seereling und verabschiedet sich mit einem lautem Knall wieder in den Fluten. Kurze Zeit später fliegt mir einer ganz knapp am Kopf vorbei, den ich gerade noch wegziehen kann. Langsam wird es nervig. Und so ist es dann auch nicht verwunderlich, dass wir jetzt, am Tagesanfsang auch ein relativ großes Exemplar in unserer Plicht finden, der auch nicht überlebt hat. Überall an Bord finden sich kleine Blutspuren und Schuppen als Zeugen der nächtlichen Unfälle bei uns an Bord. Die Opfer werden dokumentiert, soweit sie noch vorhanden sind und wieder dem Meer übergeben.

Heute ist der sechste Tag. Noch 100 nm. Der Wind kommt mittlerweile immer achterlicher, so dass wir das Großsegel geborgen haben und nur unter Genua gemütlich unserem Ziel entgegen segeln. Wie heisst es so schön: man kann mit einem schnellen Boot langsam segeln, aber versuche doch einmal, mit einem langsamen Boot, schnell zu segeln........:-)

 

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Die fliegenden Fische ziehen sich langsam wieder zurück, dafür werden wir jetz gerade von einem 5 bis 6 Meter großem Hai verfolgt, oben grau und unten sehr hell. Nur die Flosse ist zu sehen und die Konturen im Wasser. Bis auf zehn Meter kommt er näher, verliert aber nach einiger Zeit das Interesse an uns. Wir denken beide, bloß nicht ins Wasser fallen! Hier sind nicht nur Flipper und Co, sondern auch viele Räuber unterwegs! Nur noch 30 Meilen. Noch in der Dämmerung sehen wir die ersten Konturen Sao Vincentes, das heutige Ziel. Hierg ibt es die einzige Marina auf diesen Inseln, hier ist der Treffpunkt der Transatlantiksegler.

Der Wind nimmt noch etwas zu und wir sind froh, heute Nacht anzukommen, denn ab Morgen soll es hier mit 30 bis 40 Knoten Wind wehen.

 

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Langsam tasten wir uns in die Bucht herein, von der wir wissen, dass es hier nicht ungefährlich ist im Dunkeln, da es hier unbeleuchtete Wracks unmittelbar in der Nähe des Ankergebietes gibt. Dazu noch die vielen Ankerlieger, mal beleuchtet, mal nicht. Um 4.30 Uhr lassen wir unseren Anker fallen und können es kaum glauben, angekommen zu sein. Noch kann man nur erahnen, wie es hier aussieht, wir sind total gespannt, was uns morgen früh erwarten wird - ein kleines Stück Afrika?

 

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Heute, Dienstag, den 06.12.2016 geht es los: wir werden heute vormittag das Boot klarieren, tanken und dann soll es losgehen: wir segeln zu den Kap Verden! Der Wetterbericht sagt, dass wir zuerst durch eine Schwachwindzone müssen, wenn wir Pech haben dauert dieses 24 Stunden. Doch dieser Schwachwindbereich wird auch die nächsten Tage bestehen bleiben, also müssen wir da durch, so oder so.  Dann soll sich langsam passatähnliches Wetter einstellen, d.h. Winde zwischen 15 und 25 Knoten aus nordöstlicher Richtung. Da wir einen Kurs von 210 Grad segeln müssen, also einen südsüdwest Kurs. Wenn wir Pech haben, kommt der Wind genau von achtern, aber mit einem bißchen Glück bekommen wir einen östlicheren Wind, dann wird es eine schnelle Reise.

Wir rechnen insgesamt mit einer Dauer von 6 bis 10 Tagen zu den Kap Verden, je nachdem, wie oft zwischendurch der Wind einschläft. Per AIS werden wir wohl nicht die ganze Zeit sichtbar sein, das liegt daran, das nicht genügend Schiffsverkehr sein wird, um unsere AIS Medlungen per Relais weiterleiten zu können. Daher ist es möglich, dass wir für ein paar Tage vom Bildschirm verschwinden! Wir sind dann nicht untergegangen. Zum Trost: durchschnittlich müßte es bei uns auf der Reise jeden Tag ein Grad wärmer werden. Die alte Regel für die Passatfahrer heißt daher: steuer so lange Südkurs, bis die Butter schmilzt, dann ist man im Passat und kann Richtung Karibik steuern. Nimmt man direkt Kurs von den Kanaren aus, ist es sehr gut möglich, dass es einen in ein gr0ßes Flautenloch treibt, dass ständig vertreten ist auf dem Atlantik. Daher liegen die Kap Verden sowoeso auf dem optimalem Kurs. Schade für Kerstin, sie isst Butter auf dem Brot - ich Margarine....:-))

 

Unsere Abfahrt verzögert sich leider um einen Tag: wir haben übersehen, dass heute am Nikolaus Feiertag in Spanien ist. Kein Diesel, keine Abrechnung. Da wir sehr entspannt sind und die Wetterlage stabil ist, verschieben wir unsere Abreise auf Mittwoch, den 07.12.. Bloß kein Stress.

Wir wünschen unseren Familien und Freunden eine schöne Vorweihnachtszeit bei Lebkuchen und Dominosteinen! Bis bald, Eure Foxy Lady Crew.

 

 

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 29.11.2016, 7:30 Uhr, 20 Grad, fast windstill.

Heute geht es nach La Palma, unserer letzten Station auf den Kanaren, bevor wir den Absprung von Europa machen werden.

Das Wetter ist heute durchwachsen. Die Winde sollen sich abwechseln, jedoch haben wir eine reelle Chance, fast die ganze Strecke segeln zu können, gemäß Vorhersage. 

Heute Morgen ist noch Flaute, was unserem Ablegemanöver zu Gute kommt, denn hier im Hafen ist wenig Platz. Wir haben in den letzten Tagen so einiges hier erlebt: Chartercrews ohne einen Peil vom "Wie geht das überhaupt?" krachen hier regelmäßig in die anderen Boote rein, kommen in Panik und machen dann noch mehr Schäden. Unserem Stegnachbarn wurde bereits der Außenborder von der Reling gefahren, wir haben achtern Fender ausgebracht - für den Fall, daß...

Wo haben  bloß einige Charterleute das Selbstbewußtsein her, sich eine 40 Fuß Yacht zu chartern, ohne jegliche Erfahrung oder Übersicht. Manchmal wäre ein Anfang mit einem 8 Meterboot doch besser zum Üben, das kann man noch mit einer Hand abhalten.

Wir sind aber schadensfrei aus diesem Hafen gekommen, setzen das Gr0ßsegel und motoren gemütlich die Küste Gomeras entlang. Der Wind baut sich langsam auf und nach drei Stunden können wir segeln. Noch 2,5 Stunden weiter, binden wir sogar das erste Reff in das Großsegel und wechseln auf die Fock. Die Sonne jetzt immer wieder im Gesicht zwischen den Wolken ist es ein schönes Segeln mit genug Druck im Boot, das das Boot läuft. 

Am späten Nachmittag verläßt uns dann der Wind, bzw. dreht mit 6 Knoten Stärke genau gegen uns. Da lohnt sich das Kreuzen nicht wirklich...also Motor und Wassermacher an und los. Nicht nur, dass uns noch eine alte Welle entgegensteht, die bremst, nein, wir haben auch noch einen halben Knoten Strom gegen uns. Geduldsprobe. aber das kennen wir ja schon hier auf den Kanaren, das sich das Wetter kurzfristig ändern kann.

Das größte Erlebnis heute ist dann ein richtig dicker Regenguss, der das ganze Boot innerhalb von 10 Minuten entsalzen hat. Es kommt soviel Wasser runter, dass kleine Bäche immer wieder über das Deck laufen, oder zwischendurch kommt ein dicker Schwall aus den Segeln. Sicht natürlich gleich Null. Da hier aber der Boots- und Schiffsverkehr auch fast gleich null ist, können wir uns beruhigt in den Salon zurückziehen und warten das Wetter ab.

Alles in allem ist es heute kein besonderer Tag zum Segeln, keine Wale oder Delfine oder andere Erlebnisse. Das muß auch mal sein.

Mittlerweile ist es 23.00 Uhr und wir tasten uns gaaaanz langsam in den stockfinsteren Hafen. Im Handbuch steht schon, dass die Einfahrt sehr eng ist und aufmerksames Fahren notwendig ist. Machen wir. Nur, wir sehen fast gar nichts, nur Schatten. Wir schaffen es aber, gewinnen in der Marina dann wieder ein wenig Orientierung und finden einen schönen Liegeplatz. BB. Bier und Bett. Wir sind müde.

Ausgeschlafen starten wir den nächsten Tag. Heute treffen wir Kerstins Eltern hier, die mit Freunden Ihren Urlaub hier verbringen.

Die Wiedersehensfreude ist natürlich groß, das letzte Mal haben wir uns in Horumersiel am Steg gesehen, bei unserem Start vor knapp vier Monaten.

Inselrundfahrt mit Gipfelsturm auf 2.500 Meter, Grillabend und eine schöne gemeinsame Zeit haben wir in diesen Tagen. Wir genießen die Abwechslung und fröhliche Beisammensein.

 

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Wolkenspiel von oben

 

Observatorium hoch oben

 

über den Wolken - 4 Grad

 

Herbstliche Stimmung

 

Traumhaus mit Meerblick

 

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Sogar die Vermieter der Finca kommen uns auf unserem Boot besuchen, so groß ist das Interesse an unserem Projekt und gleichzeitig der familiäre Anschluß, der im Vordergrund steht. Wir genießen das Interesse und die Unterstützung und lernen wieder einmal während unseres gesamten Inselaufenthaltes interessante und liebe Menschen kennen, es macht einfach Freude.

 

rechter Winkel?

 

Santa Cruz

 

In Santa Cruz treffen wir dann auch zu unserer großen Freude zum wiederholten Male noch Sophie, Daphne und Claas, die mit der wunderschönen Yacht Hera unterwegs sind, einem alten Abeking und Rasmussen Bau. Claas kommt auch gebürtig aus Oldenburg, unsere Väter waren lange Stegnachbarn, und wir Söhne sind jetzt auf der gleichen Route unterwegs.

 

2. Advent

 

Weihnachtsstimmung

 

So vergehen die Tage hier auf der Insel wie im Fluge und jetzt sind wir am Einkaufen,  Packen und Stauen. Routinekontrollen im Mast stehen genau so auf der Liste wie Wäschewaschen, Friseurtermin und und und.

Morgen soll es losgehen zu den Kap Verden. Seglerfreunde, die wir hier kennengelernt haben, sind gestern schon gestartet, sie haben einen Termin und mußten früher los. Wir wünschen eine gute Reise! Hoffentlich treffen wir die Beiden wieder, wir hatten immer viel Spaß.

Unsere Seglerfreunde aus Holland, mit denen wir so viel gemeinsam unternommen haben, mußten leider einen Heimatbesuch einlegen, so dass wir leider nicht gemeinsam zu den Kap Verden segeln können, wie geplant war. Hoffentlich sehen wir die Beiden bald wieder, spätestens auf St. Marteen, wo wir beide unsere Töchter im März treffen werden. Dann wollen wir gemeinsam feiern - spätestens!

 

 erster Verschleiß....

 

Mastkontrolle

 

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Marina Tazacorte

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Es gibt ja immer wieder Dinge im Leben, die einen in Staunen versetzen. Trotz akribischer Vorbereitung auf unsere Reise habe ich einen Fehler in der Mengenberechnung für mein kurzfristiges Insullin gemacht, den ich erst jetzt bei einer Inventur festgestellt habe. Die letzte Inventur vor dem Verlassen Europas.

Wir sind also los in die nächste Apotheke von Tazacorte, einem kleinen Ort auf La Palma, haben die Verpackung von Humalog, dem kurzfristigem Insullin vorgezeigt. Der Apotheker schaut mich wie selbstverständlich an und beantwortet meine Frage, ob ich das hier kaufen könnte mit einem langen "Si", dreht sich um und kommt mit einer Verpackung wieder, die ich nicht kenne, aber eindeutig ist dort Humalog enthalten. Nicht wie in Deutschland, wo das Insullin erst bestellt werden muß, da die Apotheker alle Angst haben, sich ein Lager aufzubauen, da es ja Zinsen kosten könnte.....Nein, hier in einer kleinen Apotheke in einem kleinen spanischem Ort, hat der Apotheker einen Vorrat von diesem Insullin bei sich im Kühlschrank! Zwar gibt es hier das Insullin nur in aufwändigen Einmalpens, aber es ist das gleiche System wie ich es bereits kenne. Also haben wir unseren Vorrat mit 10 Pens, also 3.000 Einheiten,  aufgestockt und sind jetzt gut ausgerüstet für unsere weitere Fahrt. So unkompliziert haben wir uns das nicht vorgestellt, haben aber bereits in La Coruna erste Bekanntschaft mit dem spanischem Gesundheitswesen gemacht und waren genau so verblüfft, wie heute: einfach und unkompliziert! Irgendetwas machen wir in Deutschland falsch mit unserem Gesundheitswesen.

 

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Santa Cruz ist eine moderne Hafenstadt, mit guter Versorgung und die Marina liegt im Herzen der Stadt. Uns zieht es aber nach La Gomera, wir haben schon so viel davon gehört und sind total gespannt, ob uns die Insel auch so gut gefällt, wie es uns viele Leute prophezeit haben. Die Strecke berträgt 70 nm, die Chance, im Hellen anzukommen ist relativ gering, es sei denn, wir bekommen noch guten Wind.

 

Hafenausfahrt Teneriffa

 

Auditorium Santa Cruz

Vielversprechend geht es los, natürlich wieder mit dem Code 0 und dem Großsegel. So schaffen wir es locker, im Hellen anzukommen, denken wir uns. Der Wind legt noch einen nach und von den hohen Hängen Teneriffas kommen die Böen nur so runtergerauscht. Es wird Zeit, die Segelgarderobe anzupassen. Zuerst wird der Code 0 mit der Genua getauscht. Der Wind nimmt aber weiterhin zu, so dass es jetzt Zeit ist, das Großsegel zu verkleinern. Zudem müssen wir eine Halse fahren, da uns der Wind immer mehr in Richtung Küste Teneriffas drückt. Also folgenden Plan: an den Wind gehen und das 2.Reff in das Großsegel binden, eine Q Wende fahren, abfallen. So der Plan. Fast Standard. Gesagt und getan. Das Reff ist drin, wir können weitersegeln, doch - wo ist nun der Wind geblieben? Klar, wir sind in die Abdeckung der Insel gekommen, also Motor an und im 90 Gradwinkel weg von der Küste, man erkennt dort hinten ja schon den Wind auf dem Wasser an den gekräuselten dunklen Flächen auf der Wasseroberfläche.

 

Von da kommt der Wind herunter

 

Und schon haben wir wieder unseren Wind......der auch hier gerade verschwindet. Es hat doch bis vor 5 Minuten hier noch mit 25 Knoten geblasen. Wir verstehen es nicht, fahren stur mit dem 2.Reff im Segel und unter Maschine weiter. Am Südkap Teneriffas, in knapp 8 nm,  wird es schon wieder Wind geben.

Wir runden das Kap.

Anstelle von heftigen Windböen sorgt aber etwas anderes für die Unruhe im Wasser direkt voraus. Das Wasser ist aufgepeitscht, als wenn ein Wasserkessel kocht. Überall brodelt es. Dann sehen wir es: eine große Gruppe Delfine jagt eine große Gruppe Thunfische, die wie wild aus dem Wasser springen, um ihren Jägern zu entkommen. Auch Delfine sehen wir springen, eine irre Jagd hat begonnrn. Mitten drin so ein Hochseeangelboot, das wie blöd hin und herfährt, um auch seinen Anteil an der Beute zu erhaschen. Sonst wäre es ein reines Naturschauspiel erster Güte geworden, so wird es zur reinen Hetzjagd, bei der wohl doch die Delfine am besten abschneiden. Sehr, sehr beindruckend. Wir empfinden es immer wieder als Geschenk, wenn wir so nah am Geschehen sind.

Wir fahren weiter und warten auf den Wind, der nun ganz einschläft. Das Segel fängt an zu schlagen, daher bergen wir es. Die Wellen sind hier chaotisch und passen so gar nicht zu der Flaute.

Kurze Zeit später wissen wir warum. Von einem Meter auf den anderen kommen wir in eine riesige Winddüse rein, die sich zwischen Teneriffa und Gomera gerne aufbaut. Normalen Wind plus maximal 10 Knoten steht im Handbuch für dieses Gebiet. Null plus zehn kann höchstens zehn sein. Wir haben aber jetzt schon 25 Knoten Wind, Tendenz steigend. Bei diesem chaotischem Wellengang wollen wir das Großsegel auch nicht wieder hochziehen, so lassen wir uns durch unser Vorsegel Richtung Gomera tragen, sind auch nur noch 20 nm. Wir segeln auf der Windkante, so dass wir gut die Böen, die uns mit bis zu 35 Knoten jetzt um die Ohren fliegen, durch anluven entschärfen können, da wir somit den Druck aus dem Segel nehmen können, bis die Bö vorbei ist. Anstrengend, macht aber Spaß. Auch hier zeigt sich wieder, wie klasse die neue Ruderanlage arbeitet, wir haben Foxy Lady jederzeit gut im Griff und schiessen nie in den Wind, da unsere Ruder durch ihr neues Profil immer ihre Anströmung behalten und arbeiten können.

Abends um 23.00 Uhr kommen wir dann im Hafen an, und das erste, was uns schon von See aus aufgefallen ist: hier gibt es kein Lichtermeer über der Insel, nur wenige Strassen sind beleuchtet, die Insel strahlt eine gewisse Ruhe aus, jetzt schon.

 

Nachdem wir uns ausgeschlafen haben, erkunden wir San Sebastian, reservieren für Morgen ein Mietauto und genießen den ersten Flair der Insel.

 

Good bye Johnny....

 

 

Marina san Sebastian

 

San Sebastian

 

Jetzt ist es soweit: unsere kleine verbeulte Knutschkugel, ein Nissan Micra, steht dort und wartet auf uns, um die Insel zu erkunden.

 

Knutschkugel

 

In den nächsten Stunden kommen wir aus dem Staunen nicht wieder heraus. Gomera ist eine Aneinanderreihung von großen Schluchten, es gibt überall schöne Kurven und enge Serpentinen, wenige Tunnel oder Brücken. Die Straßen sind in einem guten Zustand, und es wundert uns, dass wir hier keine Motorräder sehen. Das ist die Bikerinsel schlechthin!! Auf der anderen Seite, wäre es dann wahrscheinlich vorbei mit der Ruhe, die wir hier überall auf der Insel vorfinden. Die Insel ist durchzogen mit offensichtlich gut angelegten Wanderwegen, überall treffen wir Wanderer, mal professionelle, mal solche mit Turnschuhen.

 

 

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da steckt viel Arbeit drin - wunderschön

 

mit viel Liebe und Arbeit

 

 

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Die grüne Seite...

 

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Die Baumkronen schließen sich über uns

 

 

Märchenwald

 

Die Insel verzaubert uns mit seinen vielen verschiedenen Gesichtern. Mal schroff und trocken, mal moosbewachsene Bäume in fast Regenwäldern, meistens aber finden wir eine üppige, sehr grüne Vegetation. Überall sind liebevoll Gärten in Terrassenform angelegt, alles ist gepflegt und es steckt eine Menge Liebe zum Detail an vielen Häusern und Grundstücken. Die Insel strahlt eine sehr zufriedene Grundstimmung aus. Kein Müll, keine Hotelburgen, keine Baubrachen. Es scheint eine Insel der Harmonie zu sein. Vielleicht gibt es eine Ausnahme, die wir gefunden haben: Valle Gran Rey, der Ursprung einer Hippiekultur, die sich hier auf der Insel seit den 70ern etabliert hat. Ein Dorf, heute fest in deutscher Hand, es erinnert fast schon an ein kleines edles El Arenal auf Mallorca. Hier gibt es den typischen Urlaubscharakter, den man überall in den spanischen Touristenorten am Mittelmeer findet. Na ja. Dafür ist der Rest der Insel umso schöner und nicht verbaut mit leerstehenden Ferienwohnungen.  Es wird bestimmt nicht das letzte Mal sein, dass wir diese Insel besuchen. Unsere Isla bonita.

 

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Valle Gran Rey

 

früher Hippies - heute TUI

 

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 Dimensionen

 

Überlebenskampf

 

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Wolkenspiel über Gomera

 

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Fernweh

 

Auf Wiedersehen Isla Bonita!

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Lanzarote, Marina Rubicon. Samstag, den 19.11.2016. Wind genau von achtern.

Wir verzichten erfahrungsgemäß gleich auf das Großsegel und rollen den Code 0 aus. Für den fast doppelt so großen Spinacker ist der Wind leider nicht konstant genug. Der Spi würde sich nur immer wieder um das Vorstag wickeln, wenn er mangels Wind einfällt und das ganze Boot in blaues Tuch verwandelt, bis er irgendwo hängen bleibt und einreißt. Der Code 0 steht einfach besser und zieht noch genug. Lanzarote war sehr schön, aber wir wollen auch gerne weiter, es warten ja noch ein paar kanarische Inseln auf uns.

90 Minuten lang ist uns der Segelspass vergönnt, dann schläft wieder einmal der Wind ein. Motor und Wassermacher werden gestartet, somit können wir die Motorstunden gut nutzen, da der Tank leer ist und wir schon Chlorwasser auffüllen mußten. Wir lassen das Chlorwasser der Marina aus dem Tank und füllen diesen wieder mit dem bestem Wasser auf, dass wir je getrunken haben. Wasser von Wassermachern ist frei von allem, was wir so kennen, insbesondere ist kein Kalk darin oder andere Schwebstoffe, der Tee aus diesem Wasser schmeckt hervorragend, das pure Wasser am besten mit Lemone. Wobei gesagt werden muß, dass unser Wasser absolut geschmacksneutral ist, aber was sofort auffällt ist, wie weich das Wasser ist.

Alle Systeme laufen, und zur Belohnung kommt der Wind wieder. Wir haben den Propeller unseres Wassergenerators nach Rücksprache mit den Herstellern auf eine geringere Fahrtgeschwindigkeit durch Veränderung der Propellersteigung eingestellt und dieser übernimmt nun die komplette Stromversorgung bereits ab 5 Knoten Geschwindigkeit.

Wir fahren heute in die Nacht herein und wollen morgen mittag zum Start der ARC ankommen, eine Regatta von Las Palmas nach St. Lucia, Karibik, an der über 200 Boote teilnehmen wollen. 

Heute haben wir eine dieser lauwarmen Nächet mit trockener Luft, der Mond wird  erst ein paar Stunden später erscheinen, bis dahin bleibt es stockdunkel, Zeit Sterne zu gucken. So viele Sterne und hier zwischen den Inseln ist die Umgebung auch so dunkel, dass man förmlich im Sternenhimmel versinken kann, wenn man sich mit dem Rücken auf das Deck legt und seinen Augen freien Lauf lässt.

Zwischen 22.00 und 5.00 in der Frühe müssen wir dann wieder motoren, bis wir wieder segeln können. Allerdings bleiben die Winde hinter unseren Erwartungen, wir werden langsamer und langsamer, nur noch 4 Knoten jetzt noch. Das ist ok, aber wir wollen doch wenigstens noch den Start der ARC sehen, also durchbrechen wir unseren Grundsatz und starten trotz segelbarer Winde zur Unterstützung den Motor, um wenigstens bis auf drei Meilen an das startende Feld heran zu kommen. Es ergibt auch ein schönes Bild, als das Feld von Spinackern sich dann langsam von uns entfernt, in Richtung Karibik. Segelt schon mal vor, wir kommen später nach!

 

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ARC 2016

 

Jetzt, wo über 200 Boote den Hafen verlassen haben, müßten wir ja locker einen Platz finden, so unsere naive Überlegung. Wir bergen die Segel und sehen schon in der Hafeneinfahrt unsere holländischen Freunde von der Gwelan, die direkt vor der Marina ankern. Und nicht nur Gwelan ankert dort, sondern noch gefühlte 50 weitere Boote, die alle viel zu dicht beieinander liegen, so ca 20 bis 30 Meter jeweils voneinander entfernt, bei 10 Meter Ankertiefe - sollten dann nicht alle Boote mindestens 50 Meter Ankerkette haben? Hoffentlich kommt kein Wind in dieses Ankerfeld, dann wird es bestimt schnell chaotisch, wenn die ersten Yachten durch das Feld slippen..... Zusätzlich ist da noch dieser Industriehafen, in dem die Marina sich befindet. Nicht schön.

 

Hafen Las Palmas

 

Kerstin und ich brauchen auch nur einen Blickaustausch: hier bleiben wir nicht! Zumal gerade Wind aufkommt! Bloß wohin so schnell? Kerstin studiert die Karten und Handbücher. Ich schiele schon zum Wind....., kurve durch den Hafen und bereite die Segel zum Setzen vor.

Dann steht unser neues Ziel fest: Teneriffa, eine Insel weiter. Wir bleiben nicht auf Gran Canaria.

Wir kreuzen aus dem Hafen Richtung nördliches Kap der Insel. Das sind 4 nm, die wir uns erst erarbeiten müssen. Diese Arbeit macht aber Spaß, richtig Spaß! Wir haben einen satten Wind und umkreuzen das Kap, können dann etwas abfallen und mit einem schönen Am Wind Kurs die 50 nm bis nach Teneriffa nahezu fliegen im Vergleich zum 4 Knotenschaukeln vor dem Wind, wie schon den ganzen Tag geschehen. Immer wieder steht eine Acht auf der Logge, niemals unter sechs Knoten und wir rauschen durch die Atlantikwellen. Keine Sekunde überlegen wir, ob nicht unsere Entscheidung weiterzusegeln, falsch war.

Wir segeln an dem schroffen Kap Gran Canarias vorbei und genießen es mit vollen Zügen. Zum Abendbrot bekommen wir dann zur Belohnung auch noch Besuch: eine große Delfinfamilie samt Jungtier gesellt sich zu uns. Die 10 bis 20 Tiere begleiten uns für eine halbe Stunde. Unsere Freude ist umso größer, als dass wir seit der Biskaja bisher immer seltener Delfinsichtungen hatten, dafür können wir uns heute satt sehen. Glücksmomente. Vor allem, als ein Delfin seinen Kopf aus dem Wasser streckt - er/sie scheint zu stehen im Wasser - uns anschaut und immer wieder mit dem Kopf nickt, als wolle er uns etwas mitteilen, so wie Flipper es immer gemacht hat! Auch das anschließende Schlagen mit der Schwanzflosse erinnert uns an den Tierhelden unserer Kindheit!

Der Wind meint es gut mit uns, ein warmer konstanter Wind für eine schnelle Fahrt. Hier zwischen den Inseln nehmen die Wellenhöhen ab, die See wird ruhiger und wir segeln wie auf Schienen. Das Wasser rauscht an der nur wenige mm starken Bordwand entlang, so dass man in der Koje liegend das Gefühl bekommt, sein Lager direkt an einem reißenden Gebirgsbach aufgeschlagen zu haben. Für den einen eine Horrorvorstellung einer schlaflosen Nacht, für uns ein Gefühl der Geborgenheit und des Vorankommens.

 

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Schiffsverkehr gibt es hier zwischen den Inseln nicht, bis auf zwei Fähren, die genau auf unserem Kurs zwischen den Inseln pendeln. Es ist dann schon befremdlich, wenn in der absolut dunklen Nacht ein rotes und ein grünes Licht mit 22 Knoten von achtern direkt auf einen zukommt, um dann in einem Abstand von 200 bis 300 Metern uns zu passieren. Ein schönes Gefühl, wenn die Fähre dann endlich vorbei ist.

Unser Ziel, der Hafen von Santa Cruz auf Teneriffa ist sehr hell erleuchtet, so sehr, dass es fast unmöglich ist, die für die Navigation wichtigen Lichtsignale von den anderen Lichtern zu unterscheiden. Gut, dass es heute Kartenplotter gibt, die einem den Weg weisen. Was war es früher für ein Graus, sich ohne die elektronischen Helferlein, seinen Weg suchen zu müssen. Heute ist alles viel entspannter und dadurch ist es viel leichter möglich, mit kleiner Crew solche Abenteuer zu bewältigen. So können wir ganz entspannt in den Hafen einfahren, wo uns schon ein sehr freundlicher, gut englisch sprechender Marinero in Empfang nimmt. Dank des letzten Abschnitts von Las Palmas bis nach Santa Cruz,  trinken wir sehr zufrieden unser Anlegebier und freuen uns, ein gutes Stück weitergekommen zu sein.

 

 Auditorium Santa Cruz

 

Hafeneinfahrt Teneriffa/Santa Cruz

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Diabetis und Segeln. Ich wurde jetzt mehrfach angesprochen, doch auch über meine Erfahrungen auf dieser Tour mit meiner Diabetis mitzuteilen. es wäre doch etwas Besonderes....

Es geht hauptsächlich im Folgenden um meinen persönlichen Umgang mit Diabetis in Bezug auf unsere Reise, d.h. welche Überlegungen und Vorbereitungen getroffen wurden, um dieses Projekt zu verwirklichen. Medizinisch habe ich kein Wissen und auch nur geringe Erfahrungen mit Diabetis. Aber ich sammel Erfahrungen.

 

Seit September 2014  habe ich Diabetis Typ 1, muß 4 x täglich Insullin spritzen und ständig meine Ernährung und meinen Lebensrhytmus der Diabetis anpassen. Ursprünglich wollte ich um die Welt segeln, hatte bereits das richtige Boot dafür und steckte schon in den ersten Vorbereitungen, als die Diagnose kam. Eine Weltumsegelung bedeutet aber, wochen- oder sogar monatelang durch medizinisch unterversorgte Gebiete wie z.B. in der Südsee rumzutingeln, kein Arzt, keine Apotheke.

Zugegeben, das habe ich mir dann nicht mehr zugetraut, zumal ich ja noch keine Erfahrung habe. Aber der Atlantik ist doch möglich, so meine Überlegung. In Europa habe ich eine gute medizinische Versorgung, und in der Karibik gibt es jede Menge Kreuzfahrtschiffe mit einer meist guten Krankenabteilung. Auf den französischen, holländischen oder britischen Inseln der Karibik gibt es darüber hinaus auch eine gute medizinische Versorgung. Also stand der Plan fest: vorerst keine Weltumsegelung, dafür wird der Atlantik auf der nördlichen Hälfte gerundet, ein knappes Jahr ist dafür Zeit.

Im September die Diagnose, im Oktober bereits ein neues Boot gekauft. es handelt sich um ein sehr sportliches Boot, das eine gute Kondition und viel Segelerfahrung erfordert. In 2015 wurde dann das Boot auf Herz und Nieren geprüft. Zuerst sind wir quer über die Nordsee nach Inverness, Schottland, bei rauhen Bedingungen gesegelt, anschließend sind Kerstin und ich nach Norwegen und durch das Skagerrak gesegelt, auch bei tw. rauhen Bedingungen. Boot und Crew haben sich bewährt und somit wurde das Projekt Atlantik in Angriff genommen. Einmal Karibik und zurück. 20.000 km liegen vor uns, durchschnittlich jeden Tag 7 Stunden segeln, 330 Tage lang. Der längste Abschnitt ist geplant mit bis zu 20 Tagen ununterbrochen auf See, durch das Bermudadreieck in die nörlichen Gebiete des Atlantik bis zu den Azoren, dann durch den englischen Kanal wieder nach Hause, so der Plan. Stürmische Situationen wird es auf jeden Fall geben, es ist nur die Frage wie lange und wie intensiv. Auf See ist nicht der stürmische Wind die Herausforderung, es sind die Wellen, die sich aufbauen können und gemeinsam mit dem Wind bezwungen werden müssen. Der Wind ist bis zu bestimmten Stärken in den Griff zu bekommen, die Beherrschung der Wellen hängt jedoch ganz stark vom Bootstyp ab. Unsere Foxy Lady ist nicht nur unsinkbar, sondern sie ist aufgrund ihrer Konzeption hervorragend geeignet zum Heruntersurfen von hohen Wellen, d.h. sie ist in der Lage, fast alle Wetterlagen zu beherrschen.

Der Schwachpunkt ist immer der Mensch, also muß gewährleistet sein, dass ich jederzeit in der Lage bin, das Boot zu bedienen. Das geht nur mit Disziplin und Kontrolle.

Zur Überwachung nutze ich Sensoren von Free Style Libre, das funktioniert bisher hervorragend. Ich habe mich für ein ganzes Jahr damit eingedeckt. Auch Insullin, Spritzen etc. habe ich für die ganze Zeit dabei, so dass eine Nachversorgung eigentlich nicht nötig sein wird. Zur Lagerung des Insullins haben wir extra eine zusätzliche Kühlbox eingebaut, um so immer eine Ausweichmöglichkeit zu haben, falls ein Kühlschrank den Geist aufgibt. Meine Partnerin Kerstin passt auch immer mit auf, dass ich regelmäßig kontrolliere, das ist total wichtig, denn im Eifer des Gefechtes pasiert so manches Unvorhergesehenes. Daher haben wir uns grundsätzlich darauf geeinigt, dass bei rauhem Wetter und notwendigen Segelmanövern vorher ein Müsliriegel gegessen wird. Überhaupt haben wir während Schlechtwetterphasen gute Erfahrung damit gemacht, meinen Blutzuckerspiegel grundsätzlich höher zu halten als sonst, somit haben wir keinen Stress. Dieses klappt sehr gut. Eigentlich genau so, wie ich es sonst beim Sport auch gemacht habe, nur jetzt über einen etwas längeren Zeitraum.

 

Jetzt sind wir seit über drei Monaten unterwegs. Alles hat bisher so gut geklappt, dass wir sehr entspannt mit der Diabetis beim Segeln umgehen können. Bei normalem Wetter bleibt alles wie sonst auch, bei schwererem Wetter wird der Blutzuckerspiegel grundsätzlich höher gehalten. Die Umstellung auf immer weniger Vollkornbrot in der Ernährung mangels entsprechenden Versorgungsmöglichkeiten kann zwar durch noch mehr Salate und Gemüse aufgefangen werden, doch ist dieses ständige Weißbrot echt nervig, aber leider unumgänglich.

Eines habe ich unterschätzt: die Sonne. Habe ich zu Hause immer meinen Pen mit Insullin bei mir, so habe ich ihn jetzt fast die ganze Zeit im Kühlschrank oder unterwegs n der Kühltasche. Ich wunderte mich über meine immer höher werdenden Werte und dass das Insullin immer schlechter wirkte. Ich bekam schon Bedenken, bis ich die Ampullen ausgetauscht habe: das Insullin war zu warm geworden und damit unbrauchbar. Die Sonne erhitzt ganz schnell einen Rucksack oder auch nur die Hosentasche, in der der Pen steckt. Das hatte ich unterschätzt. Sonst ist bisher alles super gelaufen. Ich werde weiterhin berichten.

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Heute soll es soweit sein, unser neuer Kühlschranksystem, bestehend aus Kompressor, Kühlplatte und Thermostat soll geliefert und eingebaut werden. Wir haben am Montag bei SVB in Bremen die Teile bestellt und die Lieferung soll per Express erfolgen.  Unsere Freunde vom ortsansässigem Yachtservice "Waterline" haben wir als Empfänger angegeben, da deren Name beim Zoll bekannt ist und somit mögliche Verzögerungen be der Behörde l umgangen werden können.

 

 

 

Unser Plan geht auf und gut drei Tage nach Bestellung ist das Paket eingetroffen. Welch eine Logistik. Montag bestellt und Donnerstag auf einer kanarischen Insel ausgeliefert. Fantastisch.

Es ist bereits das 2. Mal, dass SVB uns kurzfristig mit wichtigen Teilen versorgen konnte. In Frankreich war es ein Teil für unsere Toilette, heute ein komplettes Kühlschranksystem. Das macht das Reisen einfacher, wenn es eine gute Ersatzteilversorgung gibt. Danke dafür, Ralf!

 

Alles komplett....:-)

 

Per Express wird dann auch gleich alles von Henning von Waterline eingebaut. Zusätzlich wird noch eine Edelstahlstrebe von Henning geschweißt, das Rigg durchgecheckt und der Motor bekommt neues Öl. Jetzt ist alles wieder gangbar an Bord und unsere Reise kann weitergehen. Morgen soll es nach Las Palmas auf Gran Canaria gehen, zum Start der ARC, einer Regatta in die Karibik, an der jährlich über 200 Boote teilnehmen. Wir wollen erst den Start anschauen und dann in die leere Marina gehen, wo dann wohl genug Platz für uns sein wird.

Ach ja, natürlich haben wir die Zeit genutzt und uns ein wenig die Insel gemeinsam mit unseren holländischen Freunden von der Gwelan angeschaut. Wirklich beeindruckend.

 

unendliche Lavafelder

 

Dampffontäne

 

Naturschutzpark

 

Fischverkauf vom geslipptem Kutter

 

 

La Santa - Kitespot

 

Popcorn oder Lava?

 

Grotte als Kunstobjekt

 

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mit Auditorium

 

Verbindung Kunst und Natur

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Dienstag, 08.112016., 14.00 Uhr, Quinta de Lorde, Madeira. Gwelan legt ab. Wir wollen in zwei Stunden folgen und wollen gemeinsam nach Lanzarote, Marina Rubicon. Klingt vielversprechend. Es sind 280 nm zu absolvieren. Uns erwarten konstant Winde bis 7 Beaufort, mit Glück Halbwindkurs, Tendenz eher etwas höher am Wind. Bis 3m Welle. Aufgrund der Wellenrichtung und unseres Windwinkels planen wir mit durchschnittlich 7 Knoten Geschwindigkeit. Konstante Geschwindigkeit fast! Wir haben eigentlich durchgehend Wind  zu erwarten, eher mehr denn weniger. Da stimmt das Verhältnis zwischen Segel- und Motorstunden, so soll es sein. Halbe Stunde aus dem Hafen motoren, halbe Stunde in den Hafen, zwischendurch gute 40 Stunden segeln.

Unser Ablegen verzögert sich um eine Stunde. Wir sitzen noch im Restaurant, eine Kleinigkeit essen vor unserer Abfahrt, aber es dauert und dauert.....

Macht nichts, wir haben Zeit. Wir rechnen mit gut 40 Stunden und wollen im Hellen ankommen. Das schaffen wir alle Mal mit einem Puffer von 9 Stunden.

Wir haben alles gut vorbereitet. Alle Segel sind angeschlagen, vom Code Zero bis zur kleinen Arbeitsfock, die richtig viel Wind abkann.

Kaum aus dem Hafen, die Segel gesetzt, steuert Kerstin uns unserem ersten Wegpunkt entgegen, das südliche Ende der Naturschutzinsel Desolata.

Wieso ist da vorne fliegendes Wasser? Es gibt eigentlich keinen Grund dafür, das Wetter ist noch moderat. Wieder fliegendes Wasser, direkt voraus.

Ein Wal! Es ist ein großer Wal, der regelmäßig seine Fontäne bläst, als wenn er schnarchend an der Oberfläche treibt. Wir haben direkt Kurs auf den Wal, luven an, um einen Bogen um ihn zu machen. Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Als wenn wir gar nicht da sind. Majestätisch. Wir sehen nur den Buckel, die kleine Finne und können nur erahnen wie groß er ist. Da wir nur max 10 m von ihm entfernt sind, na ja, er ist min so lang wie unser Boot, das sind immerhin 10,5 Meter. Gewaltig, elegant - uns fehlen die Worte ausser oh und wow und wahnsinn.....so wurden wir von Madeira empfangen, so werden wir verabschiedet. Es hilft eben doch, wenn wir öfter mal gaaaanz laut "Waaaaldi...." rufen. Sie kommen schon irgendwann. Und wir haben gelernt: wir suchen keine Kamera, dieser Moment ist unser persönlicher Moment, wir haben nichts verpasst.

Und zur Belohnung oben drauf können wir kurze Zeit später den Code Zero setzen und preschen mit 9 bis 10 Knoten davon. Sind wir gar nicht mehr gewohnt. So schnell. Lange ist es her. Jetzt, eine Bö, eine Welle, wir oben drauf 12,2 Knoten für einen kurzen Moment. Welch ein Tag, das wird eine schöne Reise, wir spüren es.

Doch unser Glück mit dem Code Zero hält nicht zu lange an. Nach einer guten Stunde dreht der Wind und nimmt gleichzeitig zu. Wir segeln jetzt einen Winkel von 70 Grad zum Wind, bis 27 Knoten Wind in den ersten Böen, aber nichts dramatisches. Wir können immer ein wenig abfallen und setzen den zusätzlichen Wind als kleinen Turbo zwischendúrch ein. Das Boot ist wirklich sehr schwerfällig durch unser ganzes Gepäck geworden. Schwerfällig im Vergleich zur Agilität, die sie hat, wenn sie leer ist, leicht wie eine Feder. Jetzt eher leicht wie ein Daunenkissen. Aber im Vergleich zu den meisten anderen Booten, die wir treffen, haben wir immer noch das agilste und sportlichste Boot, meistens auch das schnellste und kleinste Boot.

Nur kommen wir nicht so schnell ins Gleiten wie sonst und das ist gerade heute gut merkbar. Der Wind kommt etwas vorlicher, die Wellen leicht schräg von vorne und knallen regelmäßig so hart gegen die Bordwand, dass es einem durch Mark und Bein geht. Dann immer wieder dieses Szenario: das Boot bremst ab, ein Knall gegen die Bordwand und ein Riesenschwall salziges Atlantikwasser kommt quer über das Boot geflogen und lässt wirklich nichts trocken. 5 Sekunden nach Aufprall und Fontäne läuft ein kleiner Sturzbach über das Boot, quer über die Sitzbänke in das Cockpit, um über das offene Heck wieder im Meer zu verschwinden.

Die Wellen treffen auch immer öfter unser Vorsegel, gut dass wir mittlerweile unsere kleine Fock segeln. Alles ist gut verzurrt. Nichts klappert oder knallt oder arbeitet sich anderweitig auf. Es geht ganz schön hart zur Sache, die Wellen werden konstant höher, der Autopilot arbeitet auf der zweithöchsten Stufe, am Heck gurgelt der Wassergenerator, der den Autopiloten mit Strom versorgt. Alles funktioniert. Wir haben unsere Radar- und AISüberwachung aktiviert. Jeder kann uns gut sehen, und wir erkennen auch jeden, falls er zu nahe kommen sollte.

Beste Voraussetungen. Nach über 2.500 Seemeilen sind wir natürlich seefest, wir werden auch nicht richtig seekrank, aber es gibt bestimmte Anzeichen dafür, dass es uns doch mulmig wird. Flau, nicht richtig schlecht, aber eben auch nicht gerade motiviert. Zuerst schmeckt das Bier nicht mehr. Ein untrügliches Zeichen! Nicht, dass wir uns während des Segelns betrinken, aber so alle paar Stunden mal ein Bier...Also, es ist soweit. Das letzte Bier haben wir uns gestern Abend geteilt. Da schon geteilt. Jetzt trinken wir Tee und Wasser. Dann bleibt der Hunger aus. Oder vielmehr der Appetit. Ja und dann kommt die Müdigkeit. Wir haben Glück, durchleben zwar diese Stadien, erreichen aber nicht den Gipfel: Erbrechen und Kraftlosigkeit. Wir berappeln uns, geniessen den Sternenhimmel zwischendurch und halten uns fest. Jede Bewegung an Bord will wohl überlegt sein, damit die nächste Welle einen nicht ungewollt quer durch das Boot katapultiert. So mit blauen Flecken und so. Bleibt nicht ganz aus, bei solch einem Wetter.  Hat es sonst auch immer so gerumpelt?

Kein Ende in Sicht. Und es ist erst die erste Nacht. Wir haben noch einiges vor uns.

Vor uns sind zwei Boote, Gwelan mit 6 Knoten und ein Katamaran Tweeni, der genau so schnell wie wir ist. Tweeni ist 11 Meilen vor uns, Gwelan noch 2 Meilen.

Wir brauchen nur eine gute Stunde noch, um Gwelan zu überholen, in großem Abstand bei diesem Wetter und vor allem um diese Uhrzeit, nachts um drei.

Die Luft ist sehr abgekühlt, wir haben tatsächlich dicke Segelklamotten an, nur das Wasser, welches regelmäßig über uns kommt ist angenehm warm im Gesicht und auf der Händen. Das gehört wohl dazu. Wir sehen keinerlei Tiere mehr. Keine Vögel, keine Delfine, keine Wale. Liegt vielleicht auch an den hohen Wellen um uns herum, da ist es schwer, irgendetwas im Wasser zu erkennen.

Wir haben Nachmittag. Situationsbedingt ohne Kaffee und Kuchen, dafür haben wir Kollisionskurs mit einem Frachter. Wir haben ihn schon lange übr AIS verfolgt, aber der Kollisionskurs bleibt unverändert.

Baltic Carreer, Baltic Carreer, Baltic Carreer for Foxy Lady coming........Here is Baltic Carreer, who is calling?...... This is Foxy Lady, the sailing yacht in front of you. What is your Intention, please?......I change my course, port to port, over!

 

 

Begegnung auf hoher See

 

Ein sehr kurzes aber erfreuliches Gespräch: der Frachter ändert kommentarlos seinen Kurs und wir passieren einander port to port, das bedeutet Backbordseite an Backbordseite. So entspannt kann eine Begegnung auch sein. Wir haben zu Hause viel zu wenig Kontakt mit Schiffen in ähnlichen Situationen aufgenommen, es macht das Miteinander auf See sehr viel angenehmer.

Die Sonne kommt öfter durch, doch der Wind bleibt unverändert in seiner Stärke bis 28 Knoten, die Richtung des Windes ändert sich mal so mal so in einem Bereich von 61 bis 90 Grad zu unserem Kurs. Also mal besser und schneller, mal ungemütlich und holperig. Einfache Handlungen werden zur Arbeit.

Die nächste Nacht. Wir kommen gut voran. Der Katamaran Tweeni ist konstant vor uns. Wir können zwar drei Meilen auf ihn gut machen, aber so richtig kommen wir nicht dran. AIS macht es spannend, man kann seinen "Gegner" jederzeit beobachten.

Dann funkt Tweeni uns an und fragt uns nach dem Wetterbericht und ob alles in Ordnung sei bei uns. Tweeni wird wohl noch mehr durchgeschüttelt als wir und freut sich zu hören, dass es Leute gibt, die dieser Situation auch Spass abgewinnen können und das Segeln geniessen, auch wenn es einem zwischendurch mal etwas flau wird, aber das geht auch wieder. Nur seine Hoffnung auf weniger Wind können wir nicht so richtig bestätigen. Unser Wetterbericht sieht eher so aus, als wenn es mehr werden könnte. Wir beunruhigen sie nicht und hoffen ja selbst auch auf ein paar Knoten weniger Wind.

 

 

Leuchtfeuer südl.Kap

 

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Es stimmt, der Wind wird jetzt weniger. Es ist jetzt aber bereits Donnerstag morgen und wir sind kurz vor dem Ziel. Laut Literatur rechnen wir mit einer Verstärkung des Windes um das Kap herum mit bis zu 10 Knoten, binden das zweite Reff deshalb ein und warten jetzt, was passiert. Sehr zu unserer Verblüffung bekommen wir nicht einen auf die Mütze, wie erwartet, sondern der Wind schläft ein. Komisch, aber gut. Kaffee kochen, verschnaufen. Die Nacht ist auch überstanden. Die ganze Zeit ging es letzte Nacht so weiter, über Stock und Stein, erst in der Abdeckung von Lanzarote wurden die Wellen gemäßigter. Somit können wir den schönen Morgen mit Sonnenschein und lauem Wind richtig geniessen, motoren schließlich die letzte halbe Stunde in den Hafen und bekommen einen schönen Liegeplatz.  Um 10 Uhr, nach 41 Stunden permanenter Achterbahnfahrt, haben wir es geschafft: die Kanaren! Der erste Eindruck ist sehr gut von Lanzarote, insbesondere von der Marina Rubicon. Jetzt erstmal entspannen, duschen und essen und auf Gwelan warten.

Gwelan kommt um 17.00 Uhr in den Hafen, sie haben 10 Stunden mehr gebraucht als wir, sind aber sicherlich komfortabler unterwegs gewesen.

 

Spuren der Nacht....

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Östliches Ende Madeira - schroff

 

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Wir sind in der Marina Quinta de Lorde am östlichem Ende der Blumeninsel Madeira. Schroffe Felswände, die gefühlte 200 m senkrecht in die Höhe schiessen, säumen den Hafen nach Norden hin. Der perfekte Windschutz, auch wenn hier und da mal eine Bö um das Kap herum direkt in den Hafen einfällt. Dafür steht aber die lange Atlantikdünung im Hafen, so dass immer etwas Bewegung in den Booten, bzw. der gesamten Steganlage zu verzeichnen ist, die die Boote so in deren Festmacherleinen hin- und herschieben, dass jegliche Bewegungen sehr oft ein ruckartiges Ende finden, welche nicht nur auf das Material gehen, sondern zuweilen auch zu kuriosen Haushaltsunfällen an Bord führen können, z.B. beim Kaffeekochen, wenn der ganze Filteraufsatz von der Kanne fliegt und alle feinen Kaffeekörnchen ihren Platz in allen Ritzen und Nischen finden, so dass man/frau Mühe hat, die Spuren zu beseitigen.

Und wenn dann Ruhe eingekehrt ist, kommt ein Flugzeug im Landeanflug direkt über den Hafen geflogen. Idyllisch eben. Dafür kostet die Marina dann auch gleich fast das Doppelte, wie die Marinas an der Algarve. Madeira ist eben etwas Besonderes.

Der Hafen wirkt etwas bizarr, so direkt an die Felswand gebaut, eigebettet in ein abgeriegeltes Ferienressort mit ca 300 Appartements. Wir fragen uns, wie diese Anlage wohl in 10 Jahren aussieht, es sind jetzt schon viele notwendige Instandhaltungen sichtbar, die wohl nur halbherzig angegangen werden, es entsteht langsam ein Reparaturstau. Deswegen ist wohl auch öfter die Dusche kalt und das Wlan zu schwach.

In den Reiseführern steht geschrieben, dass Madeira die Insel der verschiedenen Gesichter sein soll. Da sind wir ja gespannt. Gemeinsam mit unseren neuen niederländischen Segelfreunden von der Gwelan mieten wir uns ein Auto und erkunden zwei Tage lang die Insel und gehen gemeinsam einkaufen, um wieder einmal die Vorräte an Bord aufzufüllen.

Zuerst erkunden wir Funchal, wo der Lebensmittelpunkt der Insel zu sein scheint. Stimmt. Im Hafen liegt ein großer Kreuzfahrer, der mal eben ein paar tausend Touristen auf die Insel spukt. Jedes Cafe, Restaurant bis hin zu den Strassenhändlern, alle sind in höchster Aufruhr, um möglichst viel von dem Kuchen abzubekommen, der für nur ein paar Stunden auf der Insel verteilt wird. Reges Treiben überall.

 

Marina Funchal mit Kreuzfahrer

 

Cafe Ritz/ Funchal

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November!

 

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Kunst in Funchal

 

Straßenbild Funchal

Trotzdem ist Funchal sehr schön. Parkanlagen, die wie botanische Gärten wirken, so vielfältig die Pflanzen- und Blütentracht. Dann das Muß in Funchal: mit der Kabelbahn auf den 500 m hohen Hügel über die Stadt schweben. Die Fahrt wird etwas betrübt zum einen durch das regnerische Wetter, welches heute herrscht, zum anderen schweben wir über eine Schlucht, in der im Sommer in Folge von Waldbränden viele Häuser verbrannt sind, das Feuer ging bis in die Stadt hinein. Feuer ist so zerstörerisch, die einzelnen schlimmen Schicksale können nur erahnt werden.

Den Gipfel erklommen, werden wir mit einer schönen Aussicht auf Funchal und den Atlantik belohnt. Regen immer wieder Regen zwischendurch. Wenn dann die Sonne mal rauskommt, entsteht ein fast tropisches Klima. Feuchtwarm.

 

Über den Dächern von Funchal

 

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Natürlich besuchen wir dann noch das westliche Kap, wir fahren zu einem Aussichtspunkt, 600 m hoch, mit einer Plattform aus Glas, unter einem die Brandung des Atlantik. 600 m heißt heute leider: mitten in einer Wolke zu sein. Gespenstisch die Aussicht, durch die Löcher in der Wolke, die die Sonne immer wieder aufreisst.

Heute, am 2. Tag des Mietwagens, besuchen wir die nördliche Seite der Insel. Auch hier suchen wir die Höhe und finden uns in einem Regenwald wieder. Bäume und Felswände voller Moos, überall plätschert Wasser, ein krasser Gegensatz zu den schroffen Felswänden auf der anderen Seite der Insel. Es gibt hier auch kein flaches Stück Erde, wie wohl auf der gesamten Insel. 

 

 

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Überall gibt es nur Hänge, die Häuser und Gärten in Terrassenform an den Hang gesetzt. Alle Täler sind durch endlose Tunnel verbunden. Gefühlt kommen auf 10 km Strasse im Durchschnitt zwei Tunnel, teilweise mit Abfahrten in einen anderen Tunnel hinein. Und wenn kein Tunnel, dann wenigstens eine Brücke. Unglaublich. Und alles nicht alt. Wir hinterfragen auch nicht, wieviel davon die EU bezahlt hat. Es müssen aber Unsummen gewesen sein.

 

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Dann diese Landebahn des Flughafens. Muß man gesehen haben. Das Rollfeld beginnt über dem Meer. Auf riesigen Betonpfeilern ragt die Landebahn über die Küstenlinie hinaus. Unglaublich. Bitte nicht von der Fahrbahn abkommen....

Unter diesen Brückenpfeilern befindet sich eine Yachtwerft mit einem großem Winterlager, in dem die Boote stehenden Mastes quasi in einer offenen Halle stehn.

Im Inercontinental erledigen wir dann unsere Einkäufe und werden hier erstmalig mit Plastiktannenbäumen und Weihnachtsdeko konfrontiert. Befremdlich für uns. Aber stimmt, da war doch noch so etwas. Erster Schneefall zu Hause und so. Wir haben keine Schadenfreude, wir freuen uns auch so über das angenehme Klima, hier mitten im Atlantik.

Gut, das ist also Madeira. Wir haben sicher  nicht alles gesehen, aber für einen Eindruck reicht es. Am Interessantesten kommt es uns vor, dass wir auf der Nachbarinsel Porto Santo, von der wir vier gerade gekommen sind,  ein komplett anderes Klima vorgefunden haben. Porto Santo wäre froh, über etwas mehr Regen.

Wir sind uns einig, Madeira ist schön zu erkunden, aber auch ein guter Ausgangspunkt für neue Abenteuer, es hält einen Segler nicht zuviel fest hier. Morgen soll es nach Lanzarote gehen, unsere erste kanarische Insel. Der Wetterbericht verspricht Wind. Guten Wind von der Stärke her, wenn auch nicht ganz optimal von der Richtung, aber der Wetterbericht verspricht eine schnelle, dafür etwas rumpelige Reise, auf die wir uns schon freuen.

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Start Portimao

Mittwoch, 26.10., 13.00 Uhr: Start von Portimao nach Porto Santo, Kurs 237 Grad, 460 nm Distanz.

Das Wetter ist heute wieder etwas launisch. Die letzten Tage zog hier eine Schlechtwetterfront mit viel Wind aus Südwest über uns hinweg. In Sicht ist ein großes Hochdruckgebiet mit wenig Wind, also schnell los, gemäß Wetterprognose die letzte Chance für die nächsten Tage, einigermaßen vernünftigen Wind abwechselnd aus fast allen segelbaren Richtungen zu bekommen. Mal schauen..

Porto Santo liegt etwa 30 nm nordöstlich von Madeira. Eine typische Vulkaninsel, 11 km lang, 3 km breit.

Die ersten drei Stunden motoren wir erwartungsgemäß noch, bis sich Wind aus WNW einstellt, der uns zunächst mit gerade man 5 kn vorankommen lässt. Bald schon kommt der erste Winddreher und wir können auf unseren geliebten Code Zero wechseln.

Der Wetterbericht sagt uns voraus, dass wir am Ende unserer Reise, also geplant am Ende von Tag 2, südliche Winde bekommen werden, daher halten wir etwas südlich vor, um später keinen Kreuzschlag machen zu müssen. Es läuft gut. Mit 8 kn segeln wir in die Nacht, eine wirklich dunkle Nacht, da kein Mond am Himmel erscheint, sonder dicke Wolken jegliches Licht verschlucken. Gespenstisch, wenn die Sicht fast gleich null ist und lediglich hier und da nur die weiße Gischt sichtbar wird, die von unserem Boot wie bei einem Schneepflug, sich  links und rechts vom Bug aufbaut, um dann im Nichts wieder zu verschwinden. So segeln wir bis kurz vor Mitternacht, als der Wind nachlässt und wir mit 1.600 U/min langsam durch die Nacht tuckern. Wir liegen weit hinter unseren Berechnungen, in gut zwei bis drei Tagen die knappen 460 nm schaffen zu können. Na ja, so bekommen wir erst einmal eine ruhige erste Nacht bis 4.00 Uhr.  Dann kommt etwas Wind und die Segel gehen hoch. Für zwei Stunden, dann hat jemand den Wind wieder abgeschaltet. Komplett. Die Segel schlagen, das Großsegel muß geborgen werden, bevor es Schäden nimmt. Dieses Spiel mit Segelsetzen und Segelbergen geht heute den ganzen Tag so weiter, als wenn das Wetter mit uns spielt. Allein 3 x hintereinander geschieht folgendes Szenario: kräuseln auf dem Wasser, eine Brise kommt. 10 Minuten warten. Die Brise bleibt. Segel hoch, juhu, wir segeln! 10 Min später schlagen die Segel wieder, das Kräuseln des Wassers ist auch nicht mehr da, also Segel bergen. Am Anfang werden die Segel noch akribisch jedes Mal zusammen gelegt, nach dem dritten Mal jedoch, nur noch fallen gelassen und grob sortiert.

Jetzt sind wir fast zwei Tage unterwegs und haben noch nicht viel geschafft, nicht einmal die Hälfte der Strecke. Dafür haben wir schon 23 Motorstunden. Zwei Dinge werden immer klarer: 1. der Wetterbericht hält nicht, die Flaute ist schon da. und 2. wir haben nicht genug Diesel für den Rest der Strecke. Wir müssen noch 260 Seemeilen, und haben für maximal 110 Seemeilen noch Diesel, wenn wir im Schneckentempo fahren. Der Enstschluß steht: ab sofort wird nur noch nachts motort, wenn das Boot anfängt zu treiben und zu rollen, oder wenn wir ausweichen müssen. Beschlossen und verkündet.

4 kn Wind. Es ist spannender und zugleich nerventötender als jeder Krimi, Code Zero, du mußt uns hier rausholen. Gemeinsam mit deinem dicken Kumpel, dem Spinacker!

 

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4 Kn Wind. Der Code Zero holt immerhin 2,5 kn raus. Zwei Stunden später, 3 kn Wind, noch 1,8 kn Fahrt. Weit und breit kein Schiff, das nächste AIS Signal eines Frachters ist über 60 nm entfernt.....die Sicht ist gleich null, also entspannen, warten und hoffen. Wenigstens schlagen keine Segel und dieser lästige Segelwechsel zwischen hoch und runter entfällt. Wir segeln nur unter Code Zero. Das Großsegel würde jetzt den Code Zero so in die Windabdeckung nehmen, dass dieser nur noch wie ein nasser Waschlappen nach unten hängen würde, zumnindest die überwiegende Zeit. Aber so wird es immer entspannter. Das Segel steht so leidlich, aber es steht und wir kommen zumindest in die richtige Richtung voran. Unsere Ansprüche ändern sich langsam. Gestern waren wir noch genervt und wurden nervöser mit abnehmenden Wind, aber jetz scheint sich alles Genervtsein in Luft aufzulösen, in warmer, sehr warmer Luft! Es sind die ersten Nächte, in denen wir über 20 Grad haben! Tagsüber sind es 25 Grad, über 400 km von der Küste entfernt! Das Wasser hat jetz auch schon 19 Grad - es geht bergauf.

 

Chaos auf dem Atlantik!

Samstag, noch 170 nm bis Porto Santo, 7.30 Uhr, Sonnenaufgang.

Das leichte Gurgeln am Heck, hier und da eine kleine Welle, die an die Bordwand leise klatscht, und dann dieses leise, aber permanente Arbeiten des Autopiloten An Aus An Aus..........................Trotzdem, es ist so friedlich, ja, wir fühlen uns geborgen auf dem Wasser, obwohl der Atlantik bei uns Begeisterung und zugleich Respekt auslöst. Da ist dieses unbeschreibliche Blau des Wassers, wenn es ganz glatt da liegt und die Sonnenstrahlen sich in dieser scheinbar unendlichen Tiefe verlieren. Klingt vielleicht kitschig, aber alles andere ist untertrieben, so unbeschreiblich schön ist dieser Anblick. Deep Blue. 4.500 Meter Wassertiefe.

Dann ist da diese Dünung, diese laaaaaange Dünung. Auch bei absolut ruhigem Wasser geht es ganz langsam 3 m hoch und genau so langsam 3m runter. Wir merken es nicht, wir sehen es nur am Horizont.

Mottowechsel. Heute ist Partytag. Wenn schon nichts los ist, dann muß man ja was los machen. Das ausgiebige Frühstück beendet. Duschzeit. Es wird der Wassersack gefüllt und am Gr0ßbaum aufgehängt. Mit der Dirk in die richtige Höhe gezogen, so können wir im Stehen duschen. Herrlich. Gleichzeitig können wir so das Cockpit etwas wischen. Uns geht es gut. Wir ziehen eine Bilanz: dank des Wassermachers haben wir genug Wasser. Strom haben wir durch unsere Solarzellen. Zu Essen ist genug da. Also alles gut. Oder? Oh schreck, das Bier wird knapp....:-)))

 

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Dann gesellen sich die eresten Gäste zur Party: drei kleine Vögel suchen neugierig Schutz bei uns. Einer will gleich einchecken und ist nur sehr schwer, wieder aus der Kabine zu vertreiben, nachdem er das ganze Deck nach toten Insekten, wie Gewitterfliegen, eine tote Libelle und eine Motte sauber gepickt hat. Auch ein kleiner fliegender Fisch kam zu Besuch, aber leider nicht lebend. Den kleinen Kraken, den wir stinkend auch an Deck finden, schmeißen wir etwas angeekelt schnell ins Wasser - ach ja, das Foto hätten wir ja noch machen können, fällt uns dann zu spät ein.

 

Am Horizont taucht eine Segelyacht auf: Gwelan! Wir lagen ein pr Tage nebeneinander und haben gemeinsam Portimao verlassen.....es ist eine 12 m Koopmanns aus Alu, ein schönes Schiff. Gwelan setzt den Spinacker. Laut AIS sind wir zwar schneller als Gwelan, aber wir folgen dem Beispiel und ziehen auch unseren Spi. Ein packendes Duell entwickelt sich: 1,3 kn zu 1,8 kn. Mal bekommt der eine einen Hauch mehr Wind, mal der andere. Meter um Meter kämpfen wir uns vor. Stundenlang.

Wir geben alles um nach acht Stunden wilder Verfolgungsjagd endlich zum Überholen anzusetzen. Da wir nicht gegenseitig unsere Segel kaputt machen möchten, die wegen der entstehenden Abdeckung beim Überholen einfallen und sich vertüdeln können, bzw, werden, entschließen wir uns, unser Segel zu bergen, etwas kostbaren Diesel zu opfern, um Gwelan zu passieren.

 

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Gwelan konnte lange motoren, war daher vor uns und mußte nun den Motor abstellen, da der Diesel zur Neige ging. Noch 90 nm bis zum Ziel. Immer wieder verläßt uns der Wind. Wir können noch mit 1.200 U/min ein Treiben verhindern und kommen so gut durch die Nacht. Jetzt, am Sonntagvormittag kommt zum ersten Mal Land in Sicht, kurz tauchen Bergspitzen aus einem Wolkenfeld heraus, um schnell wieder darin zu versinken. Kein Wunder, dass Porto Santo als Nachbarinsel von Madeira erst im 15. Jahrhunder viel später als Madeira entdeckt, da die Insel fast ganzjährlich in einem eigenen Wolkenfeld versteckt ist. Porto Santo heisst übersetzt heiliger Hafen, so wie das deutsche Heiligenhafen bei Fehmarn.

 

Dann kommt unser Reiseabschiedsgeschenk!

 

Wir haben damit nicht mehr gerechnet.

Wie aus dem Nichts heraus tauchen um unser Boot 3 Wale auf, eine Blasfontäne macht uns darauf aufmerksam. Sie kommen offensichtlich von einer größeren Gruppe von Walen, die hinter unserem Boot langziehen.

Nachdem wir kostbare Zeit damit verloren haben, den Fotoapparat vergebens zu suchen , können wir gerade noch sehen, wie einige hundert Meter entfernt ein großer Wal sich ganz aus dem Wasser rausschraubt, sich dabei um die eigene Achse dreht, um sich dann donnernd wieder ins Meer fallen zu lassen. Wir sind sprachlos. Es ist ein unbeschreibliches Erlebnis, diese Tiere live zu sehen. Ein krönender Abschluß dieser langen Seereise.

Die Insel Porto Santo begrüßt uns standesgemäß mit Wolken, etwas Regen, sogar mit einer 22 kn Windbö aus einer Wolke heraus.

Aber wir schaffen es noch. Mit dem letzten Licht des Tages und den letzten vier Litern Diesel ereichen wir dann Porto Santo, werden herzlichst empfangen von anderen Seglern aller europäischen Nationen und einem freundlichem Zöllner, der uns auch gleich ins Büro bittet. Hier ist alles entspannt, hat aber seine Ordnung.

 

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Glücklich und geschafft genießen wir unser letztes Bier zum Anlegen (ein kaltes Jever Pilsener, extra vom Munde abgespart!!) und können es noch gar nicht richtig realisieren, jetzt schon ziemlich weit draussen auf dem Atlantik zu sein und unseren bisher größten Abschnitt trotz der Umstände super gemeistert zu haben. Doch das Wichtigste an der Reise war die Wandlung vom nervösem Segler der in der Flaute feststeckt, hin zu dem Segler, der genau das genießt, das Leben auf dem Wasser und sich einfach gehen läßt - schließlich zahlen andere Leute sehr viel Geld dafür, eine Außenkabine mit Panoramablick und eigenem Sonnendeck für eine Atlantikkreuzreise, es kommt eben nur auf die Sichtweise der jeweiligen Situation an. Für diese Erfahrung sind wir sehr dankbar.

Gwelan können wir dann am nächsten Morgen auch im Hafen begrüßen, sie haben doch noch in der Nacht guten Wind bekommen.  Es gibt abends dann eine herzliche Willkommensfeier!!

 

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Sonntag ist Angeltag!!!!

 

Seit dem es hell geworden ist, verläßt ein kleines Motorboot nach dem anderen den Hafen. Die Familie fährt gemeinsam zum sonntäglichen Angeln. Es ist ein Bild des Familienglücks.

Freuen sich die Kinder wirklich, mit Mama und Papa den ganzen Tag in einem kleinem Boot vor Anker zu liegen, nur hin- und herzuschaukeln und zu angeln, bzw. dabei zuzuschauen? Und die Frauen?

Wir werden diese Frage nicht beantworten können, denn wenn diese Motorboote wiederkommen, sind wir schon weg. Kein Vorher und Nachher Vergleich möglich. Auf jeden Fall verlassen die Angler stolz mit Ihren Familien gemeinsam den Hafen.

 

 

Marina Sines

Sines

 

Industrie Sines

Heute ist der letzte Tagestörn des ersten Abschnitts unserer Reise. Das Ziel ist das Erreichen der Algarve und damit verbunden die Rundung des Cabo Sao Vincente, dem südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes.

Sehr zu unserer Freude stellt sich nach dem Verlasssen des Hafens heraus, dass es gut war, sich auf den Wetterbericht zu verlassen. Gestern waren zwar bis zu 25 Knoten Schiebewind angesagt, aber leider direkt von achtern und das macht nicht zuviel Spass. Heute hingegen sind nur Winde zwischen 9 und 18 kn vorhergesagt, aber dafür aus nordwest bis west und dass bedeutet einen sehr angenehmen und für den Wind schnellen Kurs.

Wann ist es das letzte Mal her, dass wir direkt nach Verlassen des Hafens nicht motoren mußten, um auf Wind zu warten? Heute können wir gleich lossegeln. Zwar nicht schnell, aber wir können segeln. Auch heute haben wir den Code Zero gesetzt, mittlerweile unser Lieblingssegel. 72 qm am 2m langem Bugspriet ziehen das Boot bei Windwinkeln zwischen 65 Grad bei wenig Wind bis zu 140 Grad bei Starkwind so durch das Wasser, daß Foxy Lady ab 8 kn Geschwindigkeit auf den Wellen zu schweben scheint wie eine Feder. Dies ist auch der Grund dafür, daß in Frankreich sehr viele Pogos Plume = Feder heißen, so wie unsere Foxy Lady vorher auch. Aber in Deutsch/Plattdeutsch könnte Plume auch als Pflaume interpretiert werden.....

 

Da wir anfangs nur Winde um die 10 kn haben, werden wir sicherlich heute keine Rekorde brechen (Boot ist eh zu schwer beladen dazu), aber wir können aus 10 kn Wind 8 kn Fahrt rausholen, da wir einen Windwinkel von 70 Grad segeln können.

 

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Dann macht es auch nichts, wenn zwischendurch der Wind mal auf 6 kn runtergeht, dann geht es eben mit 4,5 kn weiter.

Nachdem wir in den letzten Segeltagen wenig Delfine im Vergleich zur Biskaja  gesehen haben, gesellt sich heute eine große Schule von ca 20 - 30 Tieren für einige Minuten zu uns. Es ist faszinierend, die Tiere teilweise weniger als 1 Meter neben sich zu haben, deren Eleganz uns immer wieder fesselt.

 

Besuch

 

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Das Wetter hält sich heute. Mit einigen Wolkenfelder kommt immer mal wieder ein wenig mehr Wind, der uns auch mal auf über 10 kn schnell werden läßt, aber dafür loggen wir zwischendurch auch immer wieder unter 5 kn. In knapp zwei Monaten mit stellenweise sehr wenig Wind haben wir gelernt - solange es vorwärts geht, ist doch alles in Ordnung. Gelassenheit verbreitet sich zunehmend an Bord, bestimmt immer mehr unser Bordleben.

Direkt vor dem Kap verläßt uns dann doch der Wind und wir motoren die letzten 4 Meilen um das Kap Sao de Vincente in die erste Ankerbucht an der Algarve für uns - Sagres.

 

Cabo Sao Vincente

 

alles gut!

Leider ist es fast dunkel, als der Anker fiel, so daß wir gar nicht sehen können, wie schön die Ankerbucht ist, in der wir liegen.

Montag, der 7.Oktober

Fische verschiedener Größen schwimmen in kleinen Schwärmen um unser Boot, gut sichtbar in der Morgensonne. Heute liegen gut 15 nm vor uns. Entsprechend viel Zeit lassen wir uns und lichten den Anker gegen Mittag, um mit einsetzender Flut in den Kanal nach Lagos fahren zu können. Da wir vorher noch unsere Wasservorräte auffüllen müssen, lassen wir den Wassermacher laufen und damit wir nicht zu schnell sind, segeln wir nur mit Genua. Mal ganz was Neues, bewusst langsam zu segeln. Um so mehr genießen wir die wunderschöne Küste und das bei strahlendem Sonnenschein und einem gutem Wind. Wir segeln im Pullover, keine Jacke.....

 

Grotten von Lagos

 

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Küste Lagos

 

Grotten von Lagos

Lagos ist wohl eine der Hochburgen des Tourismus an der Algarve, mal schauen, wie es uns gefallen wird.Lagos ist berühmt für seine Grotten an der felsigen Küste, die absolut bizarr wirken. Die Anfahrt in den Hafen um diese Grotten herum durch einen angelgten Kanal mitten in die Stadt rein, flankiert von hunderten von Touristen, das hat schon was. Foxy Lady ist nun auf ganz vielen Urlaubsfotos diverser Urlauber, sie ist eben eine richtige foxy Lady!

 

 

Kanal von Lagos

 

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Fähre

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Mittwoch, 05.Oktober 2016, 10.00 Uhr

 

Unter Maschine und Groß motoren wir das Ufer des Tejo entlang. Gut 2 Kn Strom schieben uns an, es wird wieder ein sonnenreicher, schöner Tag .

Wir sind auf dem Weg Richtung Süden, entweder wird Sesimbra nach 34 nm unser Ziel, oder bei sehr gutem Wind wird es Sines werden, ca 60 nm entfernt.

Da wir die um Mittag einsetzende Brise nutzen wollen, legen wir um 12.30 Uhr ab, und motoren die ersten Meilen Richtung Wind. Nach drei Stunden kommt dieser endlich und wir können unter Genua entspannt weiter segeln. Ruhe. Zum ersten Mal endlich wieder Ruhe!! Absolut entspanntes Segeln hoch am Wind - bei knappen 7 Kn Windgeschwindigkeit erreichen wir immerhin 5 kn. Der Wind dreht langsam Richtung West und nimmt dabei stetig zu. Zeit für unseren geliebten Code Zero. Der Wind liegt jetzt bei 10 - 12 kn und das große Segel beschleunigt uns auf 8-9 kn Fahrt durch's Wasser. Das sind die Segelmomente, weshalb wir hier sind! Balsam für die Seele.

Auch das größte Glück währt nicht ewig, daher dreht der Wind weiter nordwärts und unser Kurs wird dadurch immer tiefer und langsamer. Schade, nur noch sechs Knoten Fahrt. Der Wind wird auch weniger, wir erreichen das Kap, hinter dem Sesimbra liegt. Da wir nicht mehr mit wieder zunehmenden Winden rechnen, entscheiden wir uns für Sesimbra als nächsten Hafen. Eine gute Wahl.

Es fängt damit an, dass wir um ca 90 Grad anluven dürfen und so mit dem Code Zero alles aus diesem Wind rausholen, was in ihm steckt. Dazu ein wenig Kapeffekt und los geht's!! 10,5 kn Speed lassen unsere Herzen höher schlagen, unaufhaltsam fliegen wir Richtung Sesimbra.

Immer wieder kommen Böen die Hänge hinunter, die ein munteres und schnelles Segeln garantieren, es ist die Krönung des heutigen Segeltages. Und wie im Drehbuch geschrieben, wird der Wind kurz vor dem Hafen von einem riesigem Hang, eher ein Berg, abgeschaltet und wir bergen die Segel.

Im Hafen werden wir herzlichst von einigen deutschen und deutsch-portugiesischen Seglern empfangen, Leinen werden uns aus der Hand genommen. Herzlich willkommen!!

Damit haben wir nicht gerechnet, zumal unser Revierführer diesen Hafen als nicht so gastfeundlich eingestuft hat. Genau das Gegenteil ist der Fall: total freundliche und hilfsbereite Menschen, super sauberen sanitären Anlagen und unweit vom Hafen gibt es ein Fischrestaurant, das seines Gleichen sucht. Natürlich sitzen wir 2 Stunden später frisch geduscht eben in diesem Restaurant, suchen uns unseren Fisch direkt an der Kühltheke aus und entscheiden uns für Schwertfischsteak.

 

Fischrestaurant bester Güte

Was sollen wir schreiben. Auf unserer Reise erleben wir einen kulinarischen Höhepunkt nach dem anderen. So auch hier. Dazu eine Karaffe Wein, Salat, Kaffee und Nachtisch. Das Ganze für 23 Euro, es hätte in Frankreich das Doppelte bis Dreifache gekostet. Wir fühlen uns hier pudelwohl! (Sorry Lucy: natürlich terrierwohl!!)

Zum Abschluß des Abends kommen noch spontan zwei deutsche Segler an Bord und wir tauschen uns gesellig beim Bier und Wein aus. Segeln verbindet eben.

Nach einer ruhigen Nacht (!) erkunden wir den Ort und genießen unseren ersten Sundowner in einer Bar direkt am Strand, den Atlantik zu Füßen. Jetzt wird uns klar: wir sind angekommen! Wir wollten immer nur nach einem schönen Segeltag  einfach bei angenehmen Temperaturen am Strand einen Drink nehmen, die Füße in den Sand stecken und auf den Atlantik blicken.  Mehr nicht. Wir sind sprachlos. Mindestens zehn Minuten.

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1. Sundowner am Strand

 

Relax.....

 

Sesimbra ist ein kleiner beschaulicher Touristenort mit einer ausgeprägten Fischindustrie. Ein Einheimischer sagt, dass genau hier die neue südliche Klinmazone anfängt, daher sei es hier auch im Winter so ausgesprochen mild. Es ist auf jeden Fall ein Tipp für einen kleinen Kurzurlaub zum Abschalten und Entspannen. Es liegt auch nur unweit von Lissabon.

 

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Sesimbra

 

Dann mal Prost!!

 

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typischer Vormittagsnebel

Und wieder treibt es uns heute Abend in dieses so fantastische Fischrestaurant von gestern Abend und sind wieder begeistert, wobei wir immer noch nicht genau wissen, wie der Fisch heisst, den wir uns aussuchen. Im Anschluss sitzen wir wieder mit den Seglern von unserem gestrigem Empfang und vom Vorabend zusammen und verleben einen wunderschönen geselligen Abend. Das ist es, was unsere Reise neben dem Segeln ausmacht: überall nette Leute mit dem selben Grundgedanken des Segelns treffen, sich austauschen und gesellige Runden haben. Seglerfreundschaften schließen.

Freitag, den 07. Oktober

Der Wetterbericht lockt uns mt leichten, aber viel versprechenden Winden für uns. Eigentlich wären wir gerne noch mindestens einen Tag geblieben, aber wir können einfach diesem verlockendem Wetterbericht für die nächsten Tage  nicht widerstehen.

Ab dem Nachmittag erwarten wir eine einsetzende Brise, die bis zum Sonnenuntergang anhalten soll.  Mittags legen wir ab und eine Stunde später haben wir genug Wind, den Motor wieder abzustellen. Es ist fast wie vor zwei Tagen. Wir fangen hoch am Wind an, dann dreht der Wind und der Kurs wird immer tiefer und langsamer.

Aber erstmal segeln wir hoch am Wind. Zwei Stunden später ist der Wind soweit rübergedreht, dass wir den Code Zero setzen können und gleiten sanft wie eine Feder über den Atlantik, der fast wellenlos vor uns liegt. Es ist ein sehr erhabenes Gefühl und wir genießen diesen Moment mit jeder Sekunde.

Auch heute reicht der Wind bis vor den Hafen namens Sines, den wir nach 36 nm erreichen. Es ist unser letzter Hafen vor der Algarve, die nur gute 6- 10 Stunden Segelzeit entfernt ist. Es scheint so, als wenn der Wind es langsam gut mit uns meint, wofür wir sehr sehr dankbar sind.

Sines ist eigentlich auch sehr schön und sehr sauber und gepflegt. Eine nahezu neuer Ort voller Ferienwohnungen. Wäre da nicht die umliegende Schwerindustrie, verbunden mit dem Tankerterminal hier, ja dann wäre es wirklich sehr schön hier.

Dafür finden wir auf Anhieb wieder ein regional typisches Restaurant, wo deutlich mehr Einheimische denn Touristen sitzen und werden wiederum nicht enttäuscht. Die portugiesische Küche mag vielleicht einfach und rustikal sein, aber sie überzeugt auf ganzer Linie. Vor allem die jeweilige Qualität der Zutaten sowie der Service.

Morgen soll es zur Algarve gehen.

 

 

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historische Trambahn

Fahrstuhl von Herrn Eiffel

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Beim Anmelden gibt uns der Hafenmeister einen super guten Tipp für ein typisch portugiesisches Restaurant hier im Hafenviertel, nicht ausgerichtet auf Touristen. Es ist ein gr0ßer Raum ohne Fenster und nahezu ohne Deko oder besonderer Einrichtung, einfach und zweckmäßig. Die Tische dicht beieinander, für Kommunikation ist gesorgt. Und wie es uns bereits in Combrit in ähnlicher Situation ergangen ist, spricht auch hier vom Personal niemand Englisch. Kurzerhand wird ein offensichtlicher Stammgast vom Nachbartisch hinzugezogen, der für uns übersetzt und uns ein Lammgericht empfiehlt - wow!! Dazu einen portugiesischen Rotwein des Hauses - so lässt es sich leben und es ist ein schönes Ankommen in solch einer Metropole.

Erschöpft und rundum zufrieden fallen wir dann in unsere Kojen.

Heute, Montag, den 2.10. wollen wir uns erstmal noch ausruhen von der Segelei, Boot pflegen, Einkaufen und schauen was dann noch so passiert.

Unser Einkauf heute fällt wieder mal etwas größer aus, wir nutzen das gute Angebot hier. Dann alles rein in ein Taxi und zurück zum Boot. Vorräte auffüllen ist jedes Mal viel Arbeit, Lauferei und Schlepperei. Dafür haben wir jetzt mindestens zwei bis drei Wochen Ruhe mit Einkaufen, nur noch frisches Brot und Gemüse müssen wir in der Zeit besorgen.

Alle Pflichten für heute erfüllt, schlendern wir  in den benachbarten Yachthafen, direkt unter der Brücke des "25. April", eines der vielen Wahrzeichen Lissabons und die Ansteuerungsmarke aller Seefahrer, die in den Fluß Tejo wollen, an dem Lissabon liegt.

Haben wir bis eben noch gedacht, unser Yachthafen ist laut - hier in diesem Yachthafen direkt unter der Brücke ist Lärm garantiert, da liegen wir im anderen Hafen  in einer Oase der Stille. Von oben kommt Flugzeug-, Eisenbahn- und Straßenlärm und zur Abrundung sind hier noch einige Bars und Discos am Hafen. Ach ja, nicht zu vergessen, daß Kreuzfahrtschiff, das hier auch liegt mit ein paar tausen Touristen an Bord. Wir sitzen in einem der Restaurant's hier und alle paar Minuten rauscht über unseren Köpfen gefühlt eine Eisenbahn lang, verbunden mit einem fast Ohren betäubenden Lärm. Das ist zu viel, auch wenn wir uns in einer Metropole befinden. Gut, das wir nicht in diesem Hafen liegen. Metropolische Preise nimmt aber auch unsere Marina für einen Liegeplatz: das Doppelte des sonst Üblichen. Dafür snd dann aber auch die sanitären Anlagen unter aller Kanone, schließlich haben die Megayachten ihren eigenen Sanitärbereich an Bord und für das Fußvolk reicht es eben. Außerdem ist der Hafen immer voll.

 

Dienstag, 04.Oktober

Heute ist eine Stadtrundfahrt angesagt. Lissabon scheint voll mit Touristen zu sein, obwohl wir uns bereits in der Spätsaison befinden. Entsprechend voll sind die Busse, aber wir haben jede Menge Spaß beim Beobachten der vielen anderen Touristen. Manchmal spielen sich reine Comicszenen ab. Vor allem, wenn es um das Besetzen und Reservieren von Plätzen geht. Vielen fehlen wohl die Handtücher, die man bereits vor dem Frühstück über seine Liege legt. Oder eben ein ähnlicher Ersatz.

In knapp zwei Tagen ist es nur möglich, einen sehr oberflächlichen Eindruck von einer Stadt zu bekommen, der auch nicht allgemeingültig sein kann.

Wir empfinden Lisboa als sehr sehr laut, eine moderne europäische Metropole mit sehr nervösem Charakter und all den guten und schlechten Dingen, die eine europäische Hauptstadt ausmacht. Dies mag an der Überflutung durch Touristen und oder an dem überall herrschendem Baulärm und Bauschmutz liegen.

Dafür ist die Stadt voll mit Sehenswürdigkeiten, die einen Besuch lohnen. Wir genießen die Stadtrundfahrt sehr, stürzen uns noch einmal in das Getümmel der Touristen, um dann zum Abend hin zu unserem Boot zurückzukehren. Morgen wollen wir weiter. Mal schauen, wie weit der Wind uns trägt. Hauptsache wieder Ruhe.

 

Brücke des 25.April

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Yellowbus.....

 

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Heinrich der Seefahrer wird geliftet

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historisches Elektrizitätswerk

 

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